Nach Monaten der Unsicherheit können werdende Eltern im Kreis Rottweil aufatmen: Die Geburtshilfe an der Helios Klinik bleibt erhalten. Wie die Klinik mitteilte, wechseln acht bislang freiberufliche Beleghebammen in ein Angestelltenverhältnis. Vorausgegangen war die geschlossene Kündigung von allen elf Hebammen des Kreißsaals aus Protest gegen den neuen Hebammenhilfevertrag vergangenen November.
Geburtshilfe bleibt, Hebammen-Team steht jedoch vor Umbruch
Die Helios Klinik Rottweil spricht von einer langfristigen Sicherung der Geburtshilfe in der Region. Rund 800 Kinder kommen dort jedes Jahr zur Welt. Mit dem Wechsel in die Festanstellung könne der Kreißsaalbetrieb über den 31. März hinaus aufrechterhalten werden, so die Klinikleitung.
Mit der Festanstellung schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen - für die Teams und für werdende Familien in der Region.
Nur dank der Verantwortung der Hebammen habe die Geburtshilfe in der Region gesichert werden können, so Moritz Lang. Auch die Hebammen seien zu erst einmal froh, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten können, sagte Jessica Wenzler, Sprecherin der Beleghebammen. Die elf sogenannten Beleghebammen sind derzeit noch freiberuflich im Kreißsaal der Klinik tätig. Doch mit dem neuen bundesweiten Hebammenhilfegesetz drohten ihnen Einnahmeverluste von rund 30 Prozent.
Einige Hebammen gehen - Klinik sucht nach Ersatz
Drei Kolleginnen verlassen nun das ehemals elfköpfige Team ganz, andere reduzieren ihre Stunden deutlich. Künftig werden nur noch acht der bisherigen Hebammen im Kreißsaal arbeiten. Personal müsse deshalb aufgestockt werden, so Wenzler. Neue Hebammen würden laut der Klinikleitung bereits gesucht.
Am eigentlichen Ablauf im Kreißsaal solle sich zunächst wenig ändern. "Von der Arbeitsweise her wird es erst einmal ähnlich bleiben", sagt Wenzler. Einschränkungen wird es aber geben: Ambulanzleistungen und Wochenbettbesuche im Krankenhaus könnten künftig nicht mehr angeboten werden.
Warum das Belegsystem an der Helios Klinik in Rottweil nicht fortgeführt werden konnte
Dass das bisherige Modell endet, führt das Hebammen-Team klar auf den neuen Hebammenhilfevertrag zurück. Zuvor hätten die Beleghebammen selbstbestimmt gearbeitet, Zeit für die Frauen gehabt und seien gut aufgestellt gewesen. Der neue Vertrag habe das verändert.
In 22 Jahren gab es nie Zweifel am System.
Augrund der drohenden Einnahmeverluste hätten sich drei Kolleginnen neu orientiert und unter den schlechteren Bedingungen hätte sich kein Nachwuchs gewinnen lassen. Eine Fortführung sei deshalb wirtschaftlich und organisatorisch nicht mehr möglich gewesen.
Ursprünglich habe das Team jedoch auf Nachbesserungen gehofft. "Wir hätten uns ein Zurückrudern des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen gewünscht. Zumindest Verbesserungen, von denen wir leben können", so die Hebamme. Diese seien ausgeblieben.
Was sich für die Betreuung zwischen Hebamme und Mutter ändern könnte
Der Deutsche Hebammenverband (DHV) betont, dass man dem Ziel einer Eins-zu-eins-Betreuung nirgends so nahe komme wie im Belegsystem. Ob sich das nun verändert, sei offen, sagt Jessica Wenzler.
Die bisherigen Zahlen aus Rottweil würden die Einschätzung des DHV stützen. Für die Zukunft will sie sich aber nicht festlegen: Die Klinikleitung habe zugesichert, personell gut aufzustocken. Wenn genügend Personal gefunden werde, könne auch im Angestelltenmodell eine enge Betreuung gelingen. Wie sich die Situation im Gesundheitswesen insgesamt entwickle, bleibe jedoch ungewiss.