Idealtypisch sollte eine Trennung möglichst fair und harmonisch verlaufen. Auf Augenhöhe auseinandergehen, ohne unnötige Konflikte, die möglicherweise bleibende Verletzungen verursachen - das ist der Wunschgedanke dahinter. So gesehen ist die baldige "Scheidung" zwischen dem Karlsruher SC und Trainer Christian Eichner gelungen. Der 43-Jährige, der auch lange Zeit für den KSC als Profi spielte und dem man das "Herzblut für seinen Verein immer angemerkt hat, ist ab dem Sommer nicht mehr Coach, das steht seit Mittwochvormittag (08.04.) fest. Beide Parteien hatten sich zuvor zusammengesetzt, miteinander Szenarien besprochen und eine bewusste Entscheidung getroffen, die nun zu Klarheit und auch zu Planungssicherheit führt.
Zuletzt war eine sportliche Stagnation sichtbar
Für mich ist diese Trennung die richtige Entscheidung. Eichner, seit Februar 2020 Cheftrainer bei den Badenern, hat in den über sechs Jahren seines Schaffens große Verdienste erwirkt, allerdings war zuletzt sportlich eher eine Stagnation zu spüren. Der Klub steht aktuell auf Rang neun der 2. Liga, nach oben geht nichts mehr und nach unten sollte nach menschlichem Ermessen auch nichts mehr anbrennen. Das klingt etwas nach "grauer Maus" - und so spielt das Team auch öfters.
Immer wieder verlassen die besten Spieler den KSC
Christian Eichner ist aus meiner Perspektive nicht der Hauptverantwortliche für den "Status Quo Mittelmaß". Immer wieder in seiner Amtszeit musste der KSC Leistungsträger ziehen lassen. Im Sommer 2025 verlor das Wildpark-Team etwa den hochtalentierten Keeper Max Weiß an den FC Burnley, im Winter davor zog es Top-Stürmer Budu Zivzivadze zum 1. FC Heidenheim. Nur zwei Beispiele von vielen.
In der kommenden Transferperiode gelten Louey Ben Farhat und Rafael Pinto Pedrosa als "Tafelsilber", dass die klammen Kassen füllen könnte, was gleichbedeutend mit einem erneuten sportlichen Substanzverlust und dem nächsten Neuanfang wäre. Aber das ist der Weg, den der Karlsruher SC sich auf die Fahne geschrieben hat.
Eichner hat diesbezüglich nie groß gemeckert, das muss man ihm hoch anrechnen. Obwohl die Ansprüche an die Leistungen seiner Mannschaft, die er nur allzu gern zu einem Spitzenteam entwickelt hätte, trotzdem groß blieben. Auch innerhalb des KSC.
Trennung von Zlatan Bajramovic schmerzte Christian Eichner
Der Streit mit der Vereinsführung im Dezember 2025, als sich der KSC überraschend und ohne Angabe von Gründen von Co-Trainer Zlatan Bajramovic trennte, hat zudem die Beziehung zwischen Eichner und den Klub-Bossen empfindlich getrübt. Der Coach kritisierte seinerzeit den Rauswurf und erklärte, dass er "den wichtigsten Menschen" in seinem direkten Umfeld verloren habe. Auch das spielerisch desolate 1:5 beim 1. FC Nürnberg im Februar sorgte für Risse. Gerüchten zufolge stand Eichner damals schon kurz vor dem Rauswurf, vom Verein gab es lange kein klares Bekenntnis zum 43-Jährigen.
Auf mich wirkte die Beziehung zwischen dem Karlsruher SC und Eichner deshalb längst nur noch wie ein "Miteinanderleben", das sich abgenutzt hat. Die Trennung ist deshalb auch eine Chance - für Coach und Klub. Eichner schätze ich als ehrgeizig und jung genug ein, dass er heiß darauf ist, den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere zu machen. Das kann er nun ab Sommer tun. Ebenso kann der KSC nach einem neuen Übungsleiter Ausschau halten, der - innerhalb der Vorgaben des Klubs - das Feuer neu entfacht.
Und das Beste aus meiner Sicht: Beide Parteien gehen aller Voraussicht nach respektvoll und mit Anstand auseinander. Nicht unbedingt als Freunde, aber nach welcher Beziehung ist das schon direkt der Fall? Aber in einer Art und Weise, die den sechseinhalb gemeinsamen Jahren, einer für den Profifußball langen Liaison, gerecht wird.