Im Buch "Was Frauen verstehen und Männer nicht sagen" lassen Autorin Saskia Hirschberg und Diplom-Psychologe Maik Neumann eine Frau und einen Mann – Greta und Oskar – miteinander sprechen. An ihren Missverständnissen zeigen sie, wie unterschiedlich Männer und Frauen oft kommunizieren – und wie Paare trotzdem zu Nähe und Verständnis finden können.
Kommunikation ist das A und O
In Partnerschaften muss man miteinander reden können. Allerdings: Auch wenn sich Männer und Frauen in vielen Dingen dann doch ähnlicher sind, als es Klischees vermuten lassen, bei der Kommunikation gebe es schon Muster. Männer ziehen sich beispielsweise in Konfliktsituationen oft zurück, so Autorin Saskia Hirschberg und Diplom-Psychologe Maik Neumann.
Das ist leider immer noch klassisches männliches Verhalten. (...) Nicht in die offene Kommunikation zu gehen, im Sinne von: "Wie meinst du das?" Sondern sich angegriffen fühlen und Scham zu empfinden. Und unsere Sozialisierung ist: Es ist auf keinen Fall gewollt, als Mann, der in Deutschland aufgewachsen ist, eine Scham zu empfinden in der Öffentlichkeit. Also die Flucht.
Kommunikation in Beziehungen und auch Freundschaften - mehr dazu findet ihr hier:
Liebe, Sex, Krisen, Psyche und Glück 40+ Die Podcast Therapie
Wie verändern sich Beziehungen? Was haben die Wechseljahre damit zu tun? Was muss ich tun, um zufrieden zu sein? Fragen einer Generation: Lasst uns reden - Du bist nicht allein.
In Beziehungen ist die Kommunikation das A und O. Weil wir ganz viel bewerten, egal ob in Partnerschaften oder sonstigen zwischenmenschlichen Beziehungen, aufgrund unserer Vorerfahrungen, erläutert Autorin Saskia Hirschberg.
Wir nehmen eine Aussage auf und interpretieren die für uns ganz anders, als die eigentlich gemeint war.
Kommunikation in der Beziehung – so geht es richtig
Saskia Hirschberg betont, dass es nicht nur wichtig ist, wie man etwas rüberbringt, sondern auch das Zuhören.
Das finde ich auch ganz spannend, wirklich mal zu verstehen: Woher kommt der Partner, warum sagt er das, warum macht er irgendwas? Das öffnet schon auch noch mal so den Horizont.
Partner verstehen: Diese Fragen helfen
Der Psychologe Maik Neumann empfiehlt drei Stufen und damit verbundene Fragen, um in eine gute Kommunikation zu kommen. Im Prinzip das Sender-Empfänger-Modell:
- Stufe: Was will ich eigentlich? Es ist spannend, dem Gegenüber die Frage zu stellen: Wo stehst du gerade, wie meinst du das gerade? Es geht darum, der anderen Person die Möglichkeit zu geben, selbst zu reflektieren: Was will ich überhaupt? Denn häufig ist es so: Wir wissen selbst für uns gar nicht unbedingt, was gerade unsere Bedürfnisse sind, was wir wollen, so der Psychologe.
- Stufe: Bin ich in der Lage, es auszudrücken? Wichtig sei auch, sich zu fragen, ob man gerade in der Lage ist, dem anderen auch alles so rüberzubringen, zu artikulieren, wie man es meint.
- Stufe: Kann ich den anderen verstehen? Ist man selbst in der Lage zu verstehen, ob der andere gerade auch empfänglich für das Gespräch ist?
Wir scheitern oft daran, dass wir sofort reagieren. Es wird was gesagt, wir reagieren drauf, es wird getriggert und blenden auch unsere eigenen Bedürfnisse aus.
Eine mögliche Frage könne sein, sagt Autorin Saskia Hirschberg: Hast du jetzt gerade Nerv für ein Gespräch?
Liebe im Alltag Die richtige Kommunikation in der Partnerschaft
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. So sagt der Volksmund. In einer Beziehung gilt aber das Gegenteil. Hier 5 Tipps, wie es mit der Kommunikation in der Beziehung klappt.
Fragen sind ein guter Schlüssel für eine offene Kommunikation. Und in sich hinein hören kann helfen, wie man in das Gespräch reingeht.
