In den nächsten Tagen wird es wieder heiß - die Temperaturen nähern sich vor allem am Donnerstag wieder der 40-Grad-Marke. Damit es in baden-württembergischen Städten trotz der Hitze einigermaßen erträglich wird, gibt es diverse Hitzeschutzmaßnahmen.
Die Stadt Freiburg stellt beispielsweise mobile Bäume auf dem weitgehend unbeschatteten Platz der Alten Synagoge auf. Auf dem Stuttgarter Marienplatz sollen sogenannte Ecotriis mit hitzeresistenten Pflanzen für Schatten sorgen, und die Stadt Karlsruhe veranstaltete eine Aktion, bei der Menschen, die Bäume in der Nachbarschaft gießen, eine Gießkanne geschenkt bekamen.
Entsiegelung als wichtiger Teil des Hitzeschutzes
Diese Maßnahmen bringen zusätzliches Grün auf versiegelte Flächen oder helfen, vorhandene Bäume zu erhalten. An einer Versiegelung von Flächen selbst ändern sie jedoch nichts. Deshalb forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nach ihrem diesjährigen Hitze-Check von Städten: "Kommunen müssen mehr Flächengerechtigkeit und mehr Platz für grün-blaue Infrastruktur schaffen. In den Stadtquartieren müssen sie dafür dringend Flächen entsiegeln und vorhandene Grünflächen qualifizieren."
Jährlich würden rund 62 Quadratkilometer Fläche neu versiegelt werden. Etwa die Hälfte aller Siedlungs- und Verkehrsflächen sei bereits versiegelt. "Diese Flächen heizen sich stark auf und kühlen sich nachts kaum ab - ein Risiko besonders für ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen", so die DUH.
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Wasserdurchlässigkeit und Bodenfruchtbarkeit gehen verloren
Zu versiegelten Flächen zählt laut Markus Zipf, Bereichsleiter für Kommunalen Umweltschutz der Deutschen Umwelthilfe, Gelände, "das bebaut, betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt ist". Durch die Versiegelung gehen wichtige Bodenfunktionen verloren, vor allem die Wasserdurchlässigkeit und die Bodenfruchtbarkeit.
Als entsiegelt gelte eine Fläche, wenn der befestigte Asphalt, Beton, ganze Gebäude oder Pflastersteine teilweise oder vollständig entfernt werden "und so Funktionen wie Wasserdurchlässigkeit oder Bodenfruchtbarkeit wieder erfüllt werden können", so Zipf.
Auch Pflastersteine können Flächen versiegeln
Für die DUH gelten auch Pflastersteine als versiegelte Fläche. Denn entgegen der Annahme, dass bei Pflastersteinen durch Ablaufrinnen oder ausreichendes Gefälle effektiv Wasser ablaufen oder versickern könne, seien gepflasterte Flächen durch stark verdichteten Untergrund oder enge Fugen eher wasserundurchlässig, so Zipf.
"Daher ist es durchaus sinnvoll, diese Flächen zu 'entpflastern' und sie in vegetationstaugliche Flächen umzuwandeln", sagt Zipf. Als Kompromisslösungen schlägt er Rasengittersteine oder sogenannte Klimasteine vor, die Regenwasser besser puffern und langsam an den Untergrund abgeben sollen. Diese würden sich allerdings auch aufheizen.
Gemeindetag BW: Hitzeschutzmaßnahmen sind kostenintensiv
In Baden-Württemberg gibt es einige Städte, die im diesjährigen Hitze-Check in Bezug auf Versiegelung schlecht abgeschnitten haben: So weisen beispielsweise die Städte Lahr (Ortenaukreis), Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) und Heidenheim mitunter den höchsten Anstieg im Versiegelungstrend auf. Auch Freiburg im Breisgau verzeichnet zwischen 2018 und 2025 einen Versiegelungstrend von plus 0,59 Prozent.
Im Hinblick auf die Forderung der DUH nach mehr Entsiegelung in Städten und Kommunen verweist der Gemeindetag in Baden-Württemberg auf diverse Nutzungskonflikte, die Kommunen abwägen müssten - wie beispielsweise benötigten Wohnraum und hitzeangepassten Städtebau. "Hierbei gibt es unterschiedliche Ansätze, die neben der Schaffung von Grünflächen auch vertikale Begrünungsmaßnahmen oder weitere bauliche Maßnahmen umfassen", so Anja Billwiller vom Gemeindetag BW.
Allerdings seien alle diese Maßnahmen kostenintensiv und belastend für kommunale Haushalte und private Bauherren. "Mit Blick auf die kommunalen Haushaltslagen wird - trotz entsprechendem Engagement der Gemeinden - ohnehin lediglich ein schrittweises Vorgehen möglich sein", betont Billwiller. Auch der Städtetag weist auf die Kosten hin. "Es hilft wenig, teure Maßnahmen zu planen, aber nicht umsetzen zu können. Deshalb müssen neben der Entsiegelung auch andere Hitzeschutzmaßnahmen in Betracht gezogen werden. Entscheidend sind passgenaue und pragmatische Lösungen", so ein Sprecher zum SWR.
Wettbewerb zur Entsiegelung von Flächen
Entsiegelung muss aber nicht allein von den Kommunen ausgehen. Das zeigt der bundesweite Wettbewerb "abpflastern", an dem sich auch Privatpersonen und Vereine beteiligen können.
Die Hitzeschutzaktion läuft seit März. Bei "abpflastern" konkurrieren Städte miteinander darüber, wer es schafft, bis zum 31. Oktober 2026 am meisten versiegelte Fläche zu entsiegeln. Der Wettbewerb ist ein Langzeit-Projekt der Studierenden der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz.
Freiburg im Breisgau liegt momentan auf Platz sieben in der Liga der Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Asperg (Landkreis Ludwigsburg) ist zur jetzigen Halbzeit sogar auf Platz eins der Kategorie der kleinen Städte mit unter 20.000 Einwohnern - mit 13.550 abgepflasterten Steinen. Ulm liegt bei den Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern auf Platz 10.