Glosse über einen Präsidenten mit Heiland-Fantasien

Donald Trump als KI-Christus: Der größte Künstler seit Nero

Donald Trump giftet jetzt auch gegen den Papst. Und hat dazu wieder mal ein KI-generiertes Bild gepostet, diesmal von sich als Erlöser. Was das soll? Donald Trump sei in Wahrheit ein großer KI-Künstler, meint Wilm Hüffer in seiner Glosse.

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Von Autor/in Wilm Hüffer

Heiler oder doch eher Heiland?

Donald Trump als Heiler und Versöhner – was für ein wunderbares KI-Bild. Der Erlöser, pardon, der Präsident in langen Gewändern, er legt einem Kranken die Hände auf. Wunderbar!

KI-Generiertes Bild zeigt Donald Trump als Christus-gleiche Figur, die ihre leuchtenden Hände einem Kranken auflegt, umgeben von devoten Vertreter*innen aus Militär, Care-Arbeit und Bevölkerung. Im Hintergrund Adler, Freiheitsstatue, die US-Flagge und engelsgleich dargestellte Soldat*innen.
Nach vehementer Kritik an Papst Leo XIV. postete Donald Trump ein KI-generiertes Bild von sich selbst als Christus-ähnliche Heilsgestalt. Er selbst will in der Figur nur einen Arzt erkennen, nach Kritik auch aus den eigenen Reihen löschte er das Bild allerdings.

Niemand soll sagen, Trump halte sich für Jesus, oh nein. Dieser Mann ist ein Künstler. Und das Prinzip seiner Kunst hat er längst erklärt: „On a scale of ten“, hat er mal gesagt, schafft er immer „I would say a 15”.Auf einer Skala bis Zehn immer eine Fünfzehn. Einfach ein bisschen Übertreibung. Damit alle verstehen, was gemeint ist. Trump als heilender Arzt Amerikas.

Arzt statt Jesus, Krankenschwester statt Papst

Doch jetzt sehen alle Jesus darin? Mein Gott, der Mann hat auch schon ein KI-Bild von sich als Papst generiert. So wurde das dann einfach behauptet. Dabei sollte das Bild einfach Trump als Krankenschwester darstellen.

KI-Generiertes Bild zeigt Donald Trump in päpsticher weißer Soutane und Mitra auf einem Thron mit segnender Handhaltung.
Nach dem Tod von Franziskus an Ostern 2025 postete Trump dieses KI-generierte Bild von sich als Gottes Vertreter auf Erden. „Innozenz“ dürfte bei der Wahl seines Papstnamens wohl eher nicht infrage kommen.

Der Präsident hat eben einfach Gefühle. Wie jeder große Künstler. Wenn er sich als König der Löwen fühlt, macht er eben auch ein KI-Video von sich als Löwe. Und das ist doch kein Rassismus, nur weil im gleichen Video Michelle und Barack Obama als Affen zu sehen sind. Das sind eben … Metaphern. Donald Trump entwickelt ein vielschichtiges Bild von sich.

Zum Beispiel auch als Superman, der einen Krieg nach dem anderen zu beenden versucht – nachdem er ihn angefangen hat. „I don’t have to use force”, hat er mal gesagt: Gewalt brauche er keine. Der Mann ist einfach die personifizierte Gewaltlosigkeit.

Trump führt Pinguine zurück in die Antarktis

Immer nur falsche Vorwürfe. Das KI-Bild von Trump mit einem Pinguin in der Eiswüste? Er habe einfach nur ein Stück Eis haben wollen, sagt Trump. Und er wollte den Pinguin zurück zum Südpol bringen. Weil der sich nach Grönland verlaufen hatte.

KI-Generiertes Bild des offiziellen X-Kanals des Weißen Hauses: Donald Trump läuft mit einem Pinguin, der eine US-Flagge hält, durch den Schnee. Im Hintergrund die Flagge Grönlands.
Eisige Idylle: Donald Trump läuft mit einem Pinguin, der eine US-Flagge hält, durch den Schnee einer KI-Landschaft, die wohl Grömland darstellen soll. Dass in der Arktis gar keine Pinguine leben, ist dabei wohl nur Nebensache.

Oder das KI-Video mit Trump im Düsenjet, als er – pardon – Scheiße auf Demonstranten regnen ließ. Ein komplettes Missverständnis. Das war prophetisch. Trump hat den Iran-Krieg vorausgeahnt.

„Bringen Sie sich in Sicherheit“, hat er den Menschen im Iran geraten. Draußen sei es gefährlich, überall fielen Bomben. Er hat einfach nur gewarnt – vor seinen eigenen Bombern. Eines Tages wird man von Donald Trump sagen: Er war der größte Künstler – seit Nero vor dem brennenden Rom.

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