Über eine Social Media-Plattform lernt ein Ludwigshafener im Dezember eine sympathische Frau kennen. Sie haben oft Kontakt, tauschten Fotos aus, nehmen Anteil am Leben des anderen. Es scheint bei beiden gefunkt zu haben. Und sie fangen an, Pläne für eine gemeinsame Zukunft zu schmieden. So ähnlich ist es wohl bei dem 62-jährigen Mann aus Ludwigshafen abgelaufen, der sich Anfang März hilfesuchend an das Polizeipräsidium Rheinpfalz gewandt hat. Seiner Internet-Freundin hatte er da aber schon insgesamt 14.000 Euro überwiesen, um ihr aus Notlagen zu helfen, berichtet Polizeisprecher Thorsten Mischler. Der Mann wurde Opfer von Love Scamming, auch Liebesbetrug genannt.
Ludwigshafen: Internet-Liebe gibt Notlagen vor
Das Geld floss nicht auf einmal. Die Frau habe dem Ludwigshafener immer von neuen Notlagen erzählt, schildert der Polizeisprecher: Zuerst habe sie angegeben, ihr Geschäft stehe kurz vor dem Aus, weil sie einen Kredit nicht bezahlen könne. Es folgten eine Kreditforderung für ihr Haus und ihr Auto.
Ein typisches Vorgehen, sagt der Leiter der Präventionsstelle beim Polizeipräsidium Michael Lerch: "Die Täter bauen über Wochen und Monate quasi eine extrem starke emotionale Abhängigkeit auf. Der Trigger ist dann, dass ein Notfall eintritt aus verschiedenen Gründen. Und das Opfer zahlt aus emotionalem Druck zum einen und aus Liebe."
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Wie gehen Täter bei Love Scamming vor?
Marcus Lentz leitet eine große Detektei, die auch in der Pfalz aktiv ist. Seine Erfahrung: Die vermeintliche Internet-Liebe existiert in der Regel nicht. Entweder die Identitäten würden gestohlen, etwa von Verstorbenen oder von Menschen, die davon keine Ahnung hätten. Oder die Betrüger nutzten Künstliche Intelligenz, sagt Lentz: "Heutzutage mit KI muss ich noch nicht mal Bilder klauen. Ich kann diese virtuellen Leute durch KI absolut realistisch entstehen lassen."
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Und noch vor dem ersten Kontakt würden die Opfer über alle möglichen Social-Media-Kanäle ausgespäht. Und da finden die Täter heraus, was das jeweilige Opfer anfällig macht, sagt Lentz: "Sei es Einsamkeit, sei es krankhaftes Hilfsbedürfnis, sei es, dass das Opfer in irgendeiner Art und Weise einen Verlust erlitten hat und der Täter genau da reinkrätscht."
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Wer steckt hinter Love Scamming?
In der Regel stehen hinter dem Liebesbetrug organisierte Banden, so der Detekteichef. Die sitzen vor allem in subsaharischen Ländern, zudem sehr häufig in Russland. "Aber wir hatten auch schon Fälle, die uns nach China oder Taiwan geführt haben", berichtet Lentz. Und weiter: "Diese Täter sind mittlerweile wirklich fast schon mafiös strukturiert, dass es ganze Firmen-Konglomerate gibt." Das Geld der Opfer sei dann unwiederbringlich verloren.
Das bestätigt auch der Leiter der Präventionsstelle beim Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen, Michael Lerch. "Wenn international agierende Täter da am Start sind, dann ist es unheimlich schwierig, da an die Geldströme heranzukommen, weil die das so geschickt machen, verschleiern, dass es da für die Ermittlungsbehörden unheimlich schwierig ist."
Wer ist von Love Scamming betroffen?
Die Betrugsmasche zählt zum Deliktfeld Cybercrime, sagt Thorsten Mischler vom Polizeipräsidium Rheinpfalz. Und da seien die Zahlen 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen von 3.300 auf 3.600 Fälle allein in der Vorder- und Südpfalz. Der entstandene Schaden durch Cybercrime lag demnach allein im vergangenen Jahr bei fast 2,5 Millionen Euro. Die Polizei in Ludwigshafen vermutet eine sehr hohe Dunkelziffer. Denn die Scham, auf diese Betrugsmasche hereingefallen zu sein, sei bei den Opfern sehr groß.
Was macht Love Scamming mit Opfern?
Sowohl der Detekteichef, als auch Polizei-Präventionsleiter Lerch betonen: Auf diese Betrugsmasche hereinzufallen, könne jedem passieren. Michael Lerch drückt es so aus: "Die Täter sind rhetorisch und psychologisch hervorragend geschult, sodass man da im Alltag einfach überrollt wird." Da gebe es keinen Grund, sich zu schämen und zu verheimlichen, Opfer von Love-Scamming geworden zu sein.
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Der Präventsbeauftragte appelliert an alle Betroffenen, die Polizei einzuschalten: "Wir wollen schon sehen, wo die Delikte passieren. Ermittlungserfolge hatten wir auch in der Vergangenheit. Und von daher sind wir dankbar um jeden Fall, der uns zur Anzeige gebracht wird."