Schön sind die Zahlen, die Michael Leiters bei seiner ersten Porsche-Bilanz-Pressekonferenz präsentieren muss, nicht. Im Gegenteil. Die Bilanz von Porsche für 2025 ist katastrophal, schlechter, als ohnehin viele erwartet hatten. Das Ergebnis nach Steuern brach 2025 im Vergleich zum Vorjahr um rund 91 Prozent ein, auf 310 Millionen Euro.
Aktuell stehen wir bei Porsche vor schwierigen Zeiten. In einer politisch und wirtschaftlich unsicheren Welt bleiben wir hinter unseren eigenen Erwartungen und den Erwartungen des Marktes zurück.
Für das aktuelle Jahr rechnet Porsche weiter mit herausfordernden Marktbedingungen. Den Umsatz für 2026 prognostiziert das Unternehmen zwischen 35 und 36 Milliarden Euro - etwas unter den 36,27 Milliarden Euro von 2025.
Noch mehr Stellen sollen abgebaut werden
Leiters kündigte einen weiteren Stellenabbau an. "Die bisher geplante Verschlankung des Unternehmens reicht unter den veränderten Rahmenbedingungen nicht aus", sagte er.
Die Organisation sei insbesondere in den indirekten Bereichen überproportional zur Entwicklung des Geschäfts gewachsen. Porsche müsse schlanker werden, sagte er. Er plant, die Führungsstruktur zu verschlanken und Hierarchien abzubauen. Mit den Arbeitnehmervertretern soll ein Paket vereinbart werden, in dem es um Personalkosten, Produktivität und Flexibilität gehen werde.
Einen konkreten Zeitplan oder Zahlen, wie viele Stellen zusätzlich wegfallen, nannte er nicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Porsche ein Sparprogramm angekündigt, laut dem bis 2029 in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden sollen. Insgesamt wurde ein Abbau von 4.000 Stellen angekündigt.
Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer oder Jürgen Pieper machen drei Entwicklungen für die Lage verantwortlich: das schlechte Geschäft in China, die US-Zölle und die zu schwache Nachfrage nach E-Autos. Das Unternehmen setzt deshalb wieder stärker als bisher auf Verbrenner. Rund 2,4 Milliarden Euro fielen 2025 für den Kurswechsel an. Die haben den Gewinn größtenteils aufgezehrt.
Misserfolg in China und US-Zölle bremsen Porsche
In China hat Porsche im Jahr 2025 rund 26 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahr - insgesamt knapp 42.000. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen damit, dort noch weniger Autos zu verkaufen: etwa 30.000 bis 40.000. Anfang des Jahrzehnts lag die Marke noch bei 100.000 abgesetzten Wagen in China.
Gerade der vollelektrische Taycan, eigentlich das elektrische Aushängeschild der Marke, scheint ein Misserfolg zu sein. Das Modell hat sich laut Handelsblatt in China vergangenes Jahr nur etwa 1.000 Mal verkauft. "In China sind die Fahrzeuge, im Vergleich zu dem, was die chinesischen Konkurrenten bieten, zu teuer", sagt Dudenhöffer. Das Modell des Technologie- und Smartphone-Konzerns Xiaomi ähnele dem Porschemodell Taycan, koste aber rund 30.000 Euro weniger.
Die US-Zölle belasten Porsche stärker als andere Hersteller - das Unternehmen hat keine eigene Produktion in den USA, deshalb wird auf alle Fahrzeuge, die Porsche in die USA exportiert, Zoll fällig.
Experten halten Elektrostrategie für falsch
Der ursprüngliche Plan bis 2030 im Prinzip vollelektrisch werden zu wollen, "passt nicht so richtig in die Nachfragelandschaft und schon gar nicht zur Porsche-Kundschaft", so Pieper. Die Entscheidung, die neue Generation des volumenstärksten Einstiegsmodells, den Macan, in Europa nur als Elektro-Variante auf den Markt zu bringen, habe sich etwa als problematisch erwiesen, meint Dudenhöffer.
Leiters kündigte an, das Produktportfolio auf den Prüfstand zu stellen: Viele Modelle mit den drei Antrieben Verbrenner, Plug-in-Hybrid und Batterie zu bauen, ist für Porsche zu teuer. Weil sich die Marktbedingungen verändert haben, passe Porsche den Hochlauf und das Portfolio vollelektrischer Fahrzeuge an und weite gleichzeitig die Laufzeiten des Verbrenner- und Hybridangebots aus.
Sind Produktionen in USA und China die Lösung?
Laut Dudenhöffer braucht Porsche eine Strategie für China, "bis heute gibt es kein Konzept, wie man dort wieder stärker werden kann". Der Mutterkonzern VW habe einen Weg für sich gefunden: verstärkt in China für China zu produzieren. Das spare Kosten und man sei näher an den chinesischen Kundinnen und Kunden. Auch das Thema "Produktion in den USA" muss Leiters laut Dudenhöffer angehen. Leiters sagte nun, aktuell gebe es keinen Plan für eine lokale Produktion in den USA.
Neuer Porsche-Chef bringt Knowhow mit
Insgesamt klingt das alles nicht nach einem leichten Job, den Michael Leiters angetreten hat. Aber möglicherweise ist der 54-Jährige genau der Richtige, um Porsche wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Der studierte Maschinenbauer kommt vom britischen Sportwagenhersteller McLaren, war dort seit 2022 Chef.
Auch bei Porsche hat er lange gearbeitet, mehr als 10 Jahre. Unter anderem war er 2003 bis 2006 Assistent des damaligen Porsche Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking. Und der hat es bekanntlich geschafft, den Sanierungsfall Porsche damals wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Er hatte Sparmaßnahmen eingeleitet, die Produktion umgebaut, neue Modelle auf den Markt gebracht und Porsche zu einem der profitabelsten Autobauer der Welt gemacht.
Ein bisschen "Wiedeking-Flair", meint Pieper, könne Porsche auch jetzt gut tun. Dieser habe den Mitarbeitern zwar einiges abverlangt, trotzdem aber sei es ihm gelungen, eine "Aufbruchstimmung" im Konzern zu erzeugen und die Leute mitzunehmen. Ob dieser Spagat auch Michael Leiters gelingt, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Viel Zeit, den Konzern zu sanieren, bleibe ihm nicht, sagt Pieper. Ende des Jahres müsse es zumindest Anzeichen dafür geben, dass sich die Lage bei dem Hersteller verbessert.