Sportlich steht eine Menge auf dem Spiel: Die Eintracht will mit einem Sieg noch den Einzug in die Conference League erreichen, der VfB muss den vierten Platz und die damit verbundene Qualifikation für die Champions League verteidigen.
Mit Tobias Welz hat der DFB einen erfahrenen Referee mit der Spielleitung betreut. Dennoch sorgt die Ansetzung für Diskussionen. Zum einen stammt der 48-Jährige aus Wiesbaden, also nur eine gute halbe Stunde von Frankfurt entfernt.
Welz erhält praktisch zum Abschied ein "Heimspiel". Unparteiische mit regionaler Nähe zu einem Klub sind seit der Corona-Pandemie zwar nicht mehr ausgeschlossen, unüblich ist es dagegen schon. Nur eines seiner über 150 Spiele in der Bundesliga fand mit Frankfurter Beteiligung statt. Im Jahr 2004 gewann die Eintracht mit 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach.
Der DFB antwortet auf SWR-Nachfrage, dass Schiedsrichter aus dem selben Landesverband "seit Jahren keine Seltenheit mehr" seien. So leite am 34. Spieltag der gebürtige Nürnberger Deniz Aytekin mit dem Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Köln eine Partie mit einem Klub aus dem eigenen Verband. Mit dem feinen Unterschied, dass es zwischen dem Rekordmeister und den Kölnern sportlich um nichts mehr geht: Aytekin erhält verdientermaßen die größtmögliche Bühne für seinen Abschied aus der Bundesliga.
Welz mit Hauptrolle im Halbfinale des DFB-Pokals
Sebastian Hoeneß nahm die Ansetzung gelassen zur Kenntnis. Der 48-Jährige sei "ein Top-Profi", der in seinem letzten Spiel sicher noch einmal "eine Top-Leistung" abrufen wolle, sagte der VfB-Trainer auf der Pressekonferenz. Doch dass der Hesse Welz nun das entscheidende Spiel der hessischen Eintracht leitet, hat zumindest ein Geschmäckle. Nicht nur wegen der Frankfurter: Auch mit dem VfB verbindet den Unparteiischen eine Geschichte, die vor wenigen Wochen für Diskussionen sorgte. Welz leitete das Halbfinale des DFB-Pokals zwischen Stuttgart und dem SC Freiburg und erwischte dabei einen schlechten Tag.
Der Schiri versuchte zunächst, mit mehreren Gelben Karten für Ruhe im Spiel zu sorgen (was nicht gelang), ließ dann eine Menge laufen, um schließlich zu Beginn der Verlängerung den Freiburger Führungstreffer von Lucas Höler wegen eines vermeintlichen Foulspiels an Jeff Chabot wegzupfeifen. So früh, dass auch der Videoschiedsrichter nicht mehr korrigierend eingreifen konnte - eine Fehlentscheidung.
In der Folge setzte sich der überlegene VfB durch ein spätes Tor von Tiago Tomas durch und zog ins Endspiel gegen den FC Bayern ein. Welz' Spielleitung war dagegen nach dem Abpfiff nicht nur wegen der Fehlentscheidung ein Thema. So ließ sich Deniz Undav wegen der vermeintlich schlechten Kommunikation zu einer wenig schmeichelhaften Aussage hinreißen ("Ich mag den eh nicht"). Wie unvoreingenommen können sich Welz und Undav, der den VfB in Abwesenheit des gesperrten Atakan Karazor vermutlich als Kapitän aufs Feld führend wird, am Samstag gegenübertreten? Offen.
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Tobias Welz ist ein positiver Abschied zu wünschen
Das alles wäre vermutlich nur eine Randnotiz, wenn es nicht für beide Clubs noch um so viel ginge. Doch zwischen Erreichen und Verpassen der Ziele liegen jeweils hohe Millionenbeträge. Mit der Schiri-Ansetzung wurde eine Fallhöhe geschaffen für einen Fall, den man einfach hätte umschiffen können.
Tobias Welz bleibt für seinen letzten Einsatz in der Bundesliga zu wünschen, dass er am Samstag einen guten Tag erwischt und im Idealfall die sportlichen Leistungen der Teams die Schlagzeilen bestimmen. Falls nicht, wird es zu Diskussionen kommen, die man sich hätte ersparen können.
SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen
Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.