Schädlingsbekämpfer Thilo Fleschhut

Kakerlaken, Motten, Wanzen: Schädlingsbekämpfung braucht kein Gift

Thilo Fleschhut ist Schädlingsbekämpfer und verrät, warum kleine Tiere wie Kakerlaken, Wanzen, Motten, Flöhe, Ratten oder Ameisen nicht unbedingt mit Gift vertrieben werden müssen.

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Wie funktioniert umweltschonende Schädlingsbekämpfung?

Schädlinge loswerden und trotzdem nicht gleich zur Chemie-Keule greifen, das ist das Ziel von Schädlingsexperte Thilo Fleschhut aus Bad Waldsee im Kreis Ravensburg. Dazu prüft er alternative Verfahren, wie beispielsweise den Einsatz von Hitze. Manchmal sei es auch möglich, Schädlinge umzusiedeln. Das hänge immer vom Einzelfall ab, meint er.

Baden-Württemberg

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Die eingeschleppte Ameise Tapinoma magnum bedroht in Baden-Württemberg Gebäude und technische Infrastruktur. Invasive Arten werden zunehmend zum Problem - auch für die Gesundheit.

Tapinoma magnum: Was hilft gegen aggressive Ameisen?

Bei einem Ameisenproblem müsse als erstes geklärt werden, um was für Ameisen es sich handelt und woher sie kommen. Wer viele Ameisen im Außenbereich hat, sollte prüfen, ob es womöglich irgendwo massiv viele Blattläuse gibt und daher ein Pflanzenschutzproblem besteht. Denn: Ameisen melken Blattläuse und nehmen ihnen den Honigtau ab, erklärt der Schädlingsexperte.

Die Ameisenart Tapinoma magnum gilt als besonders aggressiv und bissig. Bislang fehlen die Erfahrungen mit dieser Art, sagt Fleschhut. Aktuell werde oft versucht, mit Heißwasser gegen die Ameisen vorzugehen. Die Bekämpfung sei allerdings schwierig. Die Ameisenart kommt aus dem Mittelmeerraum und hat sich von dort aus massiv verbreitet.

Ein natürliches Hausmittel gegen Ameisen sei zum Beispiel Zitronensäure. Wird diese auf eine Ameisenstraße gesprüht, werden die Tiere dort sofort stoppen und nicht weiterlaufen.

Was ich nicht empfehle, ist Backpulver. Das ist tierschutzrechtlich absolut bedenklich. Da ist ein Treibmittel eingearbeitet, dadurch platzen die Ameisen.

Schädlinge bekämpfen: Papierfische und Silberfische

Papierfische sind größer als Silberfische. Seit der Corona-Pandemie haben sie sich mehr verbreitet, da viele Menschen online bestellen und die Tiere dann in Kartons mit ins Haus gebracht werden. Dort knabbern sie beispielsweise Tapeten und Bücher an.

Gegen Papierfische könne man mit Wärme arbeiten und brauche dann keine Insektizide, sagt Fleschhut. Wer erstmal selbst gegen einen Papierfisch-Befall vorgehen möchte, kann mit Köderdosen arbeiten. Außerdem sollten Bücher, die nicht gebraucht werden, besser in Kunststoffboxen lagern. Auch regelmäßiges Staubsaugen könne helfen.

Die Schädlinge ernähren sich von Papier und Karton So unterscheiden sich Papierfischchen von Silberfischchen

Wer denkt, Silberfischchen in der Wohnung zu haben, sollte etwas genauer hinsehen. Es könnte sich auch um ihre Artgenossen, die Papierfischchen handeln, die als Schädlinge gelten.

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Schlupfwespen: Lebensmittelmotten ohne Gift loswerden

Lebensmittelmotten fliegen auf Licht und Gerüche. Wir können sie uns durch Lebensmittel mit ins Haus holen, sie können aber auch durch offene Fenster und Türen fliegen. Um das zu verhindern, empfiehlt Fleschhut Insektenschutzgitter.

Wenn Sie hochwertige Naturmüslis kaufen, ist es ganz oft so, dass die schon einen Mottenbefall haben. Es macht Sie nicht krank, wenn Sie es essen. Es ist ein bisschen eine Kopfsache.

Sind die Motten im Haus, helfen Schlupfwespen in der Regel sehr gut. Diese könne man online bestellen und sich schicken lassen. Schlupfwespen saugen die Eier der Motten aus, wodurch es keinen Motten-Nachwuchs mehr gibt. Gibt es keine Motten mehr, können die Schlupfwespen auch nicht mehr überleben.

Reicht diese Methode nicht aus, müsse man einen Schädlingsbekämpfer holen, der zum Beispiel eine Vernebelung mit einem Kurzzeit-Insektizid durchführt.

Bettwanzen – wenn Schädlinge mitreisen

Noch vor 10 bis 15 Jahren habe es in Deutschland keine Bettwanzen mehr gegeben. Mittlerweile bestehe das Problem wieder weltweit, sagt Fleschhut. Fachleute vermuten, dass viele Insektizide, die keine Zulassung mehr bekommen haben, in der Vergangenheit auch Bettwanzen bekämpft haben. Außerdem werde mehr gereist als früher, wodurch Bettwanzen mehr verbreitet werden.

Tipp gegen Bettwanzen: Bitte nach einer Reise den Koffer niemals im Schlafzimmer auf dem Bett auspacken.

Oft hätten wir die Tendenz, zu viel Kleidung in den Urlaub mitzunehmen und diese dann ungewaschen wieder in den Schrank zu räumen – genau das sei der Moment, in dem die Bettwanzen eingebracht werden, sagt der Experte.

Sind die Bettwanzen erstmal da, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Bekämpfung. Thilo Fleschhut bevorzugt eine Behandlung mit Wärme, um den Einsatz von Insektiziden im Schlafzimmer möglichst zu vermeiden.

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Chemiefreie Mittel gegen Hundeflöhe

SWR1 Hörerin Karin aus Reutlingen sagt, ihr Hund vertrage keine Chemie. Sie ist daher auf der Suche nach einem chemiefreien Mittel gegen Hundeflöhe.

Man könne den Hund mit Teebaumöl behandeln, schlägt Thilo Fleschhut vor. Auch regelmäßige Fellpflege mit einer Bürste könnte helfen – selbstverständlich sollte man nicht in der Wohnung, sondern nur im Außenbereich bürsten. Punktuell könne man den Hund auch mit Diatomeenerde, auch Kieselgur genannt, behandeln. Diatomeenerde ist ein feines Pulver, das durch seine stark wasseranziehende Wirkung das Einnisten von Flöhen, Milben und Insekten verhindert.

Marienkäfer, Florfliege, Schlupfwespe... Diese Insekten bekämpfen Schädlinge im Garten

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