Weißanstrich, Wassersäcke und verteilte Gießkannen

Bäume im Hitzestress: So schützen Städte in BW ihre Begrünung vor den heißen Temperaturen

Begrünung in Städten ist wichtig, weil sie an Straßen und Plätzen für Abkühlung sorgt. Doch welche Vorkehrungen werden getroffen, um Bäume vor der Hitze zu schützen?

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Von Autor/in Leonie Koppe, Paulina Flad

Die Begrünung von Städten ist ein zentrales Thema im Hitzeschutz - denn das Laub von Bäumen kühlt die Temperaturen in ihrer Umgebung an warmen Tagen merklich herunter. Dafür leiden auch die Bäume unter Trockenheit und Hitze. Wie sorgen die Städte in Baden-Württemberg dafür, dass ihr schützendes Grün erhalten bleibt?

Wassersäcke und Unterflur-Baumquartiere am Bodensee

In Überlingen am Bodensee wird laut Pressesprecherin der Stadt, Andrea Winkler, bereits bei der Neupflanzung von Straßenbäumen darauf geachtet, dass die Pflanzen in Zukunft gut versorgt sind. So werden, um den erforderlichen Wurzelraum zu gewährleisten, am jeweiligen Standort sogenannte Unterflut-Baumquartiere mit speziellen Böden - sogenannten Substraten - und Bewässerungsmöglichkeiten eingebaut. Diese Substrate enthalten laut Winkler neben bestimmten Nährstoffen auch beispielsweise Ton und Lavagestein, die Wasser speichern und dieses bei Trockenheit an die Umgebung abgeben.

"Wo es möglich ist, arbeiten wir mit Wassersäcken", erklärt Winkler: "Mit Wasser gefüllte Kunststoffbeutel werden um die Bäume gelegt und geben das Wasser tröpfchenweise ab. Das Wasser fließt nicht oberflächlich ab, sondern führt zu einer Tiefenbewässerung." So könnten die Bäume in längeren Intervallen bewässert werden. Sträucher und Bäume in mobilen Pflanzgefäßen würden in installierten Rohren über ein Wasserreservoir verfügen. An ausgewählten Standorten in Überlingen sind laut Winkler zudem Feuchtigkeitssensoren verbaut. Sie ermöglichen, den jeweiligen Wasserbedarf gezielter einzuschätzen. Eine traditionelle Bewässerung durch ein Fahrzeug mit Wassertank erfolge in der Regel nur bei jüngeren Bäumen, die über noch kein ausgeprägtes Wurzelwerk verfügen.

Karlsruhe: Gratis-Gießkanne für Baumschutz

Um Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, Stadtbäume in ihrer Nachbarschaft zu bewässern und so während der Hitze zu unterstützen, hat das Gartenbauamt Karlsruhe im Juni eine Aktion gestartet. "Als Dankeschön für die ehrenamtliche Unterstützung verschenkt das Gartenbauamt einmalig Gießkannen an die ersten 50 Personen, die vorhaben, ehrenamtlich einen Baum im Wohnumfeld zu bewässern", so das Amt.

Auf Anfrage des SWR bestätigt das Gartenbauamt nun: Nahezu alle 50 Gießkannen seien vergeben worden. "Insgesamt fanden 48 Kannen direkt neue Patinnen und Paten. In den darauffolgenden Tagen erreichte das Gartenbauamt weitere Anfragen, sodass zusätzlich weitere Gießkannen ausgeben wurden." Auch habe ein anhaltend großes Interesse an langfristigen Baumpatenschaften bestanden.

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Pflanzen, die keinen Schutz brauchen

Auf dem Marienplatz in Stuttgart stehen seit Juni ebenfalls zwei neue Bäume - die sind allerdings nicht echt. Es sind sogenannte Ecotriis, in der Form eines Sonnenschirms, in dem Pflanzen wachsen und somit mit der Zeit ein kleines grünes Dach entsteht.

Doch wie haben die Fake-Bäume die Hitzewelle Ende Juni überstanden? Rainer Bocka vom Verein Marienplatzfest e.V., der gemeinsam mit dem Theater Rampe für die Ecotriis zuständig ist, sagt: "Die Pflanzen haben die Hitze sehr gut überstanden, da sie intern mit einem Wassertank ausgestattet sind und mit einem Feuchtigkeitssensor, der nach Bedarf Wasser abgibt." Laut Bocka werden die Pflanzen an den Ecotriis entsprechend danach ausgesucht, dass sie besonders geeignet sind, die Hitze gut zu überstehen. "Die Pflanzen werden nicht geschützt, sie sollen Menschen vor der Sonne schützen", erklärt er. Momentan werde noch erprobt, welche Arten dafür am besten geeignet seien. Dann solle eine dauerhafte Einrichtung daraus entstehen.

