Tropenviren wie Dengue, Gelbfieber und Hanta sind hierzulande nicht unbekannt. Vom Chikungunya-Virus haben viele dagegen noch nicht gehört. Dabei sind seine möglichen Träger, die Tigermücken, auch in Baden-Württemberg längst keine Exotinnen mehr. Nun wird von einer Infektion mit dem Virus im Elsass berichtet, nahe der französisch-deutschen Grenze.
Bundesweit wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) von April bis Juni bislang 75 Chikungunya-Fälle registriert. Diese seien aber offensichtlich ausnahmslos mit einer Reise verbunden, so das RKI, und hätten vor allem Rückkehrende aus Mauritius, La Réunion und Sri Lanka betroffen. Der jüngste europäische Fall hingegen wurde nach Angaben des RKI bei einem Menschen im Elsass nachgewiesen, der sich ausschließlich südlich von Straßburg in den Gemeinden Lipsheim und Fegersheim aufgehalten habe - etwa sechs bis sieben Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und auf Höhe des Rheins bei Offenburg.
- Übertragung von Virusinfektionen durch Stich der Tigermücke
- Fieber-Erkrankung durch Chikungunya-Virus
- Ausbreitung der Tigermücke in Baden-Württemberg
- Tigermücken-Prävention im eigenen Garten
- Hinweise für Reisende
Übertragung von Virusinfektionen durch Stich der Tigermücke möglich
Das Virus wird von infizierten weiblichen Stechmücken bestimmter Arten wie der Asiatischen Tigermücke und der Gelbfiebermücke übertragen. Von Mensch zu Mensch steckt man sich üblicherweise nicht an. Die inzwischen auch hierzulande heimische Tigermücke kann das Virus weitergeben, wenn ein Tier zuerst einen infizierten Menschen sticht, das Virus aufnimmt und bei einem anschließenden Stich überträgt, erklärt Florian Hölzl, Leiter der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene des Stuttgarter Gesundheitsamts.
Die Mücken stechen demnach vor allem am Tag zu. Über die Speichelsekrete der Stechmücke gelangt das Virus in den menschlichen Blutkreislauf.
Fieber-Erkrankung durch Chikungunya-Virus
Das Virus löst das gleichnamige Chikungunya-Fieber aus, das mit grippetypischen Symptomen wie hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen einhergeht.
Spezifische Medikamente gegen Chikungunya gibt es noch nicht. Es werden Arzneimittel verabreicht, die die Symptome lindern sollen. Die meisten Infizierten erholen sich vollständig, oft schon nach einer Woche. Starke Gelenkschmerzen können aber auch monatelang andauern. Gefährlicher ist das Virus für chronisch Kranke, Ältere sowie für Schwangere und Säuglinge, die sich im Mutterleib infizieren. Ist Chikungunya ausgeheilt, besteht eine lebenslange Immunität gegen die Krankheit.
Im vergangenen Jahr aber wurde in Deutschland der Impfstoff Ixchiq zugelassen, um sich gegen das Chikungunya-Virus zu schützen. Im Februar 2025 folgte der Impfstoff Vimkunya. Wegen vereinzelter Berichte über schwere Nebenwirkungen bei älteren Menschen wird Ixchiq allerdings derzeit von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) überprüft.
Ausbreitung der Tigermücke in Baden-Württemberg
Die ersten Populationen der Asiatischen Tigermücke wurden 2015 in Freiburg im Breisgau und Heidelberg nachgewiesen. Seitdem hat sich die Art immer weiter in den wärmeren Regionen des Landes ausgebreitet, vor allem entlang des Oberrheins, in der Rhein-Neckar-Region und entlang des mittleren Neckars. In den vergangenen Jahren wurden aber auch Populationen am Bodensee nachgewiesen. Manche Kommunen wie etwa Kehl (Ortenaukreis) haben die Hoffnung aufgegeben, die Tigermücken-Population komplett loszuwerden.
Zurzeit ist das Risiko, hierzulande sich mit dem Virus zu infizieren, noch gering, sagt Hölzl. Eine Weiterverbreitung der Asiatischen Tigermücke als sogenannter Vektor mache Übertragungen auch bei uns aber immer wahrscheinlicher. Deshalb warnt Hölzl: "Wir müssen diesen Fall als Mahnung dafür nehmen, uns gegen die wachsende Gefährdung durch diese invasive Tierart zu wappnen."
Wer genau wissen will, ob er in einem Mücken-Hotspot lebt, kann auf Karten des Mückenatlas des Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, nachschauen.
Tigermücken-Prävention im eigenen Garten
"Das Wichtigste ist, mögliche Brutstätten rigoros zu beseitigen", empfiehlt Hölzl. Mücken lieben stehendes Wasser - wichtig also: Gießkannen, Vogeltränken, Untersetzer und Balkonpflanzen regelmäßig auf stehendes Wasser kontrollieren. Auch Dachrinnen, Regenfässer und Planschbecken können zur Brutstätte werden. Sand im Blumentopf-Untersetzer hilft gegen Mücken, ohne der Pflanze zu schaden.
Außerdem ist es wichtig, Gießkannen und Eimer umzudrehen und Regentonnen mit einem festen und vor allem dicht verschlossenen Deckel zu verschließen. "Die Tigermücke zwängt sich auch durch kleine Spalten und Lücken und findet ohne Schutzmaßnahmen sonst hinein", erklärt Hölzl.
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Hinweise für Reisende
Das Virus tritt vor allem in Asien, Afrika und Amerika auf und löst vor allem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen aus. Daher auch der Name, der ursprünglich aus der Sprache der Makonde stammt, einem Bantuvolk im Südosten von Tansania. Übersetzt heißt dieser so viel wie "der gekrümmt Gehende" - in Anlehnung an die Symptome. Das Chikungunya-Fieber wurde erstmals 1952 bei einem Ausbruch in Tansania beschrieben.
Wer in die betroffenen Regionen reist, sollte sich konsequent vor Mücken schützen. Von Duftkerzen und Lavendelsäckchen lassen sich Tigermücken aber nicht beeindrucken - DEET- oder c-haltige Sprays helfen dagegen zuverlässig. Moskitonetze vor allem über dem Kinderbett und Schutzgitter vor den Fenstern auch. Langärmelige weite und helle Kleidung wird empfohlen. Und nachts eventuell einen Ventilator aufstellen - das könne die Stechmücken fernhalten.
Nach der Urlaubsrückkehr aus Risikogebieten wie Mauritius oder La Réunion sollte man mit Fieber oder Gliederschmerzen rasch zum Arzt. Auch bei Symptomen nach einem Mückenstich in Grenznähe zu Frankreich gilt: lieber einmal zu viel zum Hausarzt. Weitere Anlaufstellen in Baden-Württemberg sind Gesundheitsämter und Tropeninstitute wie etwa in Heidelberg.