Plüsch, Pixel, Joshi, Dieter, Momo, Gigi, Milli, Lola, Coco und Mimi: Sie alle liegen wild verstreut auf Teppichen in einem Bereich im Foyer des ZKM in Karlsruhe. Um sie herum eine Schar von Kindern der Mitarbeiter des ZKM.
Sie durften die neuen haarigen Wesen schon vor der offiziellen Eröffnung Ende November testen. Die Tierchen bewegen sich. Sie reagieren, wenn die Kinder sie berühren oder mit ihnen reden. Schnurren und singen sogar. Auch wenn sie lebendig wirken - die sogenannten "Booboos" des neuen Elektronischen Streichelzoos sind es nicht.
Elektronischer Streichelzoo im ZKM: Jeder Booboo ist anders
Jeder der zehn Booboos hat einen ganz eigenen Charakter. Plüsch trägt beispielsweise eine rote Weihnachtsmütze. "Nicht nur, wenn Weihnachten ist, sondern weil sie einfach zu ihm gehört", steht in seiner Beschreibung. Plüsch sitze oft am Rand und überlege sich, was er den anderen an Heiligabend schenken soll. Er liebe auch den Geruch von Zimt und Mandarinen.
"Schlummerbeauftragte" Lola hingegen sei die ultimative Nickerchen-Enthusiastin. Sie verbringe den Großteil des Tages zusammengerollt an sonnigen Plätzen und träume von neuen Abenteuern. Coco, die Anführerin der Herde, trägt ein Rentiergeweih auf dem pelzigen Kopf. Coco habe auch eine kleine Schwäche: "Sie ist manchmal ein bisschen eitel und betrachtet sich oft stundenlang im Spiegel." Die vollständige Crew des Elektronischen Streichelzoos hat das ZKM auf der Website vorgestellt.
Kinder lieben die Booboos im ZKM
Dass die Booboos so liebevoll ausgestaltet wurden, kommt bei den Kindern gut an. "Wenn alle gleich wären, wäre es nichts mehr Besonderes", schwärmt die elfjährige Mathilda. Auch die sechsjährige Liev gibt für die Tierchen einen Daumen nach oben. Nicht alle Booboos behalten dauerhaft ihre Accessoires. Manche Kinder haben große Freude daran, die Fellknäule umzugestalten.
Mathildas Bruder Julius findet es toll, dass die Tiere zappeln. Seine Schwester mag die Geräusche und dass die Booboos so weich sind. Die Roboter seien super für Menschen mit einer Tierhaarallergie oder für Menschen im Altersheim, finden sie. Vor allem weil sie stubenrein sind. Die Booboos seien aber kein Ersatz für ein richtiges Haustier.
Roboter, die so tun, als seien sie lebendig
Auch wenn die Booboos fluffig und süß sind, steckt hinter ihrer Entwicklung ein ernster Gedanke. Denn KI und Roboter werden immer lebensechter. "Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Leben und nicht Leben", sagt Jan Ole Rixen vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er betreut das Projekt aus der wissenschaftlichen Perspektive. "Wir müssen lernen, wie wir Kindern die Unterscheidung beibringen", so der Experte.
Kinder wachsen als erste Generation in einer Gesellschaft auf, wo das [Anmerk. der Redaktion: die Trennung zwischen Mensch und Maschine] nicht mehr so trennscharf ist.
Wer früher im Internet mit Personen gechattet habe, wusste, dass es echte Menschen waren. "Vielleicht kein netter, aber trotzdem ein Mensch", sagt sie. Heute könnte das ein Chatbot sein und wir würden es nicht mal wissen, so Tina Lorenz. Die Robotermeerschweinchen seien dafür eine gute Metapher.
Das sind Maschinen, die streichelt man, dann schnurren die und bewegen sich. Und das sind Roboter, die so tun, als wären sie lebendig.
Kinder lernen etwas über KI, Empathie und Verantwortung
Mit der Hilfe der flauschigen Maschinen könne man mit den Kindern über abstrakte Themen wie Künstliche Intelligenz (KI), Empathie und Verantwortung sprechen. Für größere Kinder habe es im ZKM bereits eine Gaming-Ausstellung gegeben, erinnert sich Tina Lorenz. Für kleine Kinder sei die aber nicht greifbar gewesen. Denn sie konnten mit den technischen Geräten nicht umgehen. "Wir wollten ein Angebot schaffen, das [...] auch für jüngere Kinder nahbar ist", sagt die Leiterin des ZKM | Hertzlab.
Egal wie süß die Booboos seien, irgendwann merke der Mensch, dass es doch eine Maschine sei und kein Ersatz für Haustiere - und das ist laut Tina Lorenz auch bei den Kindern so. Um diese Behauptung auch wissenschaftlich zu beweisen, wird das Projekt von einer Studie des KIT begleitet. Für die Untersuchungen können Kindergartengruppen unter der Woche vormittags vorbeikommen.