Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Atomausstieg: Wie schaffen wir die Energiewende?

Das Thema Energiewende ist nicht nur hoch komplex, sondern auch hoch emotional. Der Physiker Andreas Luczak sagt, "polarisierendes schwarz-weiß-Denken" bringt uns nicht weiter.

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Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif. Aber es ist auch nicht ein riesiger Geldbetrag, wenn man das volkswirtschaftlich betrachtet, wie reich wir im Land sind.

Energiewende: Mehr Windkraft und Solarenergie

Der Klimawandel lässt sich nicht wegwischen, stellt Prof. Dr. Andreas Luczak nüchtern fest. Allerdings: Die Folgen würden wir erst in 10, 20 oder 30 Jahren stark sehen. Das mache es politisch so schwierig, da man sich leider zu oft auf kurzfristige Dinge konzentriere.

Langfristig wird unsere Wirtschaft sehr stark Schaden nehmen, wenn wir nichts gegen den Klimawandel tun. Das ist immer das Problem: Wir müssen jetzt was investieren, was vielleicht kurzfristig sogar schädlich ist für die Wirtschaft, aber langfristig wird es uns helfen.

Bio-Energie, z.B. durch Biogas oder Holzpellets, habe derzeit einen größeren Anteil an der Gesamt-Energieversorgung in Deutschland als Wind und Solar. Die Wind- und Solarenergiegewinnung sei allerdings das Einzige, was man "nachhaltig und kosteneffizient" noch stark ausbauen könne, meint Adreas Luczak. Für Bio-Energie gebe es kaum noch Flächen.

Bio-Pflanzen brauchen 50 mal mehr Platz als Photovoltaik für den gleichen Energieertrag.

Auch die Wärmegewinnung zum Beispiel durch Geothermie sei zu teuer und im Umfang nicht in dem Maße ausbaubar, wie Wind und Solar.

Wirtschaft: Kostet oder bringt die Energiewende Arbeitsplätze?

Oft würden im Zuge der Energiewende Branchen wie die Automobilindustrie genannt, in denen Arbeitsplätze wegfallen. Tatsächlich sei die Energiewende aber einer der größten Wirtschaftszweige in Deutschland.

Hunderttausende Arbeitsplätze leben davon, dass wir Wind und Solar ausbauen. Und es werden in diesem Sektor noch mehr Arbeitsplätze gebraucht werden.

Auch wenn viele Teile, wie Photovoltaik-Module, aus dem Ausland kommen, hätten wir durch Montage, Planung und Überwachung eine sehr große Wertschöpfung in Deutschland. Die Module selbst seien so günstig geworden, dass sie nur noch einen geringen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen, so Luczak.

Stromerzeugung aus Wind und Solar sei an sich billig, es kommen allerdings Kosten für den Netzausbau und Speicher hinzu. Insgesamt werde es dadurch etwas teurer als mit fossiler Energieversorgung, allerdings nicht "unglaublich viel teurer".

Es ist nicht der Niedergang der Wirtschaft, sondern es ist eben etwas, was wir investieren müssen, um den Nutzen dann in 10, 20, 30 Jahren in Deutschland und weltweit zu haben.

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Trotz Bemühungen im Windkraft-Ausbau Zu wenige neue Windräder: BW bleibt hinter Zielen der Energiewende

In Baden-Württemberg entstehen immer mehr Windräder. Gleichzeitig ist der Ausbau im Land noch nicht dort angekommen, wo er sein sollte.

Wasserstoff aus Windkraft? Warum stehen Windräder still?

Bläst der Wind zu stark, werden Windräder "abgeregelt". Das ist notwendig, um die Netze vor Überlastung zu schützen. SWR1 Hörer Jürgen aus Weil am Rhein möchte wissen, warum die "überschüssige" Windenergie nicht zur Elektrolyse von Wasserstoff genutzt wird.

Andreas Luczak sagt, dass Wasserstoff zwar eine zwingende Speicheroption sei, allerdings erst am Ende der Energiewende. In Schleswig-Holstein beispielsweise seien Windräder nur etwa 10 Prozent der Zeit abgeregelt. Ein Gerät für die Elektrolyse von Wasserstoff wäre also 90 Prozent der Zeit ungenutzt. Das rechne sich nicht.

Die Kosten, um eine Tonne CO₂ einzusparen durch die Elektrolyse und Wasserstoff, sind so viel höher als viele andere Dinge, wie Haussanierungen oder noch ein Windrad mehr aufzustellen, dass es sich einfach ökonomisch noch nicht rechnet.

Keine Sonne, kein Wind, kein Strom – Was tun bei Dunkelflaute?

Mit aktuellen stationären Batteriespeichern könne der Strombedarf von Deutschland nicht einmal eine Stunde lang gedeckt werden. Bei Dunkelflauten ohne Wind und Sonne brauche es daher Gas- oder Kohlekraftwerke.

Was davon "besser" ist, könne nicht so einfach beantwortet werden, meint Andreas Luczak. Auch Gaskraftwerke hätten hohe Emissionen. Studien zeigten, dass sie sogar höher seien als bei Kohle, wenn Fracking-Gas aus den USA importiert werde. Eine Abwägung müsse sein, was der Bau eines neuen Gaskraftwerks kostet. Vielleicht könnte es sinnvoller sein, ein Kohlekraftwerk länger laufen zu lassen und das eingesparte Geld in andere Maßnahmen zu investieren, mit denen in der Summe die Emissionen schneller reduziert werden können.

Es ist eben nicht so einfach zu sagen: Kohle ist schlecht und Gas ist gut.

Das Problem der Dunkelflaute könne zudem durch Vernetzung innerhalb Europas reduziert werden.

Atomausstieg und Energiewende: Schaut die Welt auf Deutschland?

Deutschland hat entschieden, aus der Atomenergie auszusteigen. Im Nachbarland Frankreich werden dagegen sogar noch neue Atomkraftwerke gebaut. Andreas Luczak hält das für zulässig, man dürfe nicht immer nur auf die anderen schauen. Das Argument, es interessiere global nicht, welchen Weg Deutschland energiepolitisch nimmt, lässt Luczak nicht gelten. Deutschland habe durchaus eine wegweisende Rolle in Europa.

Deutschland hat in der EU einen sehr großen Einfluss und kann mit seiner Politik die ganze EU-Politik, auch die Klimapolitik, beeinflussen. Und die EU als Ganzes ist ein großer Wirtschaftsfaktor.

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