Über viele Jahre war der Plattensee oberhalb von St. Peter (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) eine Attraktion für die Menschen aus der Umgebung. Die Freiburger pilgerten in Scharen auf die "Platte". Vor wenigen Jahren wurde der See trockengelegt. Dabei sind eigentlich alle dafür, den See zurückzubekommen - zumal er für Löscharbeiten dringend nötig wäre.
"Plattenhof und Plattensee gehören zusammen"
Gastwirt Martin Dold holt einen Briefumschlag aus einer Schublade unter der Theke. Als er ihn öffnet, rutschen zahlreiche Schwarz-Weiß-Aufnahmen heraus. Bilder aus alten Zeiten, als noch Dolds Opa als junger Mann im Plattensee badete. Denn der "Plattenhof" ist nur wenige hundert Meter vom See entfernt. Martin Dold verbrachte als kleiner Junge selbst noch viel Zeit "da unten".
Immer wieder würden Gäste noch nach dem See fragen, erzählt Dold. Darunter viele einstige Studierende, die damals am See baden waren. Die Zeiten sind lange vorbei. Wegen schlechter Wasserqualität wurde das Baden untersagt. "Anfang 2000 kamen schon nur noch ganz wenige dort hin", so Dold.
Irgendwie gehört das alles zusammen, der Plattensee und der Plattenhof und die Platte, da gehört der Plattensee einfach dazu.
Einst wurde mit dem Stausee Strom gewonnen
Der einstige Stausee wurde 1924 eingeweiht: Der Traditionsbetrieb Gütersmann aus Waldkirch produzierte dadurch Strom. Später kaufte ein privater Betreiber das Kraftwerk - doch dann musste wegen technischer Überprüfungen das Wasser abgelassen werden. Das ist inzwischen sechs Jahre her. Wo früher der See war, wachsen und gedeihen Pflanzen.
Der Betreiber setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Kraftwerk und See wieder aktiviert werden dürfen. Doch um den See zu füllen, sind verschiedene Genehmigungen nötig. Das zuständige Regierungspräsidium Freiburg bestätigt auf Anfrage, dass entsprechende Anträge vorliegen und geprüft werden. "Insbesondere müssen die Standsicherheit des Dammes eindeutig nachgewiesen und alle noch anstehenden Arbeiten wasserseitig an dem Damm erledigt sein", heißt es.
Wann es so weit sein könnte, lässt sich demnach aktuell noch nicht sagen. Aber: "Das Regierungspräsidium ist bestrebt, die notwendigen Entscheidungen zeitnah zu treffen."
Bei Brand: Einziges größeres Gewässer in der Umgebung
Angesichts der Trockenheit wird ein anderes Problem immer deutlicher. Die "Platte" gehört zur Hälfte zur Gemeinde St. Peter, zur Hälfte zu Simonswald (Kreis Emmendingen). Ein Abkommen sieht vor, dass bei einem Brand zuerst die Feuerwehr aus St. Peter zuständig wäre. Denn die Feuerwehr aus Simonswald bräuchte schon bei guten Witterungsbedingungen um die 40 Minuten bis nach oben.
Doch der Feuerwehrkommandant von St. Peter, Kevin Helmbrecht, ist in Sorge. Der Plattensee war das einzige größere Gewässer in der Umgebung. "Ich brauche hier oben dringend irgendwelche Entnahmestellen, sowas wie gerade unseren Plattensee oder andere Löschteiche von den Landwirten", so Helmbrecht. "Deswegen ist es wichtig, dass der Plattensee wieder gefüllt wird, weil hier zwischen uns und dem Kandel gibt’s keinen großen Löschteich derzeit."
Als Zwischenlösung halten die umliegenden Höfe insgesamt vier bis fünf Güllefässer Wasser bereit. Das würde für eine halbe Stunde Löscharbeiten reichen, sagt Helmbrecht. Im Anschluss bräuchte man eigentlich das Wasser vom Plattensee.
Bürgermeister: Waldbrandgefahr verschärft das Problem
Die Sorge des Feuerwehrkommandanten teilt auch der Bürgermeister von St. Peter, Charly Gnant (parteilos): "Die Gefahr eines Wald- oder und Vegetationsbrandes war in den letzten Jahren nicht so wie jetzt." Mit Verweis auf die Trockenheit und Brände der vergangenen Wochen in verschiedenen Teilen Europas ergänzt er: "Wir sehen das überall, auch wir müssen uns damit beschäftigen."
Es gibt weniger Wasser, also müssen wir doch schauen, dass wir Löschwasser vorrätig halten.
Um die 50 Menschen leben auf der Platte von St. Peter und Simonswald. Für sie alle dürfte es bei der Diskussion um den Plattensee ganz besonders um die Frage nach dem Löschwasser gehen - mal ganz abgesehen vom Hauch von Nostalgie angesichts der Erinnerungen an die Zeiten, zu denen der See noch Badelustige aus der gesamten Umgebung anlockte.