Im Prozess um den mutmaßlichen Missbrauch eines sechsjähriges Mädchen im Rulantica-Bad in Rust (Ortenaukreis) hat der Vater des Kindes am Mittwoch Vorwürfe gegen das Personal des Bads bekräftigt. Demnach sollen sich Beschäftigte unter anderem geweigert haben Durchsagen zu machen, als das Kind im August plötzlich nicht mehr auffindbar war. Ein 31 Jahre alter Mann hat in dem Prozess inzwischen gestanden, das Mädchen aus dem Bad gelockt und in einem Maisfeld missbraucht zu haben.
Vater ist seit der Tat arbeitsunfähig
Der 41 Jahre alte Vater ist seit der Tat nicht mehr arbeitsfähig. Das erklärte er im Zeugenstand vor dem Landgericht Freiburg. Er berichtete von fehlender Hilfe seitens des Rulantica-Personals und beschrieb, wie Durchsagen im Schwimmbad verweigert worden seien und die Beschäftigten nicht bereit gewesen seien, Aufnahmen von Videokameras zu zeigen. Auf die Bitte, die Polizei zu rufen, habe er die Antwort bekommen: "Das können Sie selbst machen".
Vorwürfe auch gegen Polizisten
"Nach anderthalb Stunden hätten die doch reagieren müssen", sagte der Vater. Mit Augenringen und starrem Blick wiederholte er dort auch Vorwürfe gegen die Polizei. Nachdem das Kind gefunden worden war, hätten die Polizisten vor Ort keine rechtsmedizinische Untersuchung veranlasst, kritisierte er. Außerdem seien die Beamten erst 40 Minuten nach dem Notruf vor Ort gewesen, so der Anwalt der Eltern.
Nach Prozessstart Keine Durchsagen nach Verschwinden in Rulantica: Eltern erheben im Missbrauchs-Fall Vorwürfe gegen Europa-Park
Nach dem Missbrauch eines Mädchens in Rust erheben die Eltern Vorwürfe gegen den Europa-Park. Das Personal im Erlebnisbad Rulantica sollen nicht geholfen haben, als das Kind verschwand.
Opfer hat Angst, den Täter zu treffen
Zum Zustand seiner Tochter sagte der Vater, sie schlafe seit dem Missbrauch nicht mehr allein. Sie habe Angst, den Täter wiederzutreffen. Sie verhalte sich wie ein Kleinkind, sei in der Schule häufig abgelenkt.
Der mutmaßliche Täter, ein 31 Jahr alter Mann, hatte zum Prozessbeginn am Montag gestanden, das Kind im August 2025 aus dem Erlebnisbad Rulantica gelockt und in einem Maisfeld missbraucht zu haben. Er folgte der Aussage des Vaters mit gesenktem Kopf.
Keine rechtsmedizinische Untersuchung angeordnet
Eine Polizeioberkommissarin bestätigte am Nachmittag in ihrer Vernehmung, dass keine rechtsmedizinische Untersuchung des Kindes durch die Beamten angeordnet worden sei. Sie wies zur Begründung darauf hin, dass in der Nacht nur Kratzspuren festgestellt worden seien.
Die Polizistin sagte außerdem, dass Beamten bei der Untersuchung des Smartphones des Angeklagten aufgefallen sei, dass sein Instagram-Feed viele Kinder am Strand gezeigt habe. Seine Neigung zu ebensolchen Inhalten habe auch der Youtube-Suchverlauf des Mannes bestätigt.
Kokain-Abbauprodukte im Urin und Blut
Ein Sachverständiger äußerte sich zur Rolle von Kokain und Alkohol in dem Fall. Beides habe der Angeklagte seinem Bericht zufolge vor beziehungsweise während der Tat konsumiert. Das Rauschgift habe er auch dem sechsjährigen Opfer aufgedrängt.
Zwar hatte die Sechsjährige berichtet, das Drogentütchen zu Boden geworfen zu haben, aber Rückstände und Abbauprodukte der Substanz wurden im Urin und Blut des Kindes nachgewiesen. Laut dem Sachverständigen muss das Kind zumindest kleine Krümel Kokain über Schleimhäute aufgenommen haben.
Sachverständiger: Angeklagter stand am Tattag unter Drogen
Nach Einschätzung des Experten könnte es durch den Drogenkonsum unter anderem zu Benommenheit und Schluckbeschwerden gekommen sein - allerdings eher in geringem Umfang und kaum sichtbar. Körperliche Langzeitauswirkungen hält der Experte für unwahrscheinlich. Die Substanz sei in dieser Dosis ungefährlich.
Der Täter selbst soll am Tattag ab dem Morgen Kokain konsumiert haben, dazu einige Flaschen Bier sowie mehrere sogenannte Shots (starker Alkohol in kleineren Mengen). Er soll regelmäßig Beruhigungsmittel (Benzodiazepin) und ab und zu Cannabis konsumiert haben. Das hatte eine Haarprobe ergeben.