Auch Ecotriis-Gründerin Rosa Pöttinger bestätigt, dass die Pflanzen während der heißen Tage sehr robust waren. "Obwohl in den Pflanzgefäßen zeitweise Temperaturen von über 40 Grad gemessen wurden, zeigten die Pflanzen kaum Stresssymptome und präsentieren sich weiterhin in einem sehr guten Zustand." Dies stimme sie positiv für die weiteren Sommermonate.

Laut dem Pressesprecher der Stadt Stuttgart, Harald Knitter, greift die Stadt bei Nachpflanzungen und Neupflanzungen der Stadtbäume auf klimaresiliente Arten zurück. Empfehlungen stünden unter anderem in der GALK-Straßenbaumliste. Die Jungbäume der Stadt würden seit Anfang April bis Ende September bei normaler Niederschlagsintensität alle zwei bis drei Wochen gegossen. Bei älteren Bäumen sei dies nur bei Ausnahmen der Fall.

Mobile Bäume in Freiburg zeigten Hitzestress

In Freiburg wurden im Mai auf dem Platz der Alten Synagoge drei sogenannte mobile Bäume in Kübeln aufgestellt, um den versiegelten Platz abzukühlen. Laut Pressesprecherin der Stadt Freiburg, Linda Widmann, haben die mobilen Bäume die Hitzewelle gut überstanden: "Der Platz ist im Sommer heiß und damit ein Extremstandort für Bäume. Die Bäume zeigten zwar Anzeichen von Hitzestress, haben sich aber dennoch gut entwickelt." Sowohl die Bäume als auch die Unterpflanzung seien vital und grün. Zudem sei eine Probegrabung gemacht worden, bei der festgestellt wurde, dass die Bäume gut angewachsen sind. "Die Entwicklung ist gut und sie haben neue Triebe ausgebildet", so Widmann.

Da die Bäume noch jung sind, werden sie laut der Pressesprecherin momentan noch planmäßig von oben bewässert, bis ihr Wurzeln soweit entwickelt sind, dass sie alleine von unten durch den im Kübel eingebauten Wassertank bewässert werden können. Während der Hitzewelle seien die Bäume ein Mal pro Woche zusätzlich gegossen worden.

Ein Radlader bringt einen eingetopften Baum auf den Platz der Alten Synagoge
Mehr Schatten für die Innenstadt: Drei Eisenholzbäume sollen helfen, den Platz der Alten Synagoge in Freiburg abzukühlen. David Zastrow

Offenburg bei Hitze-Check auf dem letzten Platz

Begrünung und vor allem die Anzahl der Bäume ist in der Stadt Offenburg (Ortenaukreis) ein heiß umstrittenes Thema. Beim sogenannten Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe belegte Offenburg unter rund 200 untersuchten Städten den letzten Platz. Laut dem Check fehlt es an schattenspendenden Bäumen. Außerdem seien zu viele Flächen versiegelt. Nur knapp 13 Prozent der Stadtfläche liegen laut der Auswertung unter einem schützenden Blätterdach. Empfohlen werden 30 Prozent.

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Weißanstrich als Sonnenschutz für Bäume

Die Bäume die für diese 13 Prozent Schattenfläche sorgen, werden jedoch geschützt - unter anderem mit einem Weißanstrich. Das ist eine speziellen Farbe, die den Großteil der Sonneneinstrahlung reflektiert. Die Stadt streiche damit die Stämme von Bäumen an, die der Sonne besonders ausgesetzt seien, erklärt Pressesprecher Fabian Fallert. Außerdem wurde in den vergangenen Wochen die Bewässerung von Jungbäumen intensiviert. Ebenso bei Altbäumen, die erkennbar unter Trockenheit leiden.

Bürgerinnen und Bürger helfen mit

Unterstützung bei der Bewässerung der Bäume sucht auch Offenburg in der Bevölkerung. Bürgerinnen und Bürger können sogenannte Baumpatenschaften übernehmen und sich um einen ausgewählten Baum kümmern. Die Hauptaufgabe der Baumpaten bestehe darin, den Baum in den Sommermonaten zu gießen, so die Stadt. Außerdem sollen Beschädigungen oder Totholz in der Krone gemeldet und die Baumscheibe, also der Bereich um den Stamm, sauber gehalten werden.

Auch in anderen Städten wie Stuttgart oder Pforzheim gibt es Baumpaten. Die, so heißt es auf der Seite des Bürgervereins Pro Stuttgart, mithelfen "das Klima in unserer Stadt zu verbessern und die Bäume und Pflanzen gut durch die heiße Jahreszeit zu bringen".

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Leonie Koppe
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Paulina Flad
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