Es war der bisher größte Protest gegen den Hochwasserrückhalteraum, den sogenannten Polder. Rund 2.000 Menschen haben am Sonntag zwischen Wyhl und Weisweil (Kreis Emmendingen) gegen den geplanten Hochwasserrückhalteraum demonstriert. Die Sorge: Sollte der Rheinwald in Zukunft immer wieder künstlich geflutet werden, werde ein einzigartiges Naturparadies vernichtet. Die Bürgerinitiative hat inzwischen Klage gegen das Projekt eingereicht. Das Regierungspräsidium in Freiburg weist jegliche Kritik von sich.
Streit um Hochwasserschutz am Oberrhein "Polder so nitt": Anwohner klagen gegen künstliche Flutungen bei Wyhl und Weisweil
Ein Polder zwischen Wyhl und Weisweil soll in Zukunft vor Hochwasser schützen. Doch das Projekt sorgt für Streit. Eine Bürgerinitiative hat dagegen geklagt.
Bürgeriniative fürchtet Zerstörung der Landschaft
Das Regierungspräsidium Freiburg plant den Polder als Teil des Integrierten Rheinprogramms, das den Hochwasserschutz entlang des Rheins verbessern soll. Bei drohendem Hochwasser könnte ein Teil des Flusswassers in den Polder umgeleitet werden, um insbesondere Gebiete rheinabwärts zu schützen. Um die Tier- und Pflanzenwelt auf die Flutungen vorzubereiten, sind "ökologische Flutungen" vorgesehen: 57 Tage im Jahr teilweise und 19 Tage vollständig. Ziel ist es, die Natur dadurch an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.
Doch genau diese Flutungen stoßen auf heftigen Widerstand. Die Bürgerinitiative argumentiert, dass sie die empfindliche Naturlandschaft zerstören könnte. Seltene Pflanzen und Tiere seien bedroht, Schadstoffe könnten eingespült werden und stehendes Wasser könnte eine Stechmückenplage begünstigen. Man sei für Hochwasserschutz, aber nicht zulasten des bestehenden Ökosystems im Rheinwald.
Buntes Publikum, friedlicher Protest
Die Bürgerinitiative (BI) "Polder so nitt" hatte daher für Sonntagnachmittag zu den Protesten aufgerufen. Seit das Landratsamt den Bau im September genehmigt hat, erfährt die BI großen Zulauf. Das Publikum war bunt gemischt. Einige der Plakate erinnerten an die großen Proteste vor etwa 50 Jahren, als Studierende, Winzer und Bauern den Bau eines Atomkraftwerks verhinderten. Andere dichteten bekannte Werbekampagnen der Landesregierung um - etwa von "The Länd" in "The ELänd".
Die am unteren Rhein in NRW, die Kölner, die mit Hochwasser kämpfen, die muss man auch verstehen. Aber genau das gleiche zählt auch für diese kleine Gemeinde.
Der Polder-Bau sei "unnötig", sagte einer der Demonstranten, es gebe "andere Lösungen". Eine andere Demonstrantin sagte, ihr treibe es bei der Vorstellung, dass der Wald geflutet werden könnte, "die Tränen in die Augen". Sie sei fassungslos, dass ihnen nicht zugehört werde.
Bauarbeiten sollen im Januar beginnen
Das Landratsamt Freiburg hatte Ende September den Bau und Betrieb des Hochwasserrückhalteraums Wyhl/Weisweil genehmigt. Im Januar 2026 sind die ersten Arbeiten angesetzt. Laut Landratsamt sollen insgesamt drei Einlassbauwerke zur Beflutung des Polders um- beziehungsweise neu gebaut, die bestehenden Wasserrinnen, die sogenannten Schluten reaktiviert, Dämme ertüchtigt und Grundwasserhaltungsbrunnen gebaut werden.
Zurzeit laufen beim Verwaltungsgericht (VGH) Mannheim mehrere Klagen gegen den Bau des Polders. Diese haben laut VGH aber keine aufschiebende Wirkung.