Jeden Tag steigen Tausende Menschen bei ihnen ein und lassen sich sicher an ihr Ziel bringen. Die Fahrerinnen und Fahrer der Busse und Straßenbahnen im öffentlichen Nahverkehr in Freiburg haben viel zu tun. Aber wie gelingt es, so ein Netz am Laufen zu halten? Dass Busse und Bahnen pünktlich fahren und dass sie wie geplant ankommen? Probleme müssen da schnell gelöst werden, denn die Fahrgäste verlassen sich darauf.
Das Straßenbahn-Paar aus Freiburg
Melanie und Edgar Schultz sind ein Paar. Beide arbeiten für die Freiburger Verkehrsbetriebe VAG. "Dort haben wir uns auch kennen und lieben gelernt", erzählt Edgar Schultz schmunzelnd.
Tatsächlich hat die VAG uns verkuppelt. Bei der Buseinweisung, da hat es geschnackelt.
Sie fährt Bus und Straßenbahn. Er nur noch selten. Dafür überwacht er als Verkehrsmeister das Liniennetz und springt ein, wenn es irgendwo hakt.
Der erste Teil der Serie "Abenteuer Straßenbahn" aus der SWR-Sendung Landesschau Baden-Württemberg:
Melanie Schultzs Alltag als Bus- und Straßenbahnfahrerin
Das Ehepaar Schultz wohnt in Freiburgs historischen Straßenbahnhäusern. Melanie Schultz ist an diesem Tag früher dran als ihr Mann. Es ist halb sechs. Trotzdem: Für sie ist das kein richtiger Frühdienst. Der beginnt für die erste Bahn um vier Uhr. Heute ist es gemütlich, sagt sie und radelt los Richtung Betriebshof. Denn: Melanie und Edgar Schultz haben kein Auto.
Du fährst schön entspannt zur VAG. Es ist alles ruhig, wenn die Leute noch schlafen und du wachst mit Freiburg auf.
Als erstes fährt Melanie Schultz an diesem Tag einen Bus - die Linie 37, die von Freiburgs dörflichem Stadtteil Munzingen zum Hauptbahnhof führt. Die Freiburger Verkehrs AG bedient 23 Bus- und Straßenbahnlinien mit 520 Fahrerinnen und Fahrer. 240 von ihnen müssen jeden Tag im Einsatz sein, damit das Netz läuft.
Doch bevor Melanie Schultz losfahren kann, kommt immer die Sicherheitsroutine. Vor jedem Fahrbeginn checkt sie ihren Bus, ob alles funktioniert: Licht, Hupe, Bremsen, die Sicherheitsautomatik der Türen. Die Linie 37 ist eine neue Schnellverbindung für Schüler und Pendler. Der Bus fährt noch im Probebetrieb. Nur, wenn die Linie gut angenommen wird, wird sie fester Bestandteil des Netzes. Auf der Linie 37 fährt ein Gelenkbus, 18 Meter lang, 30 Tonnen schwer. Dass Melanie Schultz den mühelos durch den Berufsverkehr lenkt, darauf ist sie stolz.
Das macht auch ein bisschen stolz, weil die anderen denken: Ohje! Und man selbst fährt so einen Bus.
Fast alle Fahrerinnen und Fahrer lenken Bus und Bahn
Melanie Schultz kann beides: Bus und Bahn fahren. So, wie die meisten Fahrerinnen und Fahrer in Freiburg. Früher musste der Busführerschein extern gemacht werden. Das war teuer. Die VAG hatte Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Inzwischen hat der Freiburger Verkehrsbetrieb seine eigene Busfahrschule. Seitdem konnten alle offenen Fahrer-Stellen besetzen werden, wo andere Verkehrsbetriebe im Land größere Schwierigkeiten haben.
Der zweite Teil der Landesschau-Serie "Abenteuer Straßenbahn":
Edgar Schultz ist Verkehrsmeister
Edgar Schultz, Melanies Mann, weiß, wenn seine Frau Verspätung hat. Er ist Verkehrsmeister in der Leitstelle der Verkehrsbetriebe in Freiburg. Die Leitstelle ist ein großer Saal in der Zentrale. Draußen vor den Fenstern fahren die Bahnen vorbei. Drinnen sind unzählige Monitore mit denen der Verkehrsmeister das Netz überwacht - rund um die Uhr. Kameras gibt es an den meisten Haltestellen und ihm Stadttunnel.
Auf weiteren Monitoren sieht er schematisch die Linien und wo jeder einzelne Bus und jede Bahn gerade unterwegs ist. Daneben leuchtet es grün, gelb, hellrot und dunklrot. Grün heißt pünktlich, dunkelrot deutlich verspätet. Melanie Schultzs Gelenkbus ist an diesem Tag dunkelrot. Morgens zwischen sieben und neun Uhr ist das Alltag, sagt Edgar Schultz.
Wenn die Schüler befördert werden, ist es völlig normal, dass die Bahnen teilweise stark in die Verspätung rutschen. Das geht gar nicht anders.
