Bands ziehen aus feuchten Kellern um

Freiburg eröffnet neue Proberäume am Eschholzpark

Freiburg hat jetzt neue Proberäume am Eschholzpark. 16 Holzmodule sollen vorerst gegen den akuten Raummangel helfen, der seit Jahren Bands in teure und nasskalte Keller zwingt.

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Von Autor/in David Zastrow

Proberäume werden seit Jahren immer knapper, vor allem in größeren Städten mit Ballungszentren wie Karlsruhe, Mannheim oder Stuttgart. Auch die junge Studentenstadt Freiburg kämpft mit einem akuten Mangel – für viele Nachwuchsmusiker eine Katastrophe.

Bands leiden unter Proberaummangel in Freiburg

Am Donnerstag hat die Stadt Freiburg nun 16 Holzmodule für sieben Proberäume am Eschholzpark eröffnet. Die ersten glücklichen Bands sind bereits eingezogen.

Proberäume Freiburg
Multicore-Vorstand Franck Mitaine hält eine emotionale Rede zur Eröffnung der Proberäume in Freiburg.

Ein Blick zurück. Wenige Tage vor Eröffnung der neue Proberäume: Strahlender Sonnenschein im Breisgau, ein besonderer Tag für die Freiburger Band Soundgauallee. Sie sieht zum ersten Mal, wo sie in Zukunft proben kann. „Wow! Schaut mal, es hat Fenster nach draußen und es riecht gut“, sagt Keyboarderin Tatiana Fichter Nogal.

Die Räume sind rund 35 Quadratmeter groß. Ideal für die siebenköpfige Band. Mit schallgedämmten Wänden und Filzboden. Außerdem: barrierefrei.

Bands zahlen maximal 150 Euro pro Monat

Das ist wichtig auch für Proberaummanager Daniel Wurzer. Er sitzt im Rollstuhl. „Das ist euer neues Zuhause. Ich hoffe ihr fühlt euch wohl. Es gibt Fenster und Klimaanlage – hat man ja nicht in jedem Proberaum“, sagt Wurzer süffisant zur Begrüßung.

Die Band zahlt in Zukunft 150 Euro im Monat und muss den Raum mit maximal zwei anderen Bands teilen. „Falls noch eine vierte Band dazukommt, senken wir die Kosten auf 120 Euro“, so Wurzer. Insgesamt gibt es sieben Doppelmodule in Holzbauweise, die Platz für etwa 24 lokale Bands bieten.

Außerdem gibt es einen Büroraum sowie sanitäre Anlagen. In bester Lage am Eschholzpark. Dort, wo potenziell auch Konzerte stattfinden könnten. "Auch die Parks in Freiburg sollen dadurch belebt werden", meint Kulturbürgermeister Roland Meder.

Bands kommen aus feuchten Kellern

Normalerweise proben Bands auch in Freiburg in engen, dunklen und stickigen Kellern. Auch die Band Soundgauallee litt unter feuchten Wänden im muffigen Tiefgeschoss. „Wir haben dann halt immer gesagt, gut, dann zieht man halt zum Proben Klamotten an, die eh in die Waschmaschine müssen“, sagt Saxophonist Steffen Lüdeke und lacht. „Mit der Heizung finden wir auch ganz cool, weil wir im Winter immer sehr gefroren haben und dann haben wir mit Jacke und Mütze geprobt“, meint Tatiana.

Akuter Proberaummangel in Freiburg seit 12 Jahren

Die aktuelle Situation hat in Freiburg eine lange Vorgeschichte. Vor rund zwölf Jahren wurden am Alten Güterbahnhof etwa 75 Proberäume abgerissen – für neue Wohnungen. Unzählige Bands verloren damals ihr kreatives Zuhause.

Der Verein Multicore fordert seither Ersatz für die derzeit rund 100 Bands in Freiburg. „Immer mehr Bands sind ausgewandert nach Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München. Und der Nachwuchs hat ein Problem, weil er nicht proben kann oder überhaupt mit Bandmusik anfangen kann“, sagt Franck Mitaine, Multicore-Vorstand.

Musikerhaus Freiburg
Bereits im Jahr 2018 machte der Verein Multicore den Vorschlag für ein neues Musikerhaus in Freiburg. Es sollte als Ersatz für die zahlreich weggefallenen Proberäume im Güterbahnareal erbaut werden. Doch das Projekt scheiterte an den Kosten.

Kulturliste-Stadtrat: „Reallabor am Eschholzpark“

Stadtrat Markus Schillberg von der Kulturliste beschreibt das Projekt als Experimentierfeld. Der Eschholzpark sei bewusst gewählt worden – als Ort, an dem junge Kultur stattfinden solle. „Wir haben hier jetzt ein Haus, da werden Konzepte, Projekte, Workshops und Synergien ausprobiert. Es handelt sich um ein Reallabor“, so Schillberg.

Ziel sei es, langfristig eine größere Musikzentrale mit 40 Proberäumen aufwärts, zu realisieren. Einen Entwurf gebe es bereits seit 2018.

Freiburg hat eine lebendige Musikszene – und die braucht Platz.

Signalwirkung für Baden-Württemberg

Kulturbürgermeister Roland Meder spricht von einer Signalwirkung für ganz Baden-Württemberg, aber „ich möchte da gar keinen Vergleich ziehen zu den anderen Städten, weil ich die finanziell schwierige Situation der anderen Städte sehe. Wir versuchen, unsere Kulturszene zu unterstützen, so gut wir das können.“ Die Stadt investiert mindestens 1,4 Millionen Euro in die Anlage am Eschholzpark.

Zwischenlösung mit Perspektive

Freiburg setzt dieses Modell nun erstmals um. Der Standort zwischen Escholzpark und Edith-Stein-Schule ist zunächst für fünf Jahre vorgesehen, "parallel prüfen wir langfristige Perspektiven", heißt es aus dem Rathaus.

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David Zastrow
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