"Böhmann muss bleiben" - dieser Spruch prangte auf eigens gestalteten Buttons, die einige Mitglieder der Freiburger Münsterchöre an ihren Jacken trugen. Doch der Leiter der Freiburger Domsingschule durfte nicht bleiben. Das Erzbistum sprach die Kündigung aus, und wenig später folgte die Freistellung. Das wollten die Sängerinnen und Sänger offenbar nicht hinnehmen. Sie haben nun eine eigene Chorakademie gegründet - mit Böhmann an der Spitze.
Viele Domsingknaben in der neuen Chorakademie
Sie wenden sich ab vom Münster und dem Freiburger Erzbistum. Mindestens 130 Sängerinnen und Sänger hätten sich bereits in der der neuen Chorakademie angemeldet, darunter ein Großteil der berühmten Freiburger Domsingknaben. In einer Presseerklärung heißt es: "Sängerinnen und Sänger jeden Lebensalters und Ausbildung finden in der auf einem ganzheitlichen Konzept beruhenden Freiburger Chorakademie eine Heimat, in der die abendländische Chormusik auf hohem Niveau gepflegt und weitergegeben wird - getragen von der Freude am gemeinsamen Singen und einem respektvollen Miteinander."
Es ist ein Neuanfang außerhalb der Kirche, nach monatelangem Streit mit dem erzbischöflichen Ordinariat. Und ein Neuanfang mit Boris Böhmann. Er wird künstlerischer Leiter der neuen Chorgemeinschaft. Zunächst vorübergehend und ehrenamtlich - bis die juristische Auseinandersetzung mit der Kirche rechtskräftig geklärt ist. In einer ersten Stellungnahme bedankte sich der ehemalige Domkapellmeister für das große Vertrauen. Böhmann wörtlich, es sei eine Freude eine lebendige Gemeinschaft zu formen und sie auf ihrem musikalischen Weg zu begleiten.
Fall Böhmann löst viel Protest aus
Gegen die Kündigung und Freistellung von Böhmann gab es aus den Reihen der Chöre großen Widerstand. Die Böhmann-Unterstützer organisierten mehrere Protestaktionen und Demonstrationen. Im Internet läuft eine Petition, die die Rücknahme der Kündigung fordert.
Die Domsingknaben hatten mitgeteilt, vorerst nicht weiter im Münster singen zu wollen. Die Elternvertreterinnen der Domsingknaben und der Vorstand des Domchors waren aus Protest gegen die Kirchenleitung zurückgetreten.
In einem Gottesdienst an Heiligabend im Freiburger Münster hatten Menschen für den Verbleib Böhmanns protestiert. Es hatte langanhaltenden Applaus für einen Auftritt Böhmanns und der Domsingknaben im Freiburger Münster gegeben. Erzbischof Stephan Burger ließ die Messfeier unterbrechen und eine Liveübertragung im Internet über den katholischen Sender k-tv wurde abgebrochen. Böhmann war daraufhin mit sofortiger Wirkung freigestellt worden.