Endlich ist sie da - Monika Matzdorf ist die neue Hausärztin im Friesenheimer Ortsteil Oberschopfheim (Ortenaukreis). Drei Jahre lang hat die Gemeinde gesucht und nichts unversucht gelassen, einen Arzt oder eine Ärztin von ihrem 3.000-Seelen-Dorf zu überzeugen.
Gemeinde kauft Haus und renoviert es
So hat die Gemeinde etwa für eine knappe halbe Million Euro ein Haus gekauft und es renoviert. Schließlich konnte sie mit Monika Matzdorf eine Ärztin finden, die die Praxis dann nach ihren Wünschen einrichten durfte. "Die Gemeinde hat den roten Teppich ausgerollt", sagt Matzdorf. Sie habe sich von Anfang an sehr unterstützt gefühlt. Die 48-Jährige studierte Medizin in Freiburg und entschied sich nun bewusst dafür, aufs Land zu ziehen. Seit Juli ist sie nun die neue Hausärztin in Oberschopfheim.
Und die Oberschopfheimerinnen und Oberschopfheimer konnten es offensichtlich nicht erwarten: Monika Matzdorf hat auf ihrer Internetseite ein Kontaktformular für potenzielle Patientinnen und Patienten eingerichtet - und ohne es beworben zu haben, meldeten sich bereits 90 Personen, die bei ihr als Patienten und Patientinnen übernommen werden möchten.
Ärztliche Versorgung ist keine kommunale Aufgabe - eigentlich
Auf der Einweihungsfeier zeigt sich der Friesenheimer Bürgermeister Erik Weide zufrieden. Er sei sehr stolz auf die neue Praxis. Gleichzeitig betont er, dass die ärztliche Versorgung keine kommunale Aufgabe sei, weshalb es für ihn als Kommunalpolitiker eine besondere Herausforderung gewesen sei, das Problem des Ärztemangels anzugehen.
Hausarzt gesucht: Mangel auch wegen unattraktiver Arbeitsbedingungen
Landes- und bundesweit spitzt sich die Lage zu. Statistisch gesehen mangelt es in Deutschland eigentlich nicht an Ärztinnen und Ärzten - doch immer mehr Hausärzte und Hausärztinnen fehlen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen fehlen Hausärzte, weil die Bevölkerung immer älter wird und damit einen höheren Betreuungsbedarf hat. Gleichzeitig gehen viele Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachkommt. Hinzu kommt, dass immer weniger Medizinerinnen und Mediziner im hausärztlichen Bereich arbeiten möchten. Viele bevorzugen eine Anstellung statt einer eigenen Praxis - Gründe dafür sind unter anderem die hohe Bürokratisierung, vergleichsweise schlechte Bezahlung und der Wunsch vieler junger Ärztinnen und Ärzte nach flexibleren Arbeitszeiten, etwa in Teilzeit.
Studie: 40 Prozent aller Landkreise droht eine Unterversorgung
Aus einer Studie der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahr 2021 geht hervor, dass 2035 rund 11.000 Hausarztstellen unbesetzt sein werden. Besonders betroffen sind ländliche Regionen. 40 Prozent aller Landkreise droht eine Unterversorgung. Um dem Ärztemangel in ländlichen Regionen entgegenzuwirken, plant die schwarz-rote Koalition in Berlin mehrere Reformen. Ein sogenannter "Fairnessausgleich zwischen über- und unterversorgten Gebieten" soll dafür sorgen, dass Regionen mit zu wenigen Ärzten besser versorgt werden - wie genau dieser Ausgleich funktionieren soll, ist allerdings noch offen.