Am Ende gab es ein Sonderlob von höchster Stelle. "Jamie war sehr aktiv. Er hat immer was probiert und sich getraut, auch wenn nicht alles geklappt hat. Er hat die Mannschaft mit seiner Lust mitgerissen", urteilte Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 3:1-Sieg der DFB-Auswahl in der WM-Qualifikation gegen Nordirland.
Jamie Leweling nutzt seine Chance im DFB-Team
Jamie Leweling war nach der 0:2-Pleite in der Slowakei neu ins Team rotiert - und hatte seine Chance beim Schopf gepackt. Der Flügelspieler vom VfB Stuttgart durfte über die kompletten 90 Minuten mitwirken, verzeichnete starke 86 Ballkontakte, spielte 56 Pässe, schlug fünf Flanken und ging sieben Mal ins Eins-gegen-Eins (Erfolgsquote 71 Prozent).
Das nötige Selbstvertrauen für diesen Auftritt hatte er sich im Trikot der Schwaben zuvor erarbeitet. Beim knappen 1:0-Heimerfolg gegen Borussia Mönchengladbach war Leweling aktivster Stuttgarter, hatte Gegenspieler Joe Scally immer wieder vor große Probleme gestellt und schließlich auch den goldenen Treffer durch Chema Andres vorbereitet. Nach der Partie gab es - genau wie jetzt in der Nationalmannschaft - ein Sonderlob, damals von VfB-Coach Sebastian Hoeneß. Man darf davon ausgehen, dass Leweling, der gegen die Fohlen meist über den linken Flügel kam, im baden-württembergischen Duell beim SC Freiburg (Samstag, 15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion) für die Startelf gesetzt ist.
Ermedin Demirovic im Angriffszentrum gesetzt
Das gleiche gilt für Mittelstürmer Ermedin Demirovic im Angriffszentrum, weil Nick Woltemade den VfB kurz vor Schließung der Transferliste in Richtung Newcastle verlassen hat. Der 1,98-Meter-Mann war wegen seiner technischen Fertigkeiten, seiner Klasse im Bälle festmachen und seines Passspiels fest eingeplant - nun muss es ohne ihn gehen.
Da Deniz Undav sich gegen Gladbach am Knie verletzte, noch ein paar Wochen ausfällt und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und Co. es nicht mehr schafften, einen weiteren zentralen Stürmer zu verpflichten, bleibt somit ganz vorne drin "nur" Demirovic.
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Viele Namen wurden gehandelt, doch gekommen ist letztlich keiner: Der VfB Stuttgart hat keinen Ersatz für den abgewanderten Nick Woltemade gefunden. Im Sturmzentrum wird es somit in nächster Zeit dünn - das sind die Optionen der Schwaben.
Badredine Bouanani überzeugt gegen Großaspach
Auf der rechten Seite scheint es am wahrscheinlichsten, dass Neuzugang Badredine Bouanani (OSC Lille) sein Pflichtspieldebüt für den DFB-Pokalsieger feiern wird - und dabei direkt in der Startelf steht. Im Testspiel gegen Großaspach (6:2) überzeugte der 20-Jährige. Er steuerte nicht nur im "Arjen-Robben-Style" den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 für den VfB bei, sondern leitete zwei weitere Tore mit jeweils raumöffnenden vorletzten Pässen ein.
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Badredine Bouanani soll die Offensive des VfB Stuttgart beleben und gefährlicher machen. Dem 20-Jährigen wird großes Talent nachgesagt - aber auch eine gewisse Faulheit.
Auch für ihn gab es daraufhin ein Lob von Coach Hoeneß. "Man hat gesehen, dass er ein sehr guter Fußballer ist", sagte der Trainer, der auch noch auf die Spielweise des Neuzugangs einging: "Er macht schnelle Bewegungen und ist durch seine kleinen Haken sehr schwer zu greifen. Dazu hat er eine starke Technik und einen guten linken Fuß." 20 Millionen Euro hat der VfB dem Vernehmen nach für das Offensivtalent ausgegeben - man darf gespannt sein, ob und wie schnell Bouanani diesen Invest zurückzahlt. Seine erste Bewährungsprobe dürfte er im Breisgau bekommen.
