Trend zu Slow Fashion und Nachhaltigkeit

Freiburg ist Deutschlands heimliche Vintage-Hauptstadt

Secondhand boomt in Freiburg. In keiner anderen Großstadt gibt es gemessen an der Einwohnerzahl so viele Secondhand-Läden. Doch was macht gebrauchte Mode hier so beliebt?

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Von Autor/in Chris Libuda

Skinny-Jeans, Krawatten, ausgeblichene Band-Shirts: Wer in Freiburg Secondhand shoppen will, hat eine große Auswahl. 33 Secondhand- und Vintage-Läden gibt es in der Stadt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist das bundesweit Spitze. Wir haben uns angeschaut, warum Secondhand und Vintage in Freiburg so beliebt sind - und was Kundinnen und Kunden in die Läden zieht.

Vintage-Hauptstadt in Deutschland ist Freiburg

Rund 230.000 Einwohnerinnen und Einwohner, 33 Secondhand- und Vintage-Läden - das entspricht etwa 14 Geschäften pro 100.000 Einwohnenden. Damit liegt Freiburg laut einer Auswertung des Reiseveranstalters TUI vor Berlin. Dort gibt es zwar mit 435 Läden insgesamt deutlich mehr Geschäfte, pro 100.000 Einwohner sind es aber nur 11,5 Läden.

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Secondhand-Klassiker in Freiburg: Bei Schlepprock wird gesucht und gefunden

Einer der etablierten Secondhand-Läden der Stadt ist Schlepprock. Das Geschäft gibt es seit 25 Jahren. Die Kleidung kauft der Laden nach eigenen Angaben bei Großhändlern ein und verkauft sie zu vergleichsweise niedrigen Preisen weiter. Shirts kosten etwa zehn bis zwölf Euro, Jeans bewegen sich in einer ähnlichen Preisspanne.

Das Sortiment wechselt mit der Saison. Derzeit hängen dort etwa Dirndl und Lederjacken. Besonders gefragt seien Stücke aus den 80er-Jahren, erzählt ein Ladenmitarbeiter dem SWR. Den eigenen langjährigen Erfolg erklärt Schlepprock vor allem mit den Preisen. Man sei preisbewusst geblieben und habe nicht jeden Hype mitgemacht. Das Publikum ist entsