Im Heimspiel gegen den VfL Bochum

Das Ende einer Ära: The Last Dance für Christian Eichner und den Karlsruher SC

Nach dem Heimspiel gegen den VfL Bochum endet die Zeit von Christian Eichner als Trainer des Karlsruher SC. SWR Sport blickt auf das Wirken der Klub-Ikone zurück.

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Fast sechseinhalb Jahre. Im Profifußball bedeutet eine solche Zeitspanne eine "halbe Ewigkeit". Nun findet eine Ära ihr Ende: Am Sonntag (15:30 Uhr, live im Audiostream und im Liveticker auf sportschau.de) wird Christian Eichner im Heimspiel gegen den VfL Bochum das letzte Mal als Trainer auf der Bank des Karlsruher SC sitzen. Zum 231. Mal in einem Pflichtspiel - eine herausragende Zahl.

"Ein bisschen Angst"

Eine Partie, der Eichner mit gemischten Gefühlen entgegensieht. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich ein bisschen Angst vor dieser letzten Woche", hatte der Trainer nach dem jüngsten 2:2 des KSC in Paderborn im ARD-Interview offen zugegeben: "Aber es ist gut, dass sie kommt."

Würdiger Abschied für Christian Eichner gegen Bochum

Klar ist bereits jetzt: Die Spieler werden sich noch einmal für ihren Coach zerreißen. "Wir sind es ihm schuldig, ihm in den letzten Wochen den bestmöglichen Abschied zu bereiten", hatte Kapitän Marvin Wanitzek bereits angekündigt, als Anfang April die Trennung von Eichner zum Saisonende gerade frisch verkündet worden war.

Den Worten folgten Taten: Die KSC-Profis tüteten formverbessert den frühzeitigen Klassenerhalt ein und wollen ihrem Trainer nun einen entsprechenden Abgang bereiten. "Ich muss der Mannschaft unendlich dankbar sein dafür, was sie in den letzten Wochen geleistet hat", so Eichners Reaktion in einem SWR-Interview.

"Ein langer Abschnitt geht zu Ende"

Für Eichner selbst, seit Februar 2020 Cheftrainer bei den Badenern, wird das Bochum-Spiel auf jeden Fall noch einmal eine "Gefühls-Achterbahn". "Der KSC ist für mich wie eine Familie", sagte er bereits vor Wochen im Interview mit SWR Sport. Damals war es noch "schwer vorstellbar", nicht mehr Trainer des Traditionsklubs zu sein.

Nun ist es bald Fakt! Er gehe mit "gemischten Gefühlen" in sein "Finale", sagte der 43-Jährige den "Badischen Neuesten Nachrichten": "Einerseits ist da große Vorfreude, dass ich mich als Trainer mit meiner Mannschaft vor eigenem Publikum verabschieden darf. So etwas kommt in unserem Job selten genug vor. Sicherlich gehe ich aber auch mit einer großen Portion Traurigkeit und Wehmut, weil ein langer Abschnitt zu Ende geht."

Bundesliga-Aufstieg mit dem Karlsruher SC 2005/2006

Bereits als C-Jugendlicher wechselte Eichner 1996 vom FVS Sulzfeld zum Karlsruher SC. Dort durchlief er die Nachwuchsmannschaften, bis er 2005 in den Profikader aufrückte. Der Linksverteidiger sicherte sich rasch einen Stammplatz im damaligen Zweitligateam und stieg mit dem KSC 2006 in die Bundesliga auf.

Nach dem Abstieg 2009 zog es Eichner dann zur TSG Hoffenheim, im Januar 2011 wechselte er zum 1. FC Köln. 2014/2015 schnürte er noch einmal die Fußballschuhe für den Drittligisten MSV Duisburg, ehe Eichner wegen einer schweren Meniskusverletzung die Karriere als aktiver Profi beendete.

Da der Linksfuß als Spieler schon das "große Ganze" im Blick und immer auch strategisch gedacht hatte, lag es nahe, eine Trainerkarriere anzustreben. Und wo sonst sollte das geschehen, als bei "seinem" Karlsruher SC? Eichner fing in der Jugend an, wurde jedoch bereits im April 2017 Co-Trainer bei den Profis, war zwischenzeitlich sogar Chefcoach und in der Folge wieder "Co".

Starke Bilanz in den vergangenen Jahren

Im Februar 2020 dann die Krönung: Als Nachfolger des geschassten Alois Schwartz wurde er KSC-Profitrainer und hätte damals wohl nicht mal ansatzweise gedacht, wie lange er diesen Posten einmal innehaben würde. Er rettete die abstiegsbedrohten Badener und wurde in den Folgejahren Sechster (2021), Zwölfter (2022), Siebter (2023), Fünfter (2024) und Achter (2025). Aktuell steht sein Team vor dem Bochum-Spiel auf Rang neun.

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Heimerfolg gegen den VfB als einer der Höhepunkte

Viel mehr scheint mit dem finanziell wahrlich nicht auf Rosen gebetteten Karlsruher SC nicht möglich in einer Liga, in der in all den Jahren auch immer wieder Schwergewichte wie Schalke 04, der HSV, Werder Bremen, Hertha BSC, Hannover 96 und sogar der VfB Stuttgart mitmischten. Gegen den schwäbischen Landesrivalen feierte Eichner im Abstiegskampf der Saison 2019/2020 einen 2:1-Heimerfolg - einer der Höhepunkte seines Wirkens am Wildpark. Genauso wie der 2:1-Auswärtstriumph im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen 2021.

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Nun steht es fest: Der Karlsruher SC und Trainer Christian Eichner gehen im Sommer getrennte Wege. Die Trennung nach knapp sechseinhalb gemeinsamen Jahren macht Sinn, findet SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.

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Dass der ganz große Coup, sprich der Bundesliga-Austieg, nie gelang, ist auch der Vereinspolitik beim Karlsruher SC geschuldet. Immer wieder musste der Klub Leistungsträger ziehen lassen, weil Transfererlöse eine große Rolle spielten und spielen. Eichner hat diesbezüglich nie groß gemeckert, das muss man ihm hoch anrechnen. Obwohl die Ansprüche an die Leistungen seiner Mannschaft, die er nur allzu gern zu einem Spitzenteam entwickelt hätte, trotzdem groß blieben. Auch innerhalb des KSC.

Trennung von Zlatan Bajramovic schmerzte Christian Eichner

Es war auch nicht alles gut in den fast sechseinhalb Jahren. So weit, so normal, in welcher langfristigen Beziehung ist das schon der Fall? Der Streit mit der Vereinsführung im Dezember 2025, als sich der KSC überraschend und ohne Angabe von Gründen von Co-Trainer Zlatan Bajramovic trennte, hatte die Beziehung zwischen Eichner und den Klub-Bossen aber empfindlich getrübt und den 43-Jährigen hart getroffen. Der Coach kritisierte seinerzeit den Rauswurf und erklärte, dass er "den wichtigsten Menschen" in seinem direkten Umfeld verloren habe. Es dauerte lange, bis sich die Wogen wieder glätteten.

Es ist nun, wie es ist, andere Dinge stehen für Eichner im Vordergrund. Erst einmal der VfL Bochum, dann seine Zukunft. Er wird bereits bei verschiedenen Klubs als Trainerkandidat gehandelt, bei Union Berlin etwa oder seinem Ex-Klub 1. FC Köln. Auch das Ausland könne er sich vorstellen, hat er schon verlauten lassen. Eines ist auf jeden Fall sicher: Eichner will auf seiner nächsten Station wieder mit Bajramovic zusammenarbeiten.

Doch erst einmal steht sein Last Dance an. Ob der oft beherrscht wirkende Eichner gegen Bochum emotional werden wird? Seine Spieler werden es sicher sein. "Ich glaube, es werden viele Tränen fließen", hatte Verteidiger Christoph Kobald nach dem 2:2 in Paderborn am vergangenen Wochenende bereits angekündigt: "Es soll ein denkwürdiger Abschied für ihn werden!"

Eichner: "Erinnerungen für die Ewigkeit"

Eichner kündigte bereits an, diesen "maximal genießen" und seinen Spielern, dem KSC-Umfeld sowie den Fans etwas zurückgeben zu wollen. Ehrensache für ihn, denn seit der Abschied feststeht, "vergeht kaum ein Tag, an dem mir Leute nicht 'Danke' sagen. Welcher Cheftrainer darf das denn von sich behaupten, wenn er mal den Club wechseln muss?"

Nicht allzu viele - erst recht nicht nach einer "halben Ewigkeit". Die Klub-Ikone und der KSC trennen sich nun im Guten - und was auf jeden Fall bleiben wird, so Eichner, sind "Erinnerungen für die Ewigkeit".

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Karlsruher SC "Ein bisschen Angst" - KSC-Trainer Christian Eichner vor Abschiedswoche

Mit einem 2:2 in Paderborn endete Christian Eichners letztes Auswärtsspiel als Cheftrainer des Karlsruher SC. Sein Abschied vor heimischer Kulisse wirft bereits seinen Schatten voraus.

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Johann Schicklinski
Audiobeitrag
Michael Spindler