SWR1 Sonntagmorgen

Bestattungskultur im Wandel

In Rheinland-Pfalz gibt es ein neues Bestattungsgesetz. Es ermöglicht neue Formen der Bestattung. Fachleute beobachten schon länger einen Wandel in der Bestattungskultur.

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Stand

Die Urne mit der Asche des geliebten Menschen zu Hause aufbewahren oder zu Schmuck verarbeiten lassen. Oder sie auf Rhein, Mosel, Lahn oder Saar verstreuen. Rheinland-Pfalz gilt damit als Vorreiter: In keinem anderen Bundesland gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten, Bestattungen zu gestalten.

Ein Diamant, der aus der Asche einer Verstorbenen gepresst wurde. Es gibt kein Grab und keine Bestattung aber eine schöne Art an verstorbene zu denken.
Ein Diamant, der aus der Asche einer Verstorbenen gepresst wurde. Picture Alliance

Über Tod und Bestattung sprechen

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf begrüßt die durch die Gesetzesänderung angestoßene Diskussion. Positiv bewertet er, dass Eltern von so genannten Sternenkindern ihre Kinder nun bestatten können. Sternenkinder sind entweder vor der Geburt oder kurz danach verstorben.
Dass die Gesetzesänderung hilft, Tod und Trauer aus der Tabuzone zu holen, bezweifelt der Mainzer Bischof.

Immer weniger Erdbestattungen

Viele Menschen fühlen sich von einer klassischen Bestattung im Sarg auf einem Friedhof nicht mehr angesprochen. Sie wollen individuellere Formen des Abschieds und des Gedenkens. Eine Auffächerung der Bestattungskultur sehe man schon länger, sagt Andreas Helbach von Aeternitas e.V., im Gespräch mit dem SWR.

Vom Friedwald zum Schmuckstück

Doch in den allermeisten Bundesländern gibt es wenig Spielraum. Meist bleibt nur die Bestattung in einem dafür vorgesehenen Waldstück. Rund 400 so genannte Bestattungswälder gibt es mittlerweile in Deutschland. Je nach Konzept wird die Urne unter Bäumen, Sträuchern oder auch unter Steinen bestattet. Das Grab wird mit einer kleinen Namenstafel gekennzeichnet.

Friedwald in Schwaigern, eine andere Art der Bestattung, als  z.B. das klassiche Grab
Friedwald in Schwaigern Picture Alliance

 Kostenfrage Bestattung

Bei vielen Angehörigen ist die klassische Erdbestattung mittlerweile auch eine Kostenfrage. Neben dem Holzsarg muss auch die Grabpflege gewährleistet sein. Doch häufig leben Familienangehörige heute nicht mehr in der Nähe. Mal schnell Blumen vorbeibringen oder für ein Stündchen Unkraut auszupfen ist dann nicht so einfach möglich. Das Familiengrab werde immer seltener nachgefragt, so Andreas Helbach.

Kaffeekränzchen auf dem Friedhof

Dennoch ist der Friedhof für viele Menschen ein wichtiger Ort, um verstorbener Freunde und Verwandten zu gedenken. Damit sie damit nicht alleine bleiben, hat die Stuttgarter Bürgerstiftung zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde St. Georg der evangelischen Kirchengemeine Stuttgart Nord das Café "Kränzchen" auf dem Pragfriedhof ins Leben gerufen. Bei Kaffee & Kuchen können Menschen hier mitten auf dem Friedhof miteinander ins Gespräch kommen.

Klimawandel kommt auch auf Friedhöfen an

Und auch der Klimawandel macht vor den Friedhöfen nicht Halt. Die Bepflanzung auf Gräbern und an den Wegen eines Friedhofs muss sich deshalb verändern. In Freiburg geht man hier neue Wege.

Rheinland-Pfalz wird ab kommendem Jahr das liberalste Bestattungsgesetz in Deutschland haben. Ob sich deshalb künftig mehr Menschen im Südwesten bestatten lassen werden, wird sich zeigen.