Fußball | 2. Bundesliga

Derby gegen den KSC: Für FCK-Boss Hengen "kein richtiges Auswärtsspiel"

Vor dem Nachbarschaftsduell beim KSC knistert es am Betzenberg. FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen spricht im SWR-Interview über eine besondere Begegnung.

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Von Autor/in Michi Glang

Wenn am Samstag um 13 Uhr das Spiel zwischen dem KSC und dem 1. FC Kaiserslautern angepfiffen wird, kennt einer im Wildpark beide Seiten: Thomas Hengen. Der FCK-Geschäftsführer gehört zu den Spielern, die sowohl für die Roten Teufel als auch für den KSC aufgelaufen sind.

Während der Saison 1995/96 verständigte sich der in Landau geborene Mittelfeldakteur des FCK mit den Badenern über einen Wechsel zur neuen Spielzeit. Die Pfälzer mussten 1996 erstmals den Gang in die 2. Liga antreten. In seinem letzten Spiel für die Pfälzer traf Hengen ausgerechnet auf den KSC. Im DFB-Pokalfinale siegten die Roten Teufel gegen die favorisierten Badener mit 1:0 und feierten nach dem Abstieg einen bittersüßen Triumph.

KSC gegen den FCK: "Ein Derby ist ein Derby"

Viel Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen, bleibt dem 51-Jährigen vor der Partie der beiden heimstärksten Teams der 2. Liga nicht. Zumal das alles auch fast schon 30 Jahre her ist. An der Bedeutung des Duells hat sich in all der Zeit aber nichts geändert.

"Ein Derby ist ein Derby, und die Rivalität ist die gleiche. Einfach durch die Begebenheit, dass man nah beieinander ist", sagt Hengen. Nur 65 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem Betzenberg und der Karlsruher Arena.

Kader des KSC in der Saison 19641965
Die Anfänge der Rivalität - KSC-Mannschaft 1964/65: In der zweiten Saison der Fußball-Bundesliga gehörte auch der Karlsruher SC zum Teilnehmerfeld – und traf in der neuen Liga auf den 1. FC Kaiserslautern. 12.000 Zuschauer sahen damals, wie der KSC am 05.12.1964 mit 6:1 gegen die Pfälzer gewann, auch das Rückspiel ging mit 1:0 an die Karlsruher. Bereits in der Vorsaison gab es einen 5:1 Sieg der Karslruher. IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Bredenfeld beim versuch eines Kopfballs
Torreicher Schlagabtausch im Wildpark: Vor 35.000 Zuschauern unterlag der Karlsruher SC am 8. November 1975 dem 1. FC Kaiserslautern mit 3:5 – ein Derby, das vor allem wegen seiner Offensivpower in Erinnerung blieb. IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Der Kaiserslauterer Norbert EILENFELDT (R) erzielt vorbei am Karlsruher Torwart Rudi WIMMER und Helmut ZAHN das Tor zum 2:0. 1. FC Kaiserslautern - Karlsruher SC 26.03.1983
Machtdemonstration auf dem Betzenberg: Am 26. März 1983 wurde der Karlsruher SC vom 1. FC Kaiserslautern mit 0:7 überrollt – Andreas Brehme, Norbert Eilenfeldt und Torbjörn Nilsson trafen doppelt. Für den KSC war die Partie Sinnbild einer schweren Saison, die am Ende mit dem Abstieg aus der Bundesliga endete. Im Bild: FCK-Spieler Norbert Eilenfeldt (r) köpft am Karlsruher Torwart Rudi Wimmer und Helmut Zahn vorbei zum 2:0. IMAGO / Stockhoff Bild in Detailansicht öffnen
Emanuel GÜNTHER (9) bejubelt sein Tor zum 4:4 Ausgleich in der Verlängerung mit Uwe BÜHLER (11)
Nur ein halbes Jahr nach dem 0:7-Debakel auf dem Betzenberg bekam der KSC die Chance zur Revanche – dieses Mal im DFB-Pokal. Und plötzlich war alles anders: Ausgerechnet der Absteiger aus Karlsruhe drehte das Spiel nach 0:2-Rückstand und warf Kaiserslautern mit 5:4 nach Verlängerung aus dem Wettbewerb. Neben dem dreifachen Torschützen Emanuel Günther (2.v.li) wurde auch Uwe Bühler (1.v.li) mit seinem Treffer zum 5:4 in der 119. Minute zum Helden des Abends. IMAGO / Stockhoff Bild in Detailansicht öffnen
Karlsruher SC - 1. FC Kaiserslautern: Pavel Kuka (li., Kaiserslautern) gegen Thorsten Fink (KSC)
Tor-Spektakel im Wildpark: Am 1. Oktober 1994 trennten sich der Karlsruher SC und der 1. FC Kaiserslautern 3:3 – nach 0:3-Rückstand rettete der KSC durch einen Doppelschlag von Adrian Knup noch ein Remis. Es war eines von mehreren packenden, aber letztlich ausgeglichenen Duellen dieser Ära: Zwischen 1993 und 1996 trennten sich beide Rivalen in der Bundesliga stets unentschieden. Das sollte sich im nächsten Spiel allerdings ändern. IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Martin Wagner (FCK) nach seinem Tor zum 1:0
Der Moment, der alles entschied: Martin Wagner trifft im Pokalfinale 1996 per direktem Freistoß – das 1:0 für den 1. FC Kaiserslautern gegen den Karlsruher SC. IMAGO / Uwe Kraft Bild in Detailansicht öffnen
Jubel FCK mit Pokal, Oliver Schäfer und Axel Roos.
Triumph trotz Abstiegs: Der FCK feiert in Berlin den Pokalsieg – und schreibt mit dem Erfolg gegen den badischen Rivalen das wohl dramatischste Kapitel der Derbygeschichte. Oliver Schäfer und Axel Roos mit dem DFB Pokal. IMAGO / Uwe Kraft Bild in Detailansicht öffnen
Säbeltanz im Mittelfeld: Sforza und Buchwald (KSC) heben die Beine in beachtliche Höhen
Das bislang letzte Bundesliga-Derby der beiden Vereine: Am 27. Februar 1998 trennten sich der 1. FC Kaiserslautern und der Karlsruher SC 0:0. Während der KSC in dieser Saison abstieg, feierte Lautern seine vierte deutsche Meisterschaft – ein symbolisches Ende der klassischen Bundesliga-Derbys zwischen beiden Vereinen. Sforza (FCK) und Buchwald (KSC) hier im Zweikampf. IMAGO / Alfred Harder Bild in Detailansicht öffnen
4:0 für den Karlsruher SC durch Budu Zivzivadze
Sprung in die Gegenwart: Im Februar 2024 feierte der Karlsruher SC einen 4:0-Auswärtssieg beim 1. FC Kaiserslautern vor 49.327 Zuschauern. Seit dem letzten Duell im Oberhaus gewann der FCK allerdings sieben mal, während der KSC nur vier Duelle gewinnen konnte. Neun Spiele endeten unentschieden. Zwei Spiele fanden in der dritten Liga statt, 18 in Liga zwei. IMAGO / Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen

