In Baden-Württemberg sind Krippen- und Kindergartenplätze im Gegensatz zu anderen Bundesländern kostenpflichtig. Seit viele Kommunen von Jahr zu Jahr höhere Defizite aufbauen, steigen vielerorts die Kita-Gebühren drastisch an. Ludwigsburg hat nun festgelegt, dass jährlich ein Aufschlag von 6 Prozent fällig wird. Das heißt, dass die Betreuung für ein Kleinkind unter 3 Jahren ab dem Herbst fast 580 Euro kostet - ohne Verpflegung. Wie sich dieser Kostendruck auf die Eltern stoppen lässt, fragt SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch im Gespräch mit Matthias Knecht. Knecht ist parteiloser Oberbürgermeister in Ludwigsburg.
Land Baden-Württemberg soll Kommunen helfen
Dass Betreuungskosten, die sich deutlich oberhalb von 500 Euro im Monat bewegen, nur durch ein enorm hohes Gehalt gegenfinanziert werden können, ist auch dem Ludwigsburger Oberbürgermeister klar. Er verweist jedoch darauf, dass die Stadt sich damit noch immer unterhalb des "Landesrichtsatzes" liege. Kommunale Verbände empfehlen, dass Eltern etwa 20 Prozent der Betreuungskosten tragen sollen.
Im Bereich der frühkindlichen Bildung haben wir inzwischen 80 Millionen Euro kosten hier in Ludwigsburg, von denen rund 50 Millionen jährlich die Stadt trägt.
Deswegen fordert Knecht eine Umkehr der Verhältnisse - zukünftig solle das Land 68 Prozent der Betreuungskosten übernehmen. Außerdem fordert er gemeinsam mit seinen Kollegen aus Esslingen, Tübingen und Schwäbisch Gmünd, Matthias Klopfer (SPD), Boris Palmer (parteilos) und Richard Arnold (CDU), dass Betreuungsstandards gelockert werden sollten. So hat Klopfer etwa für Esslingen vorgerechnet, die Stadt könne durch einen niedrigeren Betreuungsschlüssel, wie er zum Beispiel in Bayern gilt, etwa 2 Millionen Euro pro Jahr sparen.
Kita-Plätze durch frühere Einschulung?
Eine weitere Idee aus den Kommunen in Baden-Württemberg betrifft die Einschulung von Kindern. Die Oberbürgermeister wollen tausende Kita-Plätze und Geld im Haushalt sparen, in dem der Stichtag für die Einschulung vom 30. Juni wieder auf den 30. September wandert. In der Regel werden Kinder im Alter von 6 Jahren eingeschult - mit der Verlegung des Stichtags würden einige Kinder kurz vor ihrem 6. Geburtstag in die Schule kommen, wenn Eltern sich nicht bewusst dafür entscheiden, ihr Kind ein Jahr zurückzustellen, was die Einschulung betrifft.
Kita-Kosten im Landtagswahlkampf
"Die Parteien haben über das ganze Spektrum erkannt, dass die frühkindliche Bildung eines der zentralen Themen ist", sagt der Ludwigsburger Oberbürgermeister - zumindest gehöre es zu den drei wichtigsten im Landtagswahlkampf. Nun erhoffe er sich, dass davon auch die Kommunen profitieren könnten. Die CDU in Baden-Württemberg hat zum Beispiel auf ihrem Landesparteitag in Heidelberg mit großer Mehrheit ein Wahlprogramm mit beitragsfreiem letzten Kita-Jahr beschlossen. Ähnliche Pläne gibt es auch bei SPD sowie bei Bündnis 90/Die Grünen.
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Kita-Krise in der Politik angekommen?
An Bekenntnissen zu frühkindlicher Bildung mangelt es nicht. So hatte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) Investitionen in Kitas und frühkindliche Bildung eine "Schicksalsfrage für Deutschland" genannt. In einem Zeitungsinterview Ende 2025 hatte sie gesagt, das müssten alle erkennen - vom Landrat bis zum Bundeskanzler. Von Verbesserungen im Bildungsbereich hänge zunehmend die deutsche Volkswirtschaft und immer mehr auch die Demokratie ab.
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Trotz Bekenntnissen zur frühkindlichen Bildung aus der Politik: Es fehlen Kita-Plätze
Bundesweit fehlen rund 300.000 Betreuungsplätze in Kitas für Kinder unter drei Jahren. Das steht in einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Demnach bräuchte Baden-Württemberg mehr als 41.000 zusätzliche Plätze und Rheinland-Pfalz fast 20.000. Das Institut hat Eltern-Befragungen berücksichtigt sowie Daten des Statistischen Bundesamtes. Im bundesweiten Vergleich gibt es sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich viele Eltern, die einen Betreuungsplatz für ihre Kinder unter 3 Jahren suchen.