Nach der ersten großen Sondierungsrunde zwischen Grünen und CDU am Dienstag gehen die Gespräche im kleinen Kreis weiter. Das hat der SWR am Donnerstag in Stuttgart aus beiden Parteien erfahren. Demnach treffen sich Grünen-Wahlgewinner Cem Özdemir und der CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel in kleiner Runde, um eine mögliche Regierungsbildung auszuloten. Die Sondierung zunächst in einem anderen Format fortzusetzen sei ausdrücklicher Wunsch der CDU gewesen, hieß es. Grund dafür sei, dass das Treffen mit jeweils sieben Vertretern von Grünen und CDU am vergangenen Dienstag kaum zu Fortschritten geführt habe.
Seit Dienstagabend gab es keine offiziellen Informationen über ein geplantes weiteres Treffen der beiden Parteien in dieser Woche. Das hatte zu Spekulationen geführt, dass bei den Sondierungen knapp drei Wochen nach Landtagswahl pausiert werde oder es größere Verwerfungen gegeben haben könnte.
Mehrere Spannungen in großer Gesprächsrunde
Tatsächlich hatte es am Dienstagvormittag in der großen Runde dem Vernehmen nach starke Spannungen gegeben. Von CDU-Seite habe es erneut heftige Vorwürfe gegeben, die Grünen hätten im Wahlkampf eine "Schmutzkampagne" gegen Hagel gefahren. Unter anderem hieß es von Seiten der CDU, Ziel der Kampagne sei es gewesen, Hagel "als Mensch zu zerstören". Vor allem Bauministerin Nicole Razavi und Innenminister Thomas Strobl (beide CDU) hätten den Grünen massive Vorhaltungen gemacht.
CDU möchte nichts nach außen dringen lassen
Am Nachmittag habe man etwas konstruktiver diskutiert, doch zunächst keinen weiteren Termin für eine Fortsetzung der Sondierung vereinbart. Stattdessen pochte die CDU darauf, dass über die Gespräche nichts nach draußen dringen dürfe. Nun sondieren Özdemir und Hagel - wie schon vor der größeren Runde - im kleineren Kreis weiter. Nach SWR-Informationen ist auf CDU-Seite Elmar Steinbacher, Amtschef im Ministerium für Justiz- und Migration, derzeit Hagels engster Berater.
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Seit der Wahl ist das Verhältnis zwischen Grünen und CDU angespannt. Immer wieder ist von einer grünen "Schmutzkampagne" die Rede, mit der viel Vertrauen verspielt worden sei. Hintergrund ist, dass eine grüne Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe kurz vor der Wahl ein acht Jahre altes Video verbreitet hatte, in dem Hagel über eine minderjährige Schülerin schwärmt. Die CDU warf den Grünen eine geplante Kampagne vor. Özdemir beteuerte, er habe von dem Post nichts gewusst. Die Grünen hatten am 8. März die Landtagswahl mit 30,2 Prozent der Zweitstimmen knapp vor der CDU (29,7 Prozent) gewonnen. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate - eine seltene Pattsituation.