Seit mehreren Monaten ist es zu trocken. Die Dürre trifft die Landwirtschaft in Baden-Württemberg mit voller Wucht, sagt Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied. Hitze, Hagel und Unwetter haben die Lage zusätzlich verschärft.
"Auf vielen Betrieben fehlt seit Monaten das Wasser. Die Folgen sehen wir jetzt bei der Ernte", so Rukwied. Auch über dieses Jahr hinaus seien sie an zahlreichen Standorten zu spüren,
Bei der früh geernteten Wintergerste seien die Ernten noch gut gewesen. Bei Winterweizen und Raps hingegen seien die Ernten aber unterdurchschnittlich gewesen. Spät reifende Kulturen wie Mais, Kartoffeln und besonders Zuckerrüben haben dem Bauernverbands-Präsident zufolge deutlich gelitten, vor allem bei der Zuckerrübe zeichnet sich laut Rukwied eine "sehr schwache Ernte" in Baden-Württemberg ab. Möglicherweise handele es sich um die schlechteste Ernte der vergangenen 25 Jahre.
Folgen des Klimawandels Starker Ernterückgang auch in BW: Steigen jetzt die Preise für heimisches Fleisch und Gemüse?
Hitze und Dürre haben es Landwirten in Baden-Württemberg in diesem Jahr schwer gemacht. Wie sich das auf die Preise auswirkt - und welche Rolle Importe dabei spielen.
Der Hof Escher in Remseck-Aldingen (Kreis Luswigsburg) produziert hauptsächlich Kartoffeln. Dort rechnet man mit 40 bis 50 Prozent weniger Ernte. Sarah Escher-Gauß, die 2025 die Betriebsführung übernommen hat, sagt: "Mein Vater macht das seit 40 Jahren und hat so schwere Bedingungen bei der Ernte noch nicht erlebt.“ Durch die Trockenheit sei der Boden hart. Das beschädige die Kartoffeln bei der Ernte.
Eine Bewässerung ist für die Bäuerin momentan keine Alternative, zu hoch die Investitionskosten und die Unsicherheit ob in Zukunft überhaupt genug Wasser zur Verfügung stünde. Aus den zu kleinen und beschädigten Knollen der aktuellen Ernte wird Tierfutter. Übrig bleiben deutlich weniger Speisekartoffeln als in den letzten Jahren.
Isabel Kling (CDU), Ministerialdirektorin im Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg, zum Wassermangel in der Landwirtschaft:
Tierfutter knapp, Landwirte verfüttern Futter für den Winter
Noch dramatischer ist die Situation laut den Bauern bei den Futterwiesen. Durch die Trockenheit wuchs zuletzt kaum Gras, sorgt man sich beim Verband. Landesweit könne von mindestens 30 bis 40 Prozent weniger Futter ausgegangen werden, heißt es. Lokal würden die Ausfälle bei bis zu 50 Prozent liegen.
Es geht um die Frage, wie sie ihre Tiere durch den Winter bekommen.
Die Bauern verfütterten jetzt schon Futterreserven, die eigentlich für die Wintermonate vorgesehen seien. Der Markt für Tierfutter sei an vielen Orten "leergefegt", die Preise lägen rund 50 Prozent über dem Vorjahresniveau. "Für unsere tierhaltenden Betriebe geht es längst nicht mehr nur um eine schlechte Ernte. Es geht um die Frage, wie sie ihre Tiere durch den Winter bekommen", sagt Rukwied.
Teilweise Wartelisten bei Schlachthöfen Wegen fehlendem Futter: Bauern in BW müssen Tiere schlachten
Aufgrund von Hitze und Trockenheit wächst weniger Futter für die Landwirtschaft. Erste Betriebe greifen bereits auf ihre Reserven zurück - oder reduzieren die Tierbestände.
Maßnahmen wegen der Dürre: Land verspricht Hilfen
Das Land hat erste Hilfen angekündigt: Unterstützung beim Futterkauf und bei Transportkosten sowie mehr Spielraum bei Umweltauflagen und zusätzlichen Futterflächen. Der Verband begrüßt das, verlangt aber zusätzlich ein Sofortprogramm des Bundes, um landwirtschaftliche Betriebe finanziell zu entlasten.