Vorausschauend fahren verhindert Unfälle
Melanie Schultz ist inzwischen in eine Straßenbahn umgestiegen und steuert gerade die Linie 1 durch die Innenstadt. Die 1 ist die meistbefahrene Linie quer durch die Stadt von Ost nach West und wieder zurück. Durchs Stadtzentrum wird es für sie immer besonders stressig. Sie muss jeden Moment damit rechnen, dass ihr Fußgänger oder Radfahrer vor die Bahn laufen. Das ist Alltag. "Ich hatte schon einmal einen Unfall mit Personenschaden", erzählt sie. Damals sei ihr eine Frau in die Bahn gelaufen.
Die Frau hat den Unfall überlebt, es war nichts Schlimmes. Aber das möchte man kein zweites Mal erleben.
Streckenkontrolle und Krisenhelfer
Edgar Schultz geht jetzt auf Streckenkontrolle. Er steigt in einen roten Lieferwagen - der ist eine rollende Werkstatt. Das Netz muss auf jeden Fall laufen. Erster Einsatz: Ein Druckerproblem. Am Hauptbahnhof ist gerade ein Bus angekommen, dessen Drucker an diesem Morgen keine Fahrscheine ausspucken will. Die Fahrgäste sind bisher umsonst mitgefahren. Edgar Schultz startet den Drucker zweimal neu, dann geht er wieder.
Über Funk kommt der nächste Einsatz. Ein Bus hatte einen Unfall, das hat natürlich höchste Priorität. Edgar Schultz fährt so schnell wie möglich hin. An der Station Paduaallee hat ein Busfahrer ein Auto gestreift. Die Fahrerin des Wagens hatte verbotenerweise in der Wendeschleife des Busses geparkt. Edgar Schultz schaut sich den Schaden an. Nur ein paar Kratzer an beiden Fahrzeugen. Die Versicherungen werden sich darum kümmern. Busfahrer Rahims ist erleichtert.
Hauptsache, wir haben keine Verletzten. Wir passen immer auf, aber das passiert trotzdem manchmal.
Der dritte Teil der Landesschau-Serie "Abenteuer Straßenbahn":
Wenn der SC Freiburg ein Heimspiel hat
Am Samstagnachmittag hat Melanie Schultz Fußball-Schicht. Der SC Freiburg hat Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Da müssen alle Straßenbahnen unterwegs sein, denn 35.000 Fans wollen ins Stadion. Die Bahnen fahren im Minutentakt. Melanie Schultz mag solche Fußballtage - auch noch nach 13 Jahren in ihrem Job, findet sie das aufregend.
Ich find es schön, es ist was zu tun. Man hat eine Aufgabe.
Melanie Schultz pendelt jetzt zwischen verschiedenen Endhaltestellen und dem Stadion hin und her und sammelt Fans ein. Fußball interessiert sie nicht besonders, aber dass der SC gewinnen soll, das steht für sie fest. Doch der verliert 1:4. Die Freiburger Fans schleppen sich niedergeschlagen in die Straßenbahnen. Randale gäbe es schon manchmal in der Straßenbahn, erzählt sie, doch ihr ist das noch nie passiert. Die Freiburger Fans seien friedlich.
Die Freiburger Fans sind harmlos, würde ich sagen. Die Erfahrung habe ich gemacht.
Der vierte Teil der Landesschau-Serie "Abenteuer Straßenbahn":
Nachtschicht als Straßenbahnfahrerin in Freiburg
Ein Wochenende später hat Melanie Schultz Nachtschicht. Am Nachmittag legt sie sich noch einmal hin und schläft ein paar Stunden. Etappenschlaf, auch das muss man können als Straßenbahnfahrerin.
In Freiburg fahren die Straßenbahnen der meisten Linien freitags und samstags im Halbstundentakt die ganze Nacht durch. Melanie Schultz hat in dieser Nacht die Linie zwischen Haid und Zähringen. Bis Mitternacht bringt sie die Nachtschwärmer in die Stadt. Danach wird es ruhiger und die ersten fahren nach Hause.
Du darfst in dem Job keine Angst haben. Respekt, aber Angst, nein.
Melanie Schultz fährt nicht oft nachts. Aber wenn, erzählt sie, dann genieße sie es. Die Lichter, die Menschen in Feierlaune und viel weniger Autos auf den Straßen. An den Endhaltestellen hat sie regelmäßig 20 Minuten Pause. So eine Wendeschleife weit draußen vor der Stadt ist nachts um zwei Uhr kein besonders einladender Ort. Doch ihr mache das nichts aus. Ihr sei noch nie etwas passiert, erzählt sie. Natürlich schaut sie immer, wer an den Haltstellen wartet. Aber sie sitze ja in ihrer Kabine. Wenn es Ärger gäbe, könne sie immer die Leitstelle anfunken. Die schicken dann die Polizei und die komme sofort. Ihre Schicht dauert heute bis 4:30 Uhr. Dann übergibt sie ihre Bahn an den Frühdienst.