Militärische Einsätze und internationale Konflikte sorgen für Nachschub. Für viele US-Amerikaner stellt Arlington, der Ehrenfriedhof ein Heiligtum dar - doch seine Geschichte kennen nur wenige.
1864 wurde der erste Soldat beigesetzt
„Das Grab des unbekannten Soldaten wurde nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. Vorbilder waren das französische und britische Grab des unbekannten Kriegers“, sagt Christopher Warren. Er ist Historiker des Arlington National Cemetery. Der 56-jährige US-Air Force Veteran kennt die Geschichte des Friedhofes wie kein anderer: „Das Grabmahl steht für alle Militärangehörigen, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind und deren sterbliche Überreste nicht identifiziert werden konnten. An diesem Ort können die Familien um ihre geliebten Angehörigen trauern – vor allem jene, die den Leichnam nicht beerdigen konnten und damit keinen Ort haben, um mit der Trauerarbeit zu beginnen.“
Über 400.000 US-Amerikaner haben in Arlington ihre letzte Ruhestätte gefunden
Bei seiner Gründung inmitten des Sezessionskrieges wurden in Extrasektionen die schwarzen Soldaten bestattet. Heute gibt es 70 verschiedene Bereiche in Arlington – einen für die Toten der Kriege im Irak und Afghanistan, einen für Frauen in der Armee, für Krankenschwestern – und einen für 3.800 ehemalige. 420.000 Gräber von gefallenen Veteranen und ihren Familienangehörigen befinden sich auf dem Gelände. Aus Gründen der Platznot wurde 1948 durch US-Präsident Harry S. Truman festgelegt: Es dürfen nur noch ein Meter hohe rechteckige, weiße Marmorgrabsteine – am Kopf mit einem Rundbogen versehen – verwendet werden.
Militärische Zeremonien zur Ehrung gefallener Soldaten
Alle 30 Minuten findet der Wachwechsel vor dem Mahnmal des unbekannten Soldaten statt. Die Zeremonien in Arlington umfassen hauptsächlich die tägliche Wachablösung am Grab des unbekannten Soldaten, die je nach Jahreszeit stündlich oder halbstündlich stattfindet, sowie die großen jährlichen Gedenkzeremonien am Memorial Day (letzter Montag im Mai) und Veterans Day (11. November) im Memorial Amphitheater, die jeweils vom Präsidenten der Vereinigten Staaten besucht werden. Darüber hinaus finden im ganzen Friedhof Kränzniederlegungen und andere Gedenkzeremonien statt, sowohl von offiziellen Stellen als auch von militärischen und zivilen Organisationen.
Bürokratisierung des Todes
Arlington, das ist nicht nur ein riesiger idyllischer Landschaftsfriedhof mit gepflegtem Rasen, altem Baumbestand, Hügeln und Bächen. Der Nationalfriedhof steht auch für die Bürokratisierung des Todes – denn: Nicht jeder x-beliebige US-Amerikaner darf hier bestattet werden, wie Historiker Warren erklärt: „Man muss gedient und das Recht auf eine Militär-Rente haben. Oder man muss im Kampf gestorben sein oder das Verwundetenabzeichen tragen. Man bekommt auch ein Begräbnis, wenn man die Tapferkeitsmedaille der US-Streitkräfte erhalten hat – einschließlich der Ehefrauen und Kinder. Für eine einfache Urnenbestattung muss man lediglich einen Tag gedient haben und ehrenhaft aus der Armee entlassen worden sein.“
Im Tod alle gleich
Alle Glaubensgemeinschaften sind auf dem Friedhof vertreten. 70 religiöse Symbole auf den Einheitsgrabsteinen erlaubt das US-Militär – darunter Embleme für Atheisten, Buddhisten, Christen, Muslime, Zoroastrier – sogar Thors Hammer für das Germanische Neuheidentum darf als Zierschmuck verwendet werden. Schnittblumen sind erlaubt. Topfpflanzen nicht. Ansonsten ist es verboten, die Grabsteine zu schmücken.
Kritische Stimmen
Ausgerechnet am Veterans Day, wenn jedes Grab in Arlington mit einem Sternenbanner versehen wird, melden sich Ärzte und Veteranenverbände zu Wort: Denn laut einer Studie von 2018 haben Suizide unter Soldatinnen und Soldaten um 32 Prozent zugenommen. Jeder Fünfte von einem Kriegseinsatz Zurückkehrende leide an posttraumatischen Belastungsstörungen. Höhepunkt der Arlington-Kritiker dürfte 1967 gewesen sein. Demonstranten protestierten zwischen den Gräberreihen gegen die monumentale Heldenverehrung und den Vernichtungskrieg in Vietnam.