BW-Trend Januar 2026

Umfrage vor BW-Landtagswahl: CDU bleibt stärkste Kraft - Grüne holen auf und setzen sich vor AfD

Für die lange abgeschlagenen Grünen und ihren Spitzenmann Özdemir gibt es im Endspurt kurz vor der Landtagswahl nochmal Hoffnung. Kann die CDU ihren Vorsprung ins Ziel retten?

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Stand

Von Autor/in Henning Otte, Hannah Vogel

Gut sechs Wochen vor der Landtagswahl in BW kann sich die CDU in der Wählergunst als stärkste Kraft behaupten, aber die Grünen holen auf und lassen die AfD hinter sich. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag von Südwestrundfunk (SWR) und "Stuttgarter Zeitung". Eine Fortsetzung der Koalition aus Grünen und CDU ist demnach am wahrscheinlichsten - allerdings unter Führung des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Daneben zeigt die Umfrage, dass die Folgen der Wirtschaftskrise den Menschen in BW am meisten zu schaffen machen.

CDU-Vorsprung auf Grüne schmilzt weiter

Wenn an diesem Sonntag Landtagswahl wäre, käme die CDU auf 29 Prozent und bliebe damit stabil im Vergleich zur Umfrage im Oktober. Seit gut zwei Jahren ist die Union im BW-Trend klar stärkste Partei. Im Oktober 2024 hatte die CDU sogar mal 16 Punkte vor den Grünen gelegen, deren Werte offensichtlich stark unter der grünen Beteiligung an der Ampel-Bundesregierung gelitten hatten. Doch der Vorsprung der CDU ist seitdem nach und nach geschmolzen - zuletzt im BW-Trend von Oktober um zwei Punkte. Der Erfolg der Landespartei hängt auch vom Ansehen der schwarz-roten Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) ab. Hinzu kommt: Der 37-jährige CDU-Partei- und Fraktionschef Hagel ist kurz vor der Wahl immer noch relativ unbekannt.

Özdemirs Grüne machen Sprung nach vorne

In der neuen Umfrage gewinnen die Grünen von Spitzenkandidat Cem Özdemir drei Punkte hinzu und liegen nun bei 23 Prozent. Das sind noch 6 Punkte Rückstand auf die CDU. Ein Grund für den Zugewinn könnte die ungebrochene Beliebtheit und Bekanntheit des früheren Grünen-Chefs und Bundeslandwirtschaftsministers Özdemir sein, der Winfried Kretschmann (Grüne) im Amt des BW-Regierungschefs folgen will. Rückenwind von der Bundesebene gibt es nicht, dort liegen die Grünen lediglich bei 12 Prozent. Aber auch die BW-Grünen sind von ihrem Rekordergebnis von 32,6 Prozent bei der Landtagswahl 2021 mit Kretschmann als Zugpferd weit entfernt. Dennoch hoffen Özdemir und Co. auf eine Aufholjagd wie vor der Wahl 2016: Damals lagen die Grünen knapp zwei Monate vorher noch 7 Punkte hinter der CDU und gewannen am Ende doch.

AfD fällt zurück auf Rang drei

Die AfD verliert einen Punkt und liegt bei 20 Prozent. Damit würde die Partei, die in BW als rechtsextremistischer Verdachtsfall gilt, ihr Ergebnis (9,7 Prozent) von der Landtagswahl 2021 mehr als verdoppeln. Allerdings fällt die AfD im neuen BW-Trend auch wieder auf Rang drei zurück. Im Oktober war sie im BW-Trend erstmals an den Grünen vorbeigezogen. Damit kommt der Landesverband auch nicht an die Umfrageergebnisse der Bundespartei heran, die derzeit bei 25 Prozent gesehen wird (26 Prozent) und nur knapp hinter CDU von Kanzler Merz liegt. In Berlin ist die AfD seit der Bundestagswahl im Februar stärkste Oppositionskraft, in Baden-Württemberg ist sie noch die kleinste Fraktion im Landtag.

