Wir wünschen uns für unsere Tiere ein Leben außerhalb des Tierheims. Dennoch ist es in Rumänien so: Wären sie nicht in diesem Tierheim, würde die Gefahr des Einfangens und schlichtweg Tötens bestehen.
Tausende Hunde und Katzen: das Tierheim Smeura in Rumänien
Auf einer Fläche größer als sieben Fußballfelder, ca. 120 Kilometer nördlich von Rumäniens Hauptstadt Bukarest, liegt Smeura – das größte Tierheim der Welt. Eine Auszeichnung, auf die Matthias Schmidt vom deutschen Verein "Tierhilfe Hoffnung" nicht stolz ist. Mit seinem Verein ist er verantwortlich für Smeura und damit für fast 7.000 Tiere.
Gegründet in Baden-Württemberg Smeura - Das größte Tierheim der Welt in Rumänien
Smeura, das größte Tierheim der Welt, beherbergt mehr als 6.000 Hunde und rettet sie vor dem sicheren Tod. Viele der Hunde landen dann in Baden-Württemberg.
Das Team des Vereins besteht aus 134 Menschen, darunter 11 Tierärzt:innen und 60 Tierpfleger:innen. Jede:r kümmert sich um bis zu 200 Tiere.
Eine große Herausforderung sei es, die Hunde zu füttern. Man könne nicht allen gleichzeitig den Futternapf hinstellen, sie sollen aber gleichzeitig essen, um Streitereien zu vermeiden. Die tägliche Fütterung erfolge daher so synchron wie möglich.
Kritik am Engagement der Tierschützer
Immer wieder wird der Tierschutzverein dafür kritisiert, sich um Hunde in Rumänien statt in Deutschland zu kümmern. Matthias Schmidt erklärt, dass es seit 2013 in Rumänien ein "krasses Tötungsgesetz" gibt, das die Situation der Hunde "unfassbar mehr verschlimmert" habe. Es sei daher notwendig, dort zu helfen, wo es wichtig sei und etwas zu tun gebe.
Tierschutz endet nicht an der Landesgrenze. Das muss ein Stück weit globaler gesehen werden.
Vermittlung von Hunden aus Rumänien nach Deutschland
Hunde aus Smeura werden auch an Tierheime in Deutschland vermittelt. Den Vorwurf, dass deutsche Tierheime ebenfalls bereits voll seien, kann Schmidt verstehen. Allerdings sei es für die Tierheime auch hilfreich, gut vermittelbare, soziale Hunde zu erhalten und nur solche Tiere würden auf diesem Weg aus dem Ausland nach Deutschland gebracht.
Die Auslandstierschutzorganisation müssten klar entscheiden, ob ein Hund sich in einem familiären Umfeld in Deutschland wohlfühlen kann oder er besser in Rumänien bleibt.
Die Tierheime müssen unsere erste Anlaufstelle sein, wenn es darum geht, ein Tier adoptieren zu wollen.
Tötungsstationen: Brutaler Umgang mit Straßenhunden in Rumänien
Wer in Rumänien ein Tier einfängt und ins Heim bringt, bekommt dafür bis zu 70 Euro. Zum Vergleich: Der rumänische Durchschnittsmonatslohn liegt bei knapp über 800 Euro.
Das habe eine "gewissen Korruption" geschaffen, beklagt Matthias Schmidt. Es gebe Pauschalen fürs Fangen, Beherbergen und Töten. Auch medizinische Versorgung könne ohne genauere Überprüfung abgerechnet werden. Betreiber der Tötungsstationen hätten deshalb ein Interesse, dass viele Hunde in ihre Stationen kommen.
Es gibt über 140 gelistete Tötungsstationen in Rumänien, sagt Matthias Schmidt. Es sei ein großer ethischer Konflikt ihrer Arbeit, dass sie vielen Tieren nicht helfen können. Zumindest aus der dem Tierheim nächstgelegenen Station nehmen sie alle Tiere auf, um sie vor dem Tod zu bewahren.
Wir haben eine goldene Regel: In der Tötungsstation, in die wir gehen, lassen wir keinen Hund zurück.
Tierschutz: Kastration als Mittel gegen zu viele Straßenhunde
Ein Hauptaugenmerk der Arbeit von Smeura liegt auf der Kastration der Tiere, erzählt Matthias Schmidt. Dafür gibt es extra "Kastrationsmobile", mit denen der Verein zu Tierbesitzer:innen kommt. Doch längst nicht alle würden die Notwendigkeit erkennen.
Manche wollen nur einen Teil ihrer Tiere kastrieren lassen, andere lehnen die Arbeit der Tierschützer komplett ab. Da sich die nicht kastrierten Tiere allerdings weiter "in unfassbaren Dimensionen" vermehren, müsse hier ein Umdenken stattfinden und es brauche mehr politische Unterstützung, fordert Schmidt.
Im Rahmen eines Modellprojekts im Landkreis rund um Smeura, haben die Tierschützer innerhalb eines Jahres ca. 40.000 Kastrationen durchgeführt. Dies müsse auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden, um die Straßenhundpopulation, die im Landkreis auf rund 185.000 geschätzt wird, in den Griff zu bekommen.
Tiere, insbesondere Hunde, sind die besten Freunde der Menschen.