Tiago Tomas ist sofort mittendrin
Hinter dem zentralen Stürmer Demirovic könnte Tiago Tomas spielen. Der Portugiese wechselte im Sommer aus Wolfsburg zum VfB, wo er schon von Winter 2022 bis Sommer 2023 spielte. Der 23-Jährige fand sich gut ein, sein Treffer beim 1:2 bei Union Berlin schaffte es in die Endauswahl beim "Tor des Monats" August der Sportschau, sein Hackentrick vor der zwischenzeitlichen 4:3-Führung der Stuttgarter im DFB-Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig (Endstand 12:11 nach Elfmeterschießen) verzückte Millionen Fans vor den TV-Bildschirmen. Auch gegen Großaspach zeigte Tomas eine starke Leistung. Auffällig war sein bereits sehr gut funktionierendes Zusammenspiel mit Bouanani.
Bilal El Khannouss war noch für Marokko im Einsatz
Bilal El Khannouss wäre ebenfalls ein Mann für die Zehn. Mit dem Neuzugang von Leicester City verbinden die VfB-Fans wohl die größten Hoffnungen, der 20-Jährige Marokkaner gilt als riesiges Talent. In Freiburg wird er sehr sicher noch nicht in der Anfangsformation stehen - weil er eben erst kurz vor Toresschluss nach Bad Cannstatt gewechselt ist und in der Länderspielpause beim Nationalteam war. Mit Marokko erarbeitete sich El Khannouss in der WM-Qualifikation einen souveränen 5:0-Sieg gegen den Niger, bei dem er 23 Minuten zum Einsatz kam, sowie einen 2:0-Erfolg gegen Sambia, bei dem er in der Startelf stand.
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Im Gespräch mit SWR Sport ordnet Sven Haist, Sportkorrespondent aus London, den VfB-Neuzugang Bilal El Khannouss aus Leicester und den Abgang von Nick Woltemade nach Newcastle ein.
Chris Führich muss sich erst einmal hinten anstellen
Nicht wie gewünscht verlief der Saisonstart für Rechtsaußen Chris Führich. Gegen Berlin gelang dem Flügelspieler als Joker zwar ein Assist für Tomas, gegen Gladbach wurde er von VfB-Coach Hoeneß indes erst ein- und dann wieder ausgewechselt. Gegen Braunschweig im Pokal durfte er beginnen, nutzte aber seine Chance nicht. Dass der 27-Jährige gewillt ist, um seinen Platz zu kämpfen, bewies er mit drei Treffern gegen Großaspach, die Tendenz lautet aber trotzdem: Führich muss sich erst einmal hinten anstellen.
Lazar Jovanovic bringt jugendliche Unbekümmertheit mit ein
Lazar Jovanovic indes stellt sich aktuell vermutlich gerne hinten an, um sich über Joker-Einsätze für größere Aufgaben zu empfehlen. Der erst 18-jährige Serbe ist auf beiden Flügeln beheimatet und wurde an den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen zweimal eingewechselt. Jovanovic bringt neben seinen technischen Fertigkeiten vor allen Dingen jugendliche Unbekümmertheit mit ein. Für Noah Darvich wird es bei all der Konkurrenz schwer, aktuell einen Platz zu ergattern, Silas und Justin Diehl fehlen derzeit verletzt.
Dennoch ist die Auswahl für VfB-Trainer Hoeneß groß - was vor den anstehenden Englischen Wochen auch wichtig ist. Es ist ein spannendes Offensiv-Puzzle beim VfB Stuttgart, das in Freiburg so aussehen dürfte: Zentral im Sturm mit Demirovic, Tomas könnte als eine Art hängende Spitze leicht versetzt hinter dem Bosnier agieren und über die Flügel dürften vermutlich Leweling (links) und Bouanani (rechts) Dampf machen.