Kommentar

Warum Karlsruhe das Derby gegen den FCK zweimal verloren hat

Nach dem Sieg des FCK beim Südwestderby in Karlsruhe ist es im Stadion zu Ausschreitungen gekommen. Aus Sicht unseres Kollegen Sebastian Zobel ist dabei einiges schiefgelaufen. Ein Kommentar.

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Stand

Von Autor/in Sebastian Zobel

Für viele FCK-Fans ist das Südwestderby gegen den KSC das wichtigste Spiel des Jahres. Die Rivalität der beiden Traditionsklubs ist über viele Jahrzehnte gewachsen. Kein Wunder also, dass die Fans der Roten Teufel den Auswärtssieg in Karlsruhe durch einen Treffer von FCK-Kapitän Marlon Ritter in der Nachspielzeit sehr ausgiebig gefeiert haben. Natürlich gab es da auch Provokationen in Form von Gesängen und Gesten in Richtung des Karlsruher Publikums. Das ist bei solchen Spielen üblich, übrigens auf beiden Seiten.

Doch das rechtfertigt noch lange nicht, was kurz nach Schlusspfiff passiert ist. Ich war selbst vor Ort. Einige Karlsruher Anhänger stürmten, teilweise vermummt, in Richtung des Gästeblocks. Da frage ich mich: Wie kann das sein? Warum können die KSC-Anhänger so problemlos über die Tribüne in Richtung der FCK-Fans stürmen, wo der harte Kern von ihnen seinen Platz eigentlich genau auf der anderen Seite des Stadions hat? Dem Ordnungsdienst mache ich keinen Vorwurf. Man kann von keinem Ordner verlangen, sich so einem Mob entgegenzustellen. Einige von ihnen haben das aber offenbar dennoch versucht oder sind unfreiwillig zwischen die Fronten geraten und dabei verletzt worden. Das ist absolut inakzeptabel!

Wo war die Polizei nach Abpfiff des Südwestderbys?

Aber wo war da bitte die Polizei, die sich doch vorgenommen hatte, die beiden verfeindeten Fanlager rigoros voneinander zu trennen? Es kann wirklich niemand behaupten, dass mit sowas nicht zu rechnen war. Wir alle erinnern uns an 2014, als ebenfalls Karlsruher Anhänger über die Südtribüne des Fritz-Walter-Stadions, durch den Familienblock mit Kindern, stürmten und es im Anschluss zu üblen Szenen und Schlägereien kam. Damals hat es in Kaiserslautern zu lange gedauert, bis die Polizei eingeschritten ist.

Anhänger des KSC prügeln 2014 auf dem Betzenberg auf einen FCK-Fan ein.
Hier prügeln vermummte KSC-Anhänger im Oktober 2014 auf dem Betzenberg auf einen FCK-Fan ein. Jan Hübner

Dieses Mal waren die Einsatzkräfte aus Karlsruhe nicht schnell genug - zumindest nicht schnell genug am richtigen Ort. Man muss sich das mal vorstellen: Da rennt ein Mob Karlsruher auf die FCK-Fans zu – und die Polizei stürmt als erstes in den Gästeblock und versucht, von dort einzugreifen. Das ist etwa so, als würden sie bei einem Diebstahl nicht dem Dieb sondern dem Bestohlenen hinterherlaufen. Natürlich waren in der Zwischenzeit auch FCK-Fans auf den Zaun und darüber geklettert, um sich den Karlsruhern entgegenzustellen. Doch die Aggression ging in dem Fall eindeutig von den Karlsruhern aus. Erst deutlich später ging die Polizei auch auf Seiten der Karlsruher dazwischen.

In einer Pressemitteilung nach dem Spiel schreibt die Polizei Karlsruhe: "Aufgrund des frühzeitigen und konsequenten Einschreitens der Einsatzkräfte konnte ein direktes Aufeinandertreffen der gegnerischen Fangruppierungen vor dem Fußballspiel verhindert werden. Die Anreise der Fußballfans lief ohne besondere Vorkommnisse ab." Für die Zeit nach Abpfiff im Stadion und die Abreise gilt das allerdings nicht.

Berechtigte Kritik am Karlsruher Stadionsprecher

Und dann war da noch der Karlsruher Stadionsprecher. Seine Durchsagen haben dazu geführt, dass die Stimmung weiter aufgeheizt wurde. Erst kritisierte er die Lauterer unnötigerweise über sein Mikro dafür, dass sie nicht vor den Karlsruher Fans jubeln sollen. In der Situation nach dem Spiel forderte er minutenlang ausschließlich die FCK-Fans dazu auf, in ihrem Block zu bleiben. Wörtlich hat er in etwa gesagt: "Das kann doch nicht sein, da muss es doch Leute im Block geben, die das verhindern." Erst deutlich später hat er dann auch das eigene Publikum zur Vernunft gerufen. Kein Stadionsprecher dieser Welt ist unparteiisch, das soll er auch gar nicht sein. Aber ein kurzer Blick in Richtung Gästekurve und ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätten in dem Fall geholfen, um das Geschehen besser einordnen und vielleicht auch deeskalieren zu können.

Der FCK hat den Vorfall und das Verhalten des Karlsruher Stadionsprechers schon kurz nach dem Spiel in einer Mitteilung - wie ich finde völlig zurecht - scharf kritisiert. Der KSC hat sich seinerseits in einem Statement irritiert über die Kritik an seinem Stadionsprecher gezeigt. Dieser habe konsequent an Fairness und Gewaltfreiheit appelliert. Zu Fairness gehört in meinen Augen aber auch dazu, die selbigen nicht zu verschließen, wenn die eigenen Fans über die Stränge schlagen.

Karlsruhe

2. Bundesliga Entscheidung in der Nachspielzeit: FCK jubelt über Derbysieg beim KSC

In einem temporeichen Südwestduell hat der 1. FC Kaiserslautern beim Karlsruher SC einen knappen Auswärtssieg eingefahren. Erst in der Nachspielzeit traf der eingewechselte Marlon Ritter zum Sieg.

Stadion SWR1

Karlsruhe, Kaiserslautern

Sieg im Derby beim KSC FCK-Kapitän Marlon Ritter: Erst Bank, dann Bude

Zunächst saß Ritter 84 Minuten auf der Bank, dann erzielte der Kapitän des 1. FC Kaiserslautern den Siegtreffer zum 3:2-Erfolg im Derby beim Karlsruher SC.

Stadion SWR1

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Autor/in
Sebastian Zobel
Bild von Sebastian Zobel, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern