Orban, Trump und Leo: von Freunden und Feinden

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Von Autor/in Pascal Fournier

In der Regel lässt sich die Welt ganz gut in Freund und Feind einteilen. Das hat aber Grenzen, meint Pascal Fournier in der Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

Orban, Trump und Leo: von Freunden und Feinden

Bestimmt kennen Sie die berühmten Faustregeln der Diplomatie: der Freund meines Freundes ist mein Freund, der Feind meines Feindes ist auch mein Freund, und der Freund meines Feindes und so weiter. Hilft auch beim Multiplizieren mit unterschiedlichen Vorzeichen – aber darum geht’s hier zum Glück gerade nicht.

Mit diesen Faustregeln lässt sich die Welt einigermaßen zielsicher in Freund und Feind unterteilen. Auch politisch. Nehmen wir als Beispiel Viktor Orban. Den können viele in Europa nicht leiden; ist ihm zwar vermutlich wurscht, ist aber Fakt. Nun hat Orban vor der Wahl in Ungarn unter seinen politischen Freunden so ziemlich alles mobilisiert, was bei drei nicht auf dem Baum war, um die Werbetrommel für ihn zu rühren: Israels Premier Netanjahu, Frankreichs Vorzeigerechte Le Pen, US-Vizepräsident Vance, sogar dessen Chef, Donald Trump.

Alles Freunde Orbans, den, wie gesagt, etliche nicht leiden können – und siehe da: seine Freunde sind ebenfalls bei vielen eher unbeliebt. Die Faustregel passt perfekt. Und weil Wahlsieger Peter Magyar Orban nicht leiden kann und umgekehrt Orban Magyar ebenso wenig, ist Magyar vielen schlagartig sympathisch, obwohl sie ihn gar nicht kennen. Der Feind meines Feindes, minus mal minus – das muss ja passen! Wobei der Realitätscheck halt noch aussteht…

Manchmal allerdings führen die diplomatischen Faustregeln in die Irre. Wer Zoff mit dem US-Präsidenten hat, müsste bei Trump-Gegnern ja eigentlich erst mal einen Fuß in der Tür haben. Nur – gilt das auch für die Mullahs oder die Revolutionsgarden im Iran? Sicher nicht!

Oder – nehmen wir die jüngsten Trump-Attacken gegen Papst Leo. Ob daraus zwangsläufig Sympathien für das Oberhaupt der Katholischen Kirche erwachsen – Fragezeichen. Denn Leo XIV. ist ja trotz Trump der letzte absolutistische Herrscher, Chef einer Institution, die einem auch Bauchschmerzen verursachen kann – durch ihren Umgang mit Frauen, mit Laien, mit Kritikern, mit sexuellem Missbrauch, mit Minderheiten, mit Andersdenkenden, mit eigenem Reichtum oder mit Argumentationslücken in der eigenen Ideologie – nur eine kleine Auswahl an Gründen. Sympathie für das Kirchenoberhaupt wegen Antipathie für den Mann im Weißen Haus?

Da wird aus der Freund-Feind-Systematik plötzlich die Frage nach dem kleineren Übel. Ich fürchte, in diesem Fall sind die Faustregeln der Diplomatie – oder der Mathematik – überfordert. Oder ich. Wissen Sie was? Mir egal, wer diesen Streit gewinnt. Hauptsache, nicht Trump.