Auch in der Region Ulm verfolgen Exil-Iraner und Deutsche mit iranischen Wurzeln aufmerksam die Ereignisse in ihrem Heimatland. Viele freuen sich über den Angriff der USA und Israels auf das Regime in Teheran. Gleichzeitig sorgen sie sich um Ihre Angehörigen im Land. Afsaneh Holstein-Tabatabai ist gebürtige Iranerin und lebt seit fast 50 Jahren in Ulm.
Ich habe morgens das Radio angemacht und mich sehr gefreut.
Afsaneh Holstein-Tabatabai muss nicht lange überlegen. Ihre Reaktion auf die ersten Meldungen vom Wochenende ist eindeutig: "Ich habe morgens das Radio angemacht und mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass Teheran an bestimmten Plätzen angegriffen wurde", berichtet die 73-Jährige dem SWR im Interview.
Hoffnung auf ein Ende des Regimes
Andere Exil-Iraner und iranischstämmige Deutsche seien ebenso froh über den großflächigen Angriff der USA und Israels auf den Iran. Holstein-Tabatabai war am Samstag mit rund 300 anderen Menschen auf einer Demonstration gegen das Mullah-Regime in Stuttgart. Als sich die Nachricht vom Tod des Obersten Führers, Ali Chamenei, verbreitete, hätten viele Protestierende gejubelt und getanzt.
Afsaneh Holstein-Tabatabai ist im Iran geboren und lebt seit 47 Jahren in Ulm. Sie floh mit ihrer Familie in Folge der iranischen Revolution. Den Kontakt in ihre alte Heimat hat sie nie verloren. Für Menschenrechte und Demokratie sowie gegen das totalitäre System der Islamischen Republik habe sie sich auch von Deutschland aus immer eingesetzt, wie sie sagt.
In Ulm und Umgebung organisiert die gelernte Übersetzerin seit Langem Feste und Zusammenkünfte der iranischen Gemeinde in der Region. Während der blutigen Niederschlagung der Massenproteste im Iran im Januar meldete sie in Ulm eine Solidaritätskundgebung an. Mehr als 100 Menschen kamen.
Doch neben der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Mullah-Regimes sorgen sich viele Iraner in der Region auch um ihre Angehörigen in der Heimat. Die Ulmerin Holstein-Tabatabai berichtet von Bekannten, die in der Nähe von Militärstützpunkten im Iran leben und Angst haben, ihre Häuser könnten von Raketen getroffen werden. Zudem gebe es Berichte, wonach das Regime politische Gefangene als menschliche Schutzschilde nutze.
Dass nun ein längerer Krieg entfacht wird, hält die Deutsch-Iranerin dennoch für unwahrscheinlich. "Die iranischen Angriffe auf Nachbarländer und US-Militärbasen sind die letzten Atemzüge des Regimes", schätzt sie. Die überwiegende Mehrheit der Menschen im Iran wolle ein Ende der Diktatur und eine freie Gesellschaft.
Dafür sei es notwendig, dass die Verantwortlichen des bisherigen Regimes abtreten oder durch die Angriffe ausgeschaltet werden. Dass das Vorgehen der USA und Israels dabei womöglich völkerrechtswidrig ist, spielt für Holstein-Tabatabai keine Rolle. Zu lange habe das Regime in Teheran seine eigene Bevölkerung terrorisiert und Massaker begangen.
Weitere Kundgebungen in Ulm geplant
Viele wünschten sich, dass nach den Angriffen auf die Staatsführung und die militärische Infrastruktur ein Übergangsprozess eingeleitet wird. Dazu brauche es ein faires Referendum für die Bevölkerung, so Holstein-Tabatabai. Für das kommende Wochenende plant sie erneut eine Versammlung in Ulm, um Solidarität mit den Menschen im Iran und Dankbarkeit für den Angriff auf das Mullah-Regime zu zeigen.