Ich-Botschaften und Rollenkonzept in der Partnerschaft
Der Klassiker "Ich-Botschaften" sei so wichtig, weil er nicht angreifend ist, sondern vermittelt, wo man sich selbst gerade befindet. Auch beachten kann man das Rollenkonzept. Der Psychologe Mailk Neumann macht ein Beispiel: Die Partnerin liegt auf dem Sofa. Möchte sie jetzt gerade ein Gespräch haben mit ihrem Mann als Partner, als Mitbewohner oder als Vater der gemeinsamen Tochter?
Denn als Mitbewohnerin hat die Frau andere Wünsche und Ansprüche an ihren Mann als in der Rolle der Ehefrau. Und als Mutter noch einmal andere Bedürfnisse.
Man dürfe dann dem anderen klarmachen, in welcher Rolle man sich aktuell befindet und was man sich in dieser Rolle vom Gegenüber wünscht. Wer die Kombination aus Rollenkonzept und Ich-Botschaft gut meistern kann, hat ein hilfreiches Tool für gute Kommunikation an der Hand, findet Neumann.
Ohne Worte - Warum wir nicht NICHT kommunizieren können
Mann und Frau in der Beziehung – wo gibt es tatsächlich Unterschiede?
Der Psychologe erklärt: "Frauen suchen tendenziell, wenn negative Dinge passieren, den Fehler eher bei sich. Männer schieben ihn eher auf externe Umstände. Und wenn tatsächlich etwas Positives passiert, denken Frauen, sie hatten Glück. Männer haben eher die Tendenz, es sich zuzuschreiben."
Die Begründung dafür sei evolutionsbiologisch: "Man sagt, da Frauen vornehmlich für die Kindererziehung zuständig sind, rein evolutionsbezogen, nicht unbedingt modern," betont der Psychologe. Deswegen sei es durchaus sinnvoll, wenn etwas Negatives passiert, erst mal zu gucken: Was kann ich in meinem Verantwortungsbereich ändern, optimieren, damit es natürlich auch dem Nachwuchs gut geht?
Klischees: typisch Mann, typisch Frau
Diplom-Psychologe Maik Neumann erläutert, dass viele Dinge, die Männern oder Frauen zugeschrieben werden, eigentlich nichts mit Mann- oder Frausein zu tun haben, sondern mit der Persönlichkeit.
Zwei Frauen können sich deutlich mehr voneinander unterscheiden als ein Mann und eine Frau.
Verhalten von Mann und Frau: Das sagt die Wissenschaft
Wie viel kann man am Ende als Verhalten tatsächlich als typisch männlich oder weiblich einordnen? Diplom-Psychologe Maik Neumann meint, schätzungsweise gerade mal 10 bis 20 Prozent. Man wisse tatsächlich weniger darüber, wie wir uns verhalten, ob das dem Geschlecht zugeordnet werden könne. Was deutlicher im Unterschied ist, sei oft nicht das Verhalten, sondern die Dinge, die wir tun.
Bei Hobbys teilen sich tatsächlich die Geschlechter auf. Wenn ich sage: Fußball, Pfeil- und Bogenschießen, vielleicht wettkampforientiert Schwimmen – dann würde man eher Männer dazu zählen. Und wenn man sagt: vielleicht Mode interessieren, vielleicht Reitsport etc. – tatsächlich mehr Frauen. Und das ist aber wieder ein Zeichen für Sozialisierung und eben nicht, dass es tatsächlich angeboren ist.
Paartherapeutin Ursula Nuber | 26.1.2023 So bleiben auch lange Beziehungen glücklich
Warum geht die Liebe im Laufe einer Beziehung verloren? Welche Beziehungsmuster schleichen sich in einer langjährigen Partnerschaft ein? Eine Paartherapie kann Antworten geben.
Fazit für Kommunikation in der Partnerschaft
Wer Beziehungen verstehen und leben will, profitiert von bewusster Kommunikation. Dabei helfen:
- Ich-Botschaften
- Rollenkonzept
- Zuhören und weniger direkt bewerten
Außerdem sei wichtig, betonen Saskia Hirschberg und Maik Neumann, dass nicht das Geschlecht entscheidet, ob eine Partnerschaft gelingt, sondern die Art, wie wir miteinander sprechen, unsere Bedürfnisse ausdrücken und uns gegenseitig verstehen.