Bestattungsunternehmer Steffen Großmann aus Mainz plant voraus. Am Donnerstag hat der Landtag darüber entscheiden, wie sich Menschen künftig in Rheinland-Pfalz bestatten lassen können. Urnen zu Hause aufbewahren oder sich in Flüssen wie Rhein, Mosel oder Saar beisetzen lassen - das alles ist bald möglich. Damit hat Rheinland-Pfalz das wohl liberalste Bestattungsgesetz Deutschlands. Großmann hatte sich im Vorfeld schon ein Boot gekauft, mit dem er nun selbst Flussbeisetzungen im Rhein vornehmen kann.
Am Samstag tritt das Gesetz in Kraft RLP hat das liberalste Bestattungsgesetz Deutschlands
Nach rund 40 Jahren bekommt Rheinland-Pfalz ein neues Bestattungsgesetz. Wichtigste Änderung: Die Friedhofspflicht und die Sargpflicht bei Erdbestattungen entfallen.
Flussbestattungen: Auch wenn das Gesetz kommt, bleibt vieles zu klären
Acht Menschen sollen auf seinem Boot Platz finden, so sagt er - Familien seien heute nicht mehr so groß. Zumal er ohnehin erwartet, dass nur die engsten Angehörigen mitfahren werden. Anfragen hat er genug: Fünf bis sieben pro Woche habe er mindestens gezählt.
Flussbeisetzungen bisher nur im Ausland möglich
Bislang waren die für Deutsche nur im Ausland möglich - etwa in den Niederlanden. Ein Bestattungsunternehmen aus Düsseldorf plant jetzt von Abfahrtshäfen in Koblenz, Mainz, Ludwigshafen sowie Trier zu starten und die Urnen in rheinland-pfälzischen Gewässern beizusetzen. Neben Bestattern gibt es auch Reedereien, wie etwa das Unternehmen Kolb an der Mosel, das erwägt, mit örtlichen Bestattungsunternehmen zu kooperieren und Flussbestattungen anzubieten.
Neue Bestattungsformen: Wenig Interesse an der Mosel
Das Interesse an den neuen Bestattungsmöglichkeiten ist unterschiedlich. Aus Saarburg (Kreis Trier-Saarburg) meldet ein Bestatter viele Anfrage zu Flussbestattungen in der Saar. Nico Schmidt vom Bestattungshaus Loch in Trier hat bisher kaum Anfragen für Flussbestattungen in der Mosel erhalten. Es hätten sich aber viele Menschen bei ihm gemeldet, die ihre Urne zu Hause aufbewahren wollen.
Kritik an neuem Bestattungsgesetz in RLP
Es gibt auch Kritik an der Reform des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes. Nach Auffassung von Schmidt könnten die Leidtragenden die Kommunen sein. Sie betreiben die Friedhöfe und hätten jetzt schon damit zu kämpfen, dass die meisten Leute sich für eine Urnenbestattung entscheiden würden und nicht mehr für Sargbestattungen in großen Grabanlagen.
Auch in Neuwied zeigt sich der Wandel deutlich: Weil durch den Wegfall von Sarggräbern weniger Flächen gebraucht werden, hat die Stadt Teile der Friedhöfe bereits umgestaltet - mit Blühstreifen, Wiesen und Obstbäumen. Neuwied rechnet damit, dass das neue Gesetz diesen Trend noch verstärken könnte.
Bestatter befürchtet, dass Friedhofskultur verloren geht
Finanzielle Einbußen für die Kommunen befürchtet auch Karl Mettlach vom gleichnamigen Bestattungshaus in Saarburg. Das Gesetz selbst hält er für nicht ausgereift, vieles sei noch unklar. Was passiere zum Beispiel mit der Urne, wenn der Aufbewahrende stirbt, oder wenn es Streit in der Familie um den Aufbewahrungsort der Urne gebe.
Wenn das neue Gesetz in Kraft tritt, befürchtet Mettlach, dass ein Stück Friedhofskultur verloren gehen könnte - vor allem dadurch, dass dann Urnen zu Hause aufbewahrt werden dürfen. Ein Friedhof hingegen sei immer zugänglich und auch eine Begegnungsstätte.
Bestatterverband kritisiert Gesetzgebungsprozess
Der Bestatterverband Rheinland-Pfalz e. V. kritisiert, dass das Gesetz ohne vorherige Einbindung von Bestattern, Kirchen oder anderen Institutionen entstanden ist. Normalerweise würden solche Reformen gemeinsam vorbereitet - das fehle diesmal, so der Verband. Dadurch seien einige Vorgaben im aktuellen Entwurf in der Praxis kaum umsetzbar.
"Für unsere Arbeit brauchen wir eine klare Leitplanke vom Gesetzgeber", sagt Geschäftsführer Christian Jäger. Nur so könnten Bestatter die neuen Möglichkeiten verlässlich umsetzen. Grundsätzlich begrüßt der Verband die Reform aber: Sie ermögliche es, die Wünsche von Verstorbenen und Angehörigen individueller zu erfüllen.
Trotz der Reform sieht der Verband keine Gefahr für die Branche. Im Jahr 2000 machten Erdbestattungen noch rund 70 Prozent aus, heute gebe es etwa 75 Prozent Feuerbestattungen. "Unsere Arbeit verändert sich ständig", sagt Jäger. Sorgen mache er sich deshalb nicht: Bestatter würden immer gebraucht, um Menschen in dieser Situation kompetent zu begleiten.