Im Laufe seiner Schauspielkarriere entwickelte sich Mario Adorf vom Film-Fiesling zum Tausendsassa: Während seiner Laufbahn verkörperte er mehr als 200 Filmrollen und erhielt dafür unzählige Auszeichnungen. Er hat seinen Beruf geliebt und mit 90 Jahren stand er noch immer vor der Kamera.
Kindheit in Armut
Mario Adorf erblickt am 8. September 1930 als nichteheliches Kind in Zürich das Licht der Welt und wächst in Mayen (Rheinland-Pfalz) auf. Sein Vater war ein verheirateter Chirurg aus Italien und er spielt in Adorfs Kindheit keine Rolle. Dass viele Väter nicht Teil des Familienlebens sind, ist nichts Ungewöhnliches in dieser Zeit.
Doch das Einkommen der Mutter ist so gering, dass es nicht reicht, um beide zu ernähren. Sie hat keine Wahl und muss Mario im Alter von drei Jahren für einige Jahre in ein katholisches Kinderheim geben.
Mario Adorf wird Schauspieler
Nach seinem Abitur beginnt er 1950 zu studieren - erst in Mainz, dann in Zürich. Doch er bricht sein Studium ab und absolviert eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Im Anschluss daran erhält er ein Engagement als Schauspieler bei den Münchener Kammerspielen. Es folgen kleinere Filmrollen.
1957 erhält er die erste große Rolle. In "Nachts, wenn der Teufel kam" mimt er den vermeintlichen Frauenmörder Bruno Lüdke – eine Rolle, mit der er bis heute hadert. Denn heute gilt es als ausgeschlossen, dass Lüdke die von ihm gestandenen Taten tatsächlich verübt hat.
Doch mit dieser aus heutiger Sicht zweifelhaften Rolle, für die er den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsschauspieler erhält, gelingt ihm der Durchbruch. Und sie prägt jahrelang sein Image als Film-Fiesling. Wie zum Beispiel in der Kriminalkomödie "Die Herren mit der weißen Weste", in der er den Ganoven "Dandy" spielt.
Internationale Schauspiel-Karriere
In den 60er Jahren ist Mario Adorf auch international ein gefragter Schauspieler, vor allem in Italien. Einige seiner Rollen bleiben unvergessen.
Den Bösewicht spielt er auch in dem Kinofilm Winnetou 1. Teil nach dem Roman von Karl May. Als "Santer" ermordet er Winnetous Schwester Nscho-tschi – eine Filmtat, die ihm noch Jahre danach übel genommen wird.
In den fast sieben Jahrzehnten als Schauspieler verkörpert Adorf mehr als 200 Film- und Fernsehrollen. Klar, dass da auch Kuriositäten dabei sind, wie zum Beispiel "Engelchen macht weiter - Hoppe, Hoppe, Reiter" (1969).
Echte Meilensteine sind seine Rollen in "Die Blechtrommel" (1979), "Kir Royal" (1986) oder "Der große Bellheim" (1993). Und er entwickelt sich vom Schurken zum ausdrucksstarken Charakterdarsteller.
Mario Adorfs persönlicher Karriere-Höhepunkt ist seine Rolle als Karl Marx in dem ZDF-Porträt "Karl Marx – Der deutsche Prophet" 2018.
Mario Adorf, das Multitalent
Doch nicht nur im Film, auch beim Theater, macht Mario Adorf Karriere. Als Hagen von Tronje bei den Nibelungenfestspielen, als Jimmi in Richard Nashs "Der Regenmacher" oder als Shakespeares "Othello".
Das Multitalent Adorf hat noch mehr auf Lager. Er ist auch Hörbuchsprecher und Autor. In seinem persönlichsten Werk, seiner Biografie "Mit einer Nadel bloß", erzählt er von Erinnerungen an seine Mutter.
Unzählbar viele Auszeichnungen erhält Mario Adorf im Laufe seines Lebens: die Goldene Kamera, den Adolf-Grimme-Preis, den Deutschen Filmpreis und insgesamt dreimal den Bambi. 2016 bekommt er ihn in der Kategorie "Lebenswerk" verliehen.
Mario Adorf war zweimal verheiratet
Aus seiner ersten Ehe mit der mittlerweile verstorbenen Schauspielerin Lis Verhoeven stammt die gemeinsame Tochter Stella Adorf. Doch die Ehe hält nur kurz.
Einige Jahre nach der Trennung verliebt sich der Schauspieler in die Französin Monique Faye. Ganze 18 Jahre lang sind sie liiert, bevor sich die beiden das Jawort geben.
Seit 1985 sind die zwei verheiratet. Zuletzt lebten sie gemeinsam in München, Paris und Saint-Tropez. Jetzt ist der weltberühmte Schauspieler im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung gestorben.