Schärfere Kontrollen für Milchprodukte

Französische Behörde warnt: FSME durch Rohmilch übertragbar

Die Krankheit FSME kann nicht nur durch Zeckenbisse, sondern auch durch Rohmilch übertragen werden. Davor warnt eine französische Behörde. Auch in Südbaden ist die Gefahr bekannt.

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Von Autor/in Silas Schwab, Henning Winter

Die FSME-Infektionen durch Zeckenbisse sind in Südbaden in diesem Jahr deutlich angestiegen. Nun haben französische Behörden ein weiteres Übertragungsrisiko nachgewiesen: Rohmilchprodukte können Erreger der Frühjahres-Meningitis (FSME) enthalten und an Menschen übertragen. Durch die Erreger kann eine Hirnhautentzündung ausgelöst werden. In der Nachbarschaft Südbadens warnt die französische Lebensmittelüberwachungsbehörde ANSES vor dem Konsum von Rohmilchprodukten.

Ein FSME-Infektionsherd von 43 Personen in Frankreich wurde bei einer neuen Analyse auf den Konsum von Ziegen-Rohmilchkäse zurückgeführt, berichtet der französische Fernsehsender France 3. Bisher waren FSME-Fälle in Frankreich vor allem durch Zeckenbisse in den Regionen Elsass, Lothringen oder Haute-Savoie aufgetreten.

Schwarzwald-Baar-Kreis

Gesundheitsamt warnt vor starkem Anstieg FSME durch Zeckenbiss: Deutlich mehr Infektionen in Südbaden

Im Schwarzwald-Baar-Kreis mussten in den letzten drei Monaten elf Personen wegen einer FSME-Infektion durch einen Zeckenbiss behandelt werden. Wo die Infektionszahlen noch hoch sind.

In Frankreich tritt die Krankheit FSME mit rund 30 Fällen pro Jahr eher selten auf (in Deutschland waren es 2024: 686 Fälle). 2020 infizierten sich aber gleich 43 Personen aus dem Departement l'Ain, südwestlich der Schweiz. Die Gemeinsamkeit der Infizierten: Sie hatten Ziegen-Rohmilchkäse konsumiert. Schritt für Schritt konnten französische Wissenschaftler jetzt nachweisen, dass die Milch kontaminiert war. Die Ziegen waren von Zecken gebissen worden, die die Erreger in sich getragen hatten.

Deutschen Behörden ist FSME-Gefahr durch Rohmilch bekannt

Auf der Schwäbischen Alb soll es zwei Fälle der FSME-Übertragung durch Rohmilch schon 2016 gegeben haben, teilt das Landesgesundheitsministerium auf Nachfrage mit. "Hinweise, dass die Übertragung des FSME-Virus über Rohmilchprodukte ein zunehmendes Problem darstellt, liegen nicht vor", so ein Sprecher des Ministeriums.

Auch südbadische Bauern diskutieren das Thema, doch laut dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) sind in diesem Jahr bislang keine solche Infektions-Fälle bekannt. Dem Präsidenten Bernhard Bolkart zufolge bestehe allerdings insbesondere bei Rohmilch immer ein kleines Restrisiko der Infektion.

Die Erreger könnten in Rohmilch besonders lange überleben, erklärt Ute Mackenstedt, Professorin für Parasitologie an der Universität Hohenheim. In Osteuropa würden FSME-Übertragungen über Rohmilch deshalb häufig vorkommen. "Wird die Milch pasteurisiert, besteht die Gefahr einer Infektion nicht mehr", sagt Mackenstedt.

Warum die FSME- und Borreliosegefahr auch ohne Rohmilchkonsum ansteigen:

BW-Ernährungsministerium rät, Rohmilch abzukochen

Das baden-württembergische Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz verweist auf eine Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Demnach könnten die Keime die lange Reifezeit von Hartkäse nicht überleben. Frischkäse aus Rohmilch berge aber ein Infektionsrisiko. Genauso wie pure Rohmilch. Deshalb müsse bei der Abgabe von "Milch ab Hof" auf den Flaschen immer der Hinweis angebracht werden "Rohmilch vor dem Verzehr abkochen".

Französische Behörde warnt, zieht aber keine Konsequenzen

Die französische Behörde ANSES warnt nun vor dem Konsum nicht pasteurisierter Milch und Milchprodukten. Außerdem fordert sie eine verstärkte Überwachung von Rohmilchprodukten. Besonders gefährdet sollen Ziegenmilchprodukte sein. Konkrete Folgen hat diese Warnung bisher jedoch nicht. Rohmilchprodukte können weiterhin ohne Einschränkungen verkauft werden.

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