Grippesaison schwächer als im Vorjahr

Grippewelle in BW: Ist das Schlimmste jetzt geschafft?

Die Grippewelle in Baden-Württemberg hält weiter an - der Höhepunkt der Saison ist aber überschritten. Wie kann man sich trotzdem weiterhin schützen? Und hilft die Impfung noch?

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Stand

Von Autor/in Joana Kerschbaum

Krankmeldungen, volle Hausarztpraxen und Apotheken - in den vergangenen Wochen hatte die Grippewelle Baden-Württemberg fest im Griff. Die gute Nachricht: Der Höhepunkt ist bereits überschritten, sagt Christiane Wagner-Wiening vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Grippewelle in BW: Der Höhepunkt ist überschritten

"Den Höhepunkt der Grippewelle hatten wir bereits in der zweiten Kalenderwoche", so Wagner-Wiening. Damals waren es in Baden-Württemberg circa 3.075 gemeldete Fälle. Seit Beginn des Jahres habe es insgesamt rund 20.000 registrierte Influenza-Fälle gegeben. In den vergangenen beiden Wochen sei die Zahl der Grippefälle dann aber deutlich gesunken. Das ist deutschlandweit auch im Infektionsradar des Bundesgesundheitsministeriums zu sehen. Dieser zeigt sowohl für Corona- als auch für Influenza-Viren einen sinkenden Wert im Abwasser an.

Diese Entwicklung nimmt auch Lutz Weber, Hausarzt aus Laupheim (Kreis Biberach), in seiner Praxis wahr. "Wir merken, dass die Termine für Erkältung und grippeähnliche Symptome runtergehen. Die Wartezimmer sind nicht mehr entsprechend voll wie noch vor ein, zwei Wochen."

Mehr Grippeinfektionen nach den Winterferien in BW

Nach den Winterferien hat es laut Wagner-Wiening noch mal einen kleinen Anstieg der Grippeinfektionen gegeben. Zum einen sei das darauf zurückzuführen, dass viele Arztpraxen in den Ferien geschlossen haben und entsprechend weniger Influenza-Fälle registriert werden. Nach den Ferien, wenn wieder mehr Praxen geöffnet haben, sehe man das im Vergleich auch in den Fallzahlen. Ein weiterer Grund für den Anstieg an Infektionen könnten auch Faschings-, Fasnets- und Karnevalsveranstaltungen sein. Wo viele Menschen zusammenkommen, sei eben auch eine Ansteckungsgefahr größer.

Wagner-Wiening weist aber darauf hin, dass es bei den erfassten Zahlen nur um die diagnostizierten Influenza-Erkrankungen gehe - also von Patientinnen und Patienten, die beim Arzt oder im Krankenhaus eine entsprechende Diagnose bekommen haben. Die tatsächliche Fallzahl dürfte also deutlich höher sein.

Grippesaison schwächer als in den Vorjahren

Die Grippesaison 2025/2026 habe schon etwas früher begonnen als in den Vorjahren. "Normalerweise merkt man nach Weihnachten, dass es anzieht, das war vergangenes Jahr etwas früher", erzählt Weber. Der Allgemeinmediziner sagt, das könnte mit dem schon früh sehr schlechten Wetter im Herbst zu tun haben. Wenn man mehr drin ist und beispielsweise wegen der Temperaturen wenig lüftet, finde weniger Luftaustausch statt und das führe wiederum zu einem höheren Keimaustausch, der Infektionen begünstige.

Die aktuelle Grippesaison ist laut Wagner-Wiening schwächer als die Grippewellen der beiden vergangenen Jahre. Die Gründe dafür, wie schwer eine Grippewelle ausfällt, können der Fachvirologin zufolge vielfältig sein: Die Diagnostik und die Immunität in der Bevölkerung spielen etwa eine Rolle. Auch die Grippe-Impfung kann Auswirkungen haben. Diese wurde von den Patientinnen und Patienten in Webers Praixs in dieser Saison besser angenommen als die Jahre zuvor.

Grippe-Impfung: Zwei Wochen, bis der Immunschutz aufgebaut ist

Ob sich jetzt noch eine Grippe-Impfung lohnt? Für diese sei es "zumindest für diese Saison fast zu spät", sagt der Hausarzt aus Laupheim. Auch Fachvirologin Wagner-Wiening gibt zu bedenken, dass es bei einer Impfung zwei Wochen dauere, bis der Immunschutz aufgebaut ist. Wichtig sei es aber schon für die nächste Grippesaison, die Impfung im Blick zu haben - ab Oktober oder November könne man sich impfen lassen, so Weber.

Schutz vor der Grippe: Was kann ich tun?

Um sich vor einer Grippeinfektion zu schützen, empfiehlt Weber das Einhalten der bekannten Hygieneregeln, wie regelmäßiges Händewaschen. Wer sich große Sorgen mache zu erkranken, könne sich auch mit einem Mund-Nasen-Schutz schützen, oder größere Menschenmengen meiden. Sonst empfiehlt er: Stoßlüften und rausgehen und die Sonne genießen. Denn das rege die Vitamin D-Produktion an, welches wichtig fürs Immunsystem sei.

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Joana Kerschbaum
Bild von SWR-Redakteurin Joana Kerschbaum

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