Nach Aufruf der Bürgerintiative "Polder so nitt"

Tausende Menschen demonstrieren gegen künstliche Flutungen bei Wyhl und Weisweil

Der Konflikt um den sogenannten Polder zwischen Wyhl und Weisweil spitzt sich zu. Bei einer Kundgebung demonstrierten 2.000 Menschen gegen Pläne des Freiburger Regierungspräsidiums.

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Stand

Es war der bisher größte Protest gegen den Hochwasserrückhalteraum, den sogenannten Polder. Rund 2.000 Menschen haben am Sonntag zwischen Wyhl und Weisweil (Kreis Emmendingen) gegen den geplanten Hochwasserrückhalteraum demonstriert. Die Sorge: Sollte der Rheinwald in Zukunft immer wieder künstlich geflutet werden, werde ein einzigartiges Naturparadies vernichtet. Die Bürgerinitiative hat inzwischen Klage gegen das Projekt eingereicht. Das Regierungspräsidium in Freiburg weist jegliche Kritik von sich.

Landkreis Emmendingen

Streit um Hochwasserschutz am Oberrhein "Polder so nitt": Anwohner klagen gegen künstliche Flutungen bei Wyhl und Weisweil

Ein Polder zwischen Wyhl und Weisweil soll in Zukunft vor Hochwasser schützen. Doch das Projekt sorgt für Streit. Eine Bürgerinitiative hat dagegen geklagt.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Bürgeriniative fürchtet Zerstörung der Landschaft

Das Regierungspräsidium Freiburg plant den Polder als Teil des Integrierten Rheinprogramms, das den Hochwasserschutz entlang des Rheins verbessern soll. Bei drohendem Hochwasser könnte ein Teil des Flusswassers in den Polder umgeleitet werden, um insbesondere Gebiete rheinabwärts zu schützen. Um die Tier- und Pflanzenwelt auf die Flutungen vorzubereiten, sind "ökologische Flutungen" vorgesehen: 57 Tage im Jahr teilweise und 19 Tage vollständig. Ziel ist es, die Natur dadurch an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.

Doch genau diese Flutungen stoßen auf heftigen Widerstand. Die Bürgerinitiative argumentiert, dass sie die empfindliche Naturlandschaft zerstören könnte. Seltene Pflanzen und Tiere seien bedroht, Schadstoffe könnten eingespült werden und stehendes Wasser könnte eine Stechmückenplage begünstigen. Man sei für Hochwasserschutz, aber nicht zulasten des bestehenden Ökosystems im Rheinwald.

Buntes Publikum, friedlicher Protest

Die Bürgerinitiative (BI) "Polder so nitt" hatte daher für Sonntagnachmittag zu den Protesten aufgerufen. Seit das Landratsamt den Bau im September genehmigt hat, erfährt die BI großen Zulauf. Das Publikum war bunt gemischt. Einige der Plakate erinnerten an die großen Proteste vor etwa 50 Jahren, als Studierende, Winzer und Bauern den Bau eines Atomkraftwerks verhinderten. Andere dichteten bekannte Werbekampagnen der Landesregierung um - etwa von "The Länd" in "The ELänd".

Die am unteren Rhein in NRW, die Kölner, die mit Hochwasser kämpfen, die muss man auch verstehen. Aber genau das gleiche zählt auch für diese kleine Gemeinde.

Der Polder-Bau sei "unnötig", sagte einer der Demonstranten, es gebe "andere Lösungen". Eine andere Demonstrantin sagte, ihr treibe es bei der Vorstellung, dass der Wald geflutet werden könnte, "die Tränen in die Augen". Sie sei fassungslos, dass ihnen nicht zugehört werde.

Am Rhein bei Wyhl demonstrieren etwa 2.000 Menschen gegen die Zerstörung des Rheinwaldes.
Dieses Waldgebiet am Rhein bei Wyhl/Weisweil soll zukünftig als Hochwasserrückhalteraum dienen. Um die Natur darauf vorzubereiten, soll er mehrmals im Jahr geflutet werden. Bild in Detailansicht öffnen
Etwa 2000 Menschen demonstrieren gegen geplanten Polder bei Whyl und Weisweil
"Nett hier, bis jetzt", und "The ELänd". Auf einigen Plakaten werden Werbesprüche des Landes an den Protest angepasst. Bild in Detailansicht öffnen
Etwa 2000 Menschen demonstrieren gegen geplanten Polder bei Whyl und Weisweil
Dieses Plakat zeigt, wie sich die Demonstranten den Auwald am Rhein nicht vorstellen. Bild in Detailansicht öffnen
Etwa 2000 Menschen demonstrieren gegen geplanten Polder bei Whyl und Weisweil
Viele Menschen aus den umliegenden Dörfern sind zu der Kundgebung gekommen. Sie fordern alternative Lösungen für den Hochwasserschutz. Bild in Detailansicht öffnen

Bauarbeiten sollen im Januar beginnen

Das Landratsamt Freiburg hatte Ende September den Bau und Betrieb des Hochwasserrückhalteraums Wyhl/Weisweil genehmigt. Im Januar 2026 sind die ersten Arbeiten angesetzt. Laut Landratsamt sollen insgesamt drei Einlassbauwerke zur Beflutung des Polders um- beziehungsweise neu gebaut, die bestehenden Wasserrinnen, die sogenannten Schluten reaktiviert, Dämme ertüchtigt und Grundwasserhaltungsbrunnen gebaut werden.

Zurzeit laufen beim Verwaltungsgericht (VGH) Mannheim mehrere Klagen gegen den Bau des Polders. Diese haben laut VGH aber keine aufschiebende Wirkung.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns
Damian Correa Koufen
Damian Correa Koufen

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