Am 26. April 1986 kam es zu einer Kettenreaktion im AKW Tschernobyl. Große Mengen an radioaktivem Material wurden frei. Sie sind es teils bis heute. Eigentlich war es eine Sicherheitsüberprüfung a ein Teil der Wartung von Reaktor-Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl. Dieser Teil des Atomkraftwerks wurde heruntergefahren, um zu prüfen, ob die Notkühlung auch bei Stromausfall genügend Notenergie erhalten würde. In der Folge kam es zu einer Kettenreaktion und die Reaktorhalle ist explodiert.
Doku: Tschernobyl 86 – der Super-GAU
1986 erschüttert Tschernobyl die Welt. Eine unsichtbare Bedrohung zieht nach Westen, während Politik ringt und Helfer ihr Leben riskieren. Der Film zeigt mit Originalbildern, wie sich die Ereignisse überschlagen.
40 Jahre bedeutet, gut die Hälfte der Strahlenbelastung ist vergangen
Juliane Dickel leitet die Abteilung Atom- und Energiepolitik beim BUND, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich erklärt sie, dass vor allem das bei der Explosion freigesetzte Caesium-137 bis heute nachweisbar ist. Es hat eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren: "Nach 30 Jahren war noch ungefähr die Hälfte der radioaktiven Atomkerne vorhanden. Nach 60 Jahren sind es dann noch 25 Prozent und so weiter. Das heißt, es gibt einfach einen natürlichen Zerfall - es wird weniger werden." Das heißt, dass im Jahr 2076 über 90 Prozent der Radioaktivität, die von diesem Element ausgeht, durch Zerfall vergangen sein wird.
40 Jahre Nuklearkatastrophe von Tschernobyl "Uns hat Panik erfasst": Angst vor AKW in Cattenom ist in Trier weiter groß
Als der Reaktor in Tschernobyl in die Luft ging, war die Gefahr in Trier wohl bewusster als woanders: Denn nebenan steht das AKW Cattenom. Bis heute muss man hier damit umgehen.
Belastung in Süddeutschland weiter messbar
Zum Beispiel Pilze in Süddeutschland sind so immer noch radioaktiv belastet. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz enthalten Waldpilze unter anderem radioaktive Caesium-Teilchen. Besonders hoch sei die Belastung teils bei Elfenbeinschnecklingen und Semmelstoppelpilzen. Eine Gesundheitsgefahr besteht nach Angaben des Bundesamtes bei üblichen Verzehrmengen aber nicht mehr. Auch Wild sei betroffen, sagt Dickel. Deswegen werde es auch untersucht und gegebenenfalls vernichtet. Wie häufig das passiere, darüber gibt die Landesregierung online Auskunft.
Revival der Atomenergie trotz Katastrophe
Der Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn hatte sich zuletzt für eine neue Diskussion um eine Reaktivierung der Kernkraftwerke ausgesprochen. Eigentlich wird seit drei Jahren kein Atomstrom mehr in Deutschland produziert. Die EU qualifiziert Atom-Strom aber als nachhaltig und trotz der negativen Erfahrungen setzen weltweit zahlreiche Länder auf Atom-Energie - teils mit neuen Konzepten, wie sogenannten "Mini-Reaktoren", die schneller zu errichten und unkomplizierter zu unterhalten sein sollen. Eine Reaktivierung deutscher Atomkraftwerke wäre aus Sicht der Energiewirtschaft allerdings voraussichtlich finanziell eher unattraktiv und der Neubau solcher Anlagen dauert in aller Regel Jahrzehnte.