Der Krieg im Nahen Osten hat vor allem vor Ort Auswirkungen. Doch auch in Baden-Württemberg spürt man die ersten Folgen. Heizöl etwa sei am Montag in BW zeitweise schon 20 Prozent teurer gewesen, heißt es bei einem Lieferanten aus Pforzheim. "Das Telefon steht heute nicht mehr still."
Spritpreise steigen: Benzin und Diesel teurer
Laut dem ADAC sind die Spritpreise am Montag kräftig angestiegen. Am Nachmittag sei Benzin der Sorte E10 deutschlandweit im Schnitt um 7,3 Cent teurer gewesen als zum gleichen Zeitpunkt am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation, bei Diesel waren es 8,1 Cent.
Einige Kunden an den Tankstellen rechnen damit, dass die Preise in den kommenden Tagen noch steigen. "Ich tanke jetzt, bevor es noch teurer wird", sagt eine Autofahrerin an einer Pforzheimer Tankstelle.
Durch die Straße von Hormus muss ein Fünftel der globalen Öllieferungen. Sollte die Straße längerfristig nicht passierbar sein, hätte das spürbare Folgen, sagt Moritz Kraemer, Chefvolkswirt von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Für Unternehmen in der Region wäre das ein Preistreiber. Einerseits wegen der Energiekosten und andererseits wegen der Transportkosten.
Es könnte auch noch weitergehen, dass die Lieferketten möglicherweise wieder ein bisschen gestresst werden und gerade in Baden-Württemberg sind wir als hoch industrialisierte Region sehr abhängig davon, dass die Lieferketten funktionieren.
SAP hat Büros in der Region vorübergehend geschlossen
Unternehmen aus Baden-Württemberg reagieren auf die Krisenlage im Nahen Osten. Weil die Länder der arabischen Halblinsel lange Zeit als sicher und politisch stabil galten, haben viele Unternehmen aus Baden-Württemberg dorthin expandiert.
Nun hat der Softwarehersteller SAP aus Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) seine Büros in der Region vorübergehend geschlossen. Etwa 2.000 Mitarbeitende habe das Unternehmen aufgefordert, von zuhause aus zu arbeiten, heißt es vom Konzern.
Außerdem kümmere sich SAP um Beschäftigte, die wegen des gesperrten Luftraums von abgesagten Flügen betroffen seien. Die Sicherheit der Mitarbeitenden habe höchste Priorität.
ZF: Keine Erkenntnisse, dass Kollegen bisher durch Angriffe gefährdet waren
Der Autozulieferer ZF in Friedrichshafen spricht aktuell von einer unübersichtlichen Lage. Seit Samstag beschäftigt sich ZF mit dem Thema. In der Region beschäftigt das Unternehmen knapp 70 Mitarbeitende, überwiegend im Kundendienst und Ersatzteilgeschäft.
"Es gibt keine Erkenntnisse, dass die Kollegen bisher durch Angriffe gefährdet waren", sagte ein Sprecher. Trotzdem rät auch ZF ihnen zu Sicherheitsmaßnahmen, wie Home Office und öffentliche Verkehrsmittel zu meiden.
Fischer Group: Enger Austausch mit Gesellschaften vor Ort
Auch die Fischer Group aus dem Kreis Freudenstadt, ein Hersteller von speziellen Edelstahlbauteilen, ist im Nahen Osten aktiv und hat erst dieses Jahr eine neue Gesellschaft in Saudi-Arabien gegründet. Das Unternehmen erklärte, man sei in einem engen Austausch mit den Gesellschaften vor Ort und alle Mitarbeitenden seien wohlauf. Am Standort in den Vereinigten Arabischen Emiraten habe man alle Beschäftigten ins Homeoffice geschickt und das Lager vor Ort geschlossen, so die Fischer Group.
Nicht alle Unternehmen wollen sich zur aktuellen Situation äußern. Zu den betroffenen Konzernen gehören zum Beispiel die Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz und Porsche - sie haben zum Beispiel Standorte in Dubai, ebenso wie der Friedrichshafener Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems. Wie viele ihrer Beschäftigten aktuell in der Krisenregion arbeiten und ob es Kontakt zu ihnen gibt, wollen die Unternehmen nicht preisgeben - aus Sorge, die Mitarbeitenden vor Ort damit noch mehr zu gefährden.