KSC gegen FCK - der Sieger beißt sich oben fest

"Wir freuen uns riesig auf das Spiel. Es ist für uns das einzige Derby in der 2. Liga. Derbys sind das Salz in der Suppe", weiß Hengen. "Ein Derby kann immer andere Wendungen nehmen. Da muss man immer hellwach sein. Wir müssen Gas geben und versuchen, unseren Fans einen Sieg zu schenken."

Der Derbycharakter wird das Spiel also prägen, auch wenn der sportliche Wert schon ohne den ungeliebten Nachbarn für beide Seiten groß genug ist. Sowohl der KSC als auch der FCK haben 15 Punkte auf dem Konto und haben als bislang einzige Teams alle vier Heimspiele gewonnen. Wer am Samstag als Gewinner vom Feld geht, wird sich vorerst einen Platz in der Spitzengruppe gesichert haben.

Hengen: Derby ist "kein richtiges Auswärtsspiel"

In gegnerischen Stadien hat sich der FCK in dieser Saison bislang schwer getan. Lediglich bei der SpVgg Greuther Fürth, als die Roten Teufel fast über die komplette Spielzeit in Überzahl agierten, sprang ein Sieg heraus (3:0). Ansonsten setzte es drei Niederlagen. Da kommt die nächste Aufgabe gerade recht. Bei Derbys herrsche eine andere Atmosphäre: "Es ist kein richtiges Auswärtsspiel." Hengen hofft, die Mannschaft werde daher "anders auf Spannung sein und das Spiel anders angehen". 3.000 bis 4.000 Fans werden die Roten Teufel im Wildpark unterstützen.

Dafür setzt FCK-Trainer Torsten Lieberknecht auf einige besondere Reize. "Wir fahren nach dem Abschlusstraining nach Karlsruhe und verändern dort bewusst einige Abläufe, um neue Impulse zu setzen. Beim letzten Auswärtsspiel in Paderborn waren wir zum Beispiel sehr früh im Stadion, was den Ablauf etwas gezogen hat. Das wollen wir dieses Mal anders gestalten, sagte der Coach auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim, Mainz, Berlin

SWR Sport | 24. Mai ab 22:00 Uhr SWR Sport mit DFB-Pokalfinale, Europa League-Finale und Nils Petersen

Europa League-Finale mit dem SC Freiburg, DFB-Pokalfinale VfB Stuttgart gegen FC Bayern und der deutsche WM-Kader. Viel Gesprächsstoff mit Studiogast Nils Petersen, Ex-Freiburg-Profi.

Aremu-Einsatz beim FCK offen

Auch für den 52-Jährigen ist dieses Duell etwas Besonderes. "Ich war früher selbst als Fan bei Spielen im alten Fritz-Walter-Stadion, als Winnie Schäfer der Trainer beim KSC war. Da hat man die besondere Atmosphäre gespürt." Der Charakter solcher Partien sei ähnlich eines Pokalspiels, sagt Lieberknecht.

In Karlsruhe muss der FCK weiterhin auf die Langzeitverletzten Kenny Prince Redondo und Simon Asta verzichten. Maxwell Gyamfi sitzt noch ein Spiel seiner Rotsperre ab. Afeez Aremu hat wegen eines grippalen Infekts einige Trainingstage verpasst, sein Einsatz ist noch fraglich.