Nach Ausbruch mit Toten in England

Meningitis: Größerer Krankheits-Ausbruch in BW unwahrscheinlich

In England sind bei einem Meningitis-Ausbruch zwei junge Menschen gestorben. Die Krankheit tritt auch in BW auf, allerdings selten. Alles Wichtige in unserem FAQ.

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Von Autor/in Martin Heer

Meningitis ist eine schwere Krankheit, die tödlich enden kann. Wird sie rechtzeitig erkannt, ist sie jedoch gut behandelbar. Die Fallzahlen sind in Deutschland gering. Größere Ausbrüche wie zuletzt in der südenglischen Grafschaft Kent gab es in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren nicht.

Was sind Meningokokken und Meningitis?

Meningitis bezeichnet die Entzündung der Hirnhäute, also der Meningen. Auslöser können Viren sein oder Bakterien wie die Meningokokken. Die Krankheit wird von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion übertragen, also etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen. Eine aerogene Übertragung wie bei Corona gibt es bei Meningitis nicht.

Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und Unwohlsein, erklärt Roland Elling, Infektiologe an der Uniklinik Freiburg. Anfangs können die Symptome einer harmlosen Erkältungskrankheit "teuflisch ähneln", erklärt er. Innerhalb weniger Stunden komme es aber in der Regel zu einem schweren Krankheitsbild, sodass die Meningokokkenerkrankung recht schnell und eindeutig zu identifizieren sei.

Gefährdet sind besonders Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Was ist über den Meningitis-Ausbruch in England bekannt?

Bei einem Meningitis-Ausbruch in Südengland Mitte März sind bislang zwei junge Menschen gestorben. Die Gesundheitsbehörde UKHSA spricht derzeit von 20 bestätigten Fällen einer Meningokokken-Erkrankung und drei Verdachtsfällen (Stand: 24.3.). Die Infektionsfälle sind offenbar auf eine Diskothek in Canterbury zurückzuführen. Vor allem Studierende der Universität Kent können Antibiotika und Impfungen erhalten.

Wen Infektionsausbruch und Impfungen an Corona erinnern, kann Infektiologe Roland Elling beruhigen: "Es ist wichtig zu betonen, dass das ein ganz anderer Erreger ist als SARS-CoV-2, den wir alle noch ein bisschen in den Knochen haben." Dass sich die Infektionen aus England besonders weit ausbreiten, geschweige denn bis nach Deutschland, sei "in keiner Weise zu befürchten".

Wie häufig sind Meningitis-Fälle in BW?

Meningitis ist eine meldepflichtige Krankheit. In Baden-Württemberg werden laut Landesgesundheitsministerium etwa 40 bis 50 invasive Meningokokken-Erkrankungen pro Jahr gemeldet. 2025 etwa waren es 44 Erkrankungen. Im laufenden Jahr 2026 sind es bislang 15. Laut Ministerium handelt es sich um Einzelfälle. Ausbrüche wie zuletzt in England gab es in den vergangenen Jahren nicht. Generell sei es in Baden-Württemberg bislang "extrem selten" zu mehreren zeitgleichen Meningitis-Fällen gekommen.

Wie kann Meningitis behandelt werden?

Meningitis, die von Bakterien wie Meningokokken ausgelöst wird, kann mit Antibiotika gut und schnell behandelt werden. Häufig könne man schon nach fünf Tagen mit der Behandlung aufhören, erklärt Infektiologe Roland Elling. Eine durch Meningokokken ausgelöste Meningitis sei zwar eine schwere Erkrankung, die in einigen Fällen tödlich verlaufe. Wenn man sie erkenne und rechtzeitig reagiere, sei sie jedoch gut behandelbar.

Für wen wird eine Meningokokken-Impfung empfohlen?

Bei Meningokokken gibt es verschiedene Untergruppen, die sogenannten Serogruppen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken B für alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten. Seit Oktober 2025 wird außerdem die Vierfachimpfung gegen die Gruppen A, C, W und Y für alle Kinder und Jugendlichen von 12 bis 14 Jahren empfohlen. Auch für Menschen mit schwachem Immunsystem kann eine Impfung sinnvoll sein. Beste Ansprechstelle ist der Hausarzt.

Bis vor kurzem wurden auch Kinder bis zum zweiten Lebensjahr gegen Meningokokken C geimpft. Diese Empfehlung ist inzwischen weggefallen, weil die Infektion durch diese Untergruppe deutlich zurückgegangen ist. Die Impfquote gegen Meningokokken C wurde bei der Einschulung erhoben und lag laut Landesgesundheitsamt 2023 bei 88,4 Prozent.

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Autor/in
Martin Heer
SWR Aktuell-Redakteur Martin Heer

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