SPD fällt auf Allzeittief

Die SPD büßt zwei Punkte ein und fällt auf ihr Allzeittief von 8 Prozent. Im September 2019 lagen die Sozialdemokraten schon mal bei diesem Wert. Damit droht der SPD mit Spitzenkandidat Andreas Stoch nach 11 Prozent bei der Landtagswahl 2021 ein neuer Negativrekord. Ein Grund für den Trend dürften die schwachen Umfragewerte der SPD im Bund sein. In der Bundesregierung sind die Genossen Juniorpartner von CDU/CSU und rangieren in Umfragen nur bei 13 Prozent. In BW liegt die SPD meist noch unter den Bundeswerten.

Linke vor dem erstem Einzug in den Landtag

Die Schwäche der SPD könnte auch durch den Aufstieg der Linken bedingt sein. Die Linke käme laut BW-Trend wie schon im Oktober und auch im Mai auf 7 Prozent und würde somit erstmals in das Parlament einziehen. Sie profitiert dabei wohl auch vom Aufschwung der Bundespartei. Bei SPD und Grünen wird befürchtet, dass vor allem junge Wählerinnen und Wähler bei den Linken ihr Kreuz machen könnten. Am 8. März dürfen zum ersten Mal Jugendliche ab 16 Jahre bei der Landtagwahl ihre Stimme abgeben.

FDP muss weiter zittern

Die FDP kann ihre 5 Prozent halten und würde es knapp wieder in den Landtag schaffen. Sie würde ihr Ergebnis von 2021 (10,5 Prozent) aber mehr als halbieren. Damit können sich die Freien Demokraten in ihrem Stammland BW etwas vom Bundestrend absetzen. Dort liegt die FDP nach ihrem Scheitern bei der Bundestagswahl bei 3 Prozent.

Der SWR berichtet über die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg auch in Leichter Sprache. Hier finden Sie den passenden Artikel:

Leichte Sprache | Baden-Württemberg Landtags·wahl: Welche Parteien sind in Baden-Württemberg beliebt?

Die meisten Menschen in Baden-Württemberg wollen bei der Landtags·wahl die CDU wählen. 
Das zeigt eine Umfrage von infratest dimap.

Schwarz-Grün derzeit einzig realistische Variante  

Derzeit läuft alles auf eine schwarz-grüne Landesregierung hinaus. Die beiden Parteien kämen laut Umfrage zusammen auf 52 Prozent. Eine Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP, die Hagel einer Zusammenarbeit mit den Grünen vorziehen würde, ist momentan nicht absehbar. Die drei Parteien hätten zusammen nur 42 Prozent, während Grüne, AfD und Linke theoretisch auf 50 Prozent kämen. Da die CDU nicht mit der AfD regieren möchte, kämen andere Koalitionen derzeit nicht infrage.

Knappe Mehrheit für CDU-geführte Landesregierung

Nachdem die Grünen und Kretschmann nun seit fast 15 Jahren an der Macht sind, würden 40 Prozent der Befragten wie schon im Oktober eine CDU-geführte Landesregierung vorziehen. Dagegen hätten 32 Prozent lieber weiter einen Grünen in der Regierungszentrale, das ist ein Plus von drei Punkten. Eine Landesregierung unter Führung der AfD würde knapp ein Fünftel der Bürgerinnen und Bürger (19 Prozent - ein Minus von 2 Punkten) bevorzugen.

CDU genießt sachpolitisch größtes Vertrauen

Von allen Parteien wird der CDU am meisten inhaltliche Kompetenz zugeschrieben. Ein Viertel der Baden-Württemberger (25 Prozent, minus 1 Punkt) ist überzeugt, dass die Partei am ehesten die wichtigsten Aufgaben im Land lösen kann. Das Sachvertrauen in die Grünen ist gestiegen, sie überholen mit 17 Prozent (plus 3 Punkte) die AfD (16 Prozent, minus 1 Punkt). Es folgen die Linke (5 Prozent), die SPD (5 Prozent, minus 2 Punkte) und die FDP (3 Prozent).

Özdemir läge bei Direktwahl klar vor Hagel

Beim Personal ist die CDU hingegen auch zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs noch klar im Nachteil. Das liegt vor allem an der Bekanntheit von Özdemir (60), der früher Grünen-Bundeschef und Bundeslandwirtschaftsminister war. Wenn die Menschen in BW den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden sich 39 Prozent (minus 2 Punkte) für Özdemir entscheiden. Sein CDU-Kontrahent Hagel (37) kann zwar etwas aufholen, liegt aber mit 19 Prozent (plus 2 Punkte) weit dahinter. Markus Frohnmaier (34) von der AfD wünschen sich 9 Prozent (plus 1 Punkt) als BW-Regierungschef.

