Depression behandeln: Sind Chatbots eine Chance oder ein Risiko?

Liebeskummer, Beziehungsprobleme oder beruflicher Leistungsdruck - viele, vor allem junge Menschen reden über ihre seelischen Probleme inzwischen mit Chatbots. Ist das eine Chance oder ein Risiko? Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel mit Prof. Dr. Ulrich Hegel, Vorstand der Deutschen Depressionshilfe.

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Stand

Die aktuellen Zahlen

Rund zwei Drittel (65 Prozent) der 16- bis 39-Jährigen hat schon einmal mit KI-Chatbots über psychische Probleme gesprochen. Das ist das Ergebnis einer neuen repräsentativen Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention in Leipzig, für die bundesweit 2.500 Menschen im Alter von 16 bis 39 Jahren online befragt wurden.

Ein Chatbot als Gesprächspartner

„Liebeskummer oder Leistungsdruck sind nichts für eine Therapie. Das sind ganz normale Lebensprobleme. Menschen, die keine psychischen Erkrankungen haben, sondern solche Spannungen oder Überforderungen, nutzen tatsächlich häufig zum Beispiel ChatGPT“, erklärt Hegerl. Es gehe darum, sich mit jemandem auszutauschen – in dem Fall mit einer Maschine. Und je jünger, desto häufiger.

Den Menschen geht es nach einem Gespräch besser

„56 Prozent der Menschen, die an einer diagnostizierten Depression leiden, nutzen einen Chatbot, um über ihre psychischen Probleme zu sprechen. Wir haben bei der Befragung unter anderem nach dem Verhalten der vergangenen 30 Tage gefragt. Und ich war sehr erstaunt: Über 80 Prozent haben gesagt, das hätte ihnen geholfen. 75 Prozent haben gesagt, sie gingen aus dem Gespräch gestärkt hervor.“ Eine Mehrzahl fand den Chatbot sogar besser als eine Face-to-Face-Psychotherapie.

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 Trotzdem ist eine KI kein Therapeut

„Die Risiken sind bisher wenig bekannt. 53 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie nach dem Gespräch mit dem Chatbot finstere Gedanken hatten. Das kann auch bei einer richtigen Psychotherapie passieren. Menschen mit Depressionen haben häufig auch Suizidgedanken“, erklärt Hegerl. Aber im Rahmen einer Therapie könne man damit umgehen.

Ein positives Fazit?

Insgesamt seien die Chancen durch Chatbots sehr groß. Die große Mehrheit habe ihr Gespräch mit der KI als tiefgängig empfunden und sich öffnen können. „Möglicherweise liegen hier Möglichkeiten für die vielen Menschen, die mit ihren psychischen Problemen nach Hilfe suchen und keine finden. Allerdings sehen einige den Chatbot als Alternative zur Therapie und damit hätte ich große Bauchschmerzen“, sagt Hegerl. Eine Depression sei eine schwere Erkrankung, man lebe damit im Schnitt zehn Jahre weniger. „Bisher kann ein Chatbot nur eine Überbrückung oder Ergänzung sein. Mit genügend Forschung kann sich das in der Zukunft möglicherweise ändern.“