Menschen aus der Ukraine: Sind sie am Arbeitsmarkt gut angekommen?

Fast vier Jahre dauert Russlands Krieg gegen die Ukraine schon. 6,7 Millionen Menschen sind aus dem Land geflohen, viele nach Deutschland. Wie gut sind sie inzwischen angekommen, wie leicht oder schwer fällt es ihnen, Arbeit zu finden? Das hat Yuliya Kosyakova vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung untersucht. SWR-Aktuell-Moderator Florian Zelt hat mit ihr gesprochen.

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Stand

Die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter verläuft mach Einschätzung von Yuliya Kosyakova deutlich schneller als bei früheren Fluchtbewegungen. Während es früher etwa sechs Jahre dauerte, bis die Hälfte der Zugezogenen eine Arbeit fand, wurde diese Quote bei den Ukrainern, die 2022 nach Deutschland kamen, schon nach dreieinhalb Jahren erreicht.

Rund dreieinhalb Jahre nach dem Zuzug sind 50% der ukrainischen Geflüchteten beschäftigt. Das ist schon ein deutlicher Fortschritt.

Dieser Erfolg werde jedoch dadurch eingeschränkt, dass viele Beschäftigte weiterhin auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Besonders in Haushalten mit Kindern reicht das Einkommen oft nicht aus, um den Lebensunterhalt vollständig ohne staatliche Hilfe zu bestreiten.

Der Zugang zu höher qualifizierten Berufen für Frauen mit Fluchtgeschichte ist allgemein schwieriger.

Während ukrainische Männer häufiger Fachkräftepositionen in der Technik- oder Logistikbranche bekommen, arbeiten ukrainische Frauen verstärkt in Helfer-Tätigkeiten, etwa in Reinigungen oder der Gastronomie. Kosyakova sagt, viele der geflüchteten Ukrainerinnen kämen aus dem Gesundheits- oder Bildungswesen – es gebe aber hohe Hürden für die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Um diesen Frauen den Aufstieg aus dem Niedriglohnsektor zu ermöglichen, seien eine bessere Qualifizierung und gute Sprachkenntnisse unerlässlich.

Das ist auch eine Entscheidung, die zu negativen Konsequenzen bei der Arbeitsmarktmarktintegration führen kann.

Kritisch äußert sich die Expertin zu den Plänen der Bundesregierung, dass Menschen, die künftig nach Deutschland kommen, erst später Zugang zu Arbeit und Förderung bekommen sollen. Das deutsche System sei stark auf formale Deutschkenntnisse und gezielte Förderung ausgerichtet, sagt Kosyakova – und deswegen könne eine solche Kehrtwende den bisherigen positiven Trend gefährden und die langfristige Integration erschweren. Die frühzeitige Unterstützung sei bisher der Schlüssel für die beschleunigte Arbeitsaufnahme der Ukrainer gewesen.

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