Hagel gewinnt nur bedingt an Sichtbarkeit

Özdemir ist zudem der Einzige der Spitzenkandidaten, der für seine politische Arbeit mehr Lob als Kritik erhält. Knapp die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (47 Prozent, plus 1 Punkt) kann der Grünen-Politiker damit überzeugen, 38 Prozent äußern sich kritisch. Hagel (CDU) gewinnt zwar leicht an Sichtbarkeit, aber auch eineinhalb Monate vor der Landtagswahl kennt ihn die Mehrheit nicht oder kann seine politische Arbeit zumindest nicht bewerten (59 Prozent, minus 5 Punkte). Diejenigen, die sich ein Urteil zutrauen, sind eher unzufrieden (19 zu 22 Prozent).

Mit Frohnmaier (AfD) oder dessen Arbeit sind knapp zwei Drittel nicht vertraut (64 Prozent, minus 5 Punkte), das negative Urteil überwiegt klar (10 zu 26 Prozent). SPD-Spitzenkandidat Stoch schlägt sich nach Ansicht von 13 Prozent (minus 3 Punkte) der Wahlberechtigten gut, ein Viertel (26 Prozent, plus 3 Punkte) ist vom Gegenteil überzeugt. Auch ihn kennt eine Mehrheit nicht. Gleiches gilt für FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke, mit dessen Arbeit nach wie vor 12 Prozent zufrieden und 25 Prozent (plus 2 Punkte) unzufrieden sind.

Montage aus Porträts von Politikern, oben: Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU) unten: Andreas Stoch (SPD), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Markus Frohnmaier (AfD)
Oben (v.l.n.r.): Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU). Unten (v.l.n.r.): Andreas Stoch (SPD), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Markus Frohnmaier (AfD).

Wirtschaft wichtigstes politisches Problem

Zweieinhalb Jahre lang war die Zuwanderung im BW-Trend für die meisten Bürgerinnen und Bürger das wichtigste politische Problem in Baden-Württemberg. Doch die Wirtschaftskrise, die auch die wichtige Autoindustrie betrifft, rückt nun verstärkt ins Zentrum. Für 29 Prozent der Befragten steht die Lage der heimischen Wirtschaft ganz oben auf der Problemliste, das ist ein Plus von 9 Punkten. Danach folgen die Zuwanderung mit 23 Prozent (minus 2 Punkte), Bildung mit 15 Prozent (minus 7 Punkte) und der Umwelt- und Klimaschutz mit 12 Prozent.

Wirtschaftliche Stimmung trübt sich weiter ein

Nur noch ein Drittel bewertet die wirtschaftliche Lage (35 Prozent, minus 8 Punkte) als sehr gut oder gut, fast zwei Drittel (63 Prozent, plus 8 Punkte) sind vom Gegenteil überzeugt. Für Baden-Württemberg, das sich lange Jahre keine Sorgen um seine Wirtschaft machen musste, ist das ein neues Rekordtief.

Nur wenige glauben an eine positive Entwicklung 2027

Die Befragten schauen auch verhalten in die Zukunft. Wie schon im Mai vergangenen Jahres rechnet ein gutes Drittel (36 Prozent) damit, dass die wirtschaftliche Lage im Land in einem Jahr schlechter sein wird als heute. Knapp die Hälfte (46 Prozent) geht nach wie vor von einer gleichbleibenden ökonomischen Lage aus, 13 Prozent erwarten dagegen einen Aufschwung.

Jeder Fünfte Berufstätige sorgt sich um Arbeitsplatz

Eine ganze Reihe großer Unternehmen in Baden-Württemberg will Stellen abbauen. Eine Mehrheit der Berufstätigen (80 Prozent) sorgt sich zwar nur wenig (34 Prozent) oder überhaupt nicht (46 Prozent) um den eigenen Arbeitsplatz. Immerhin ein Fünftel bangt aber sehr stark (7 Prozent) oder stark (13 Prozent) um seine Stelle.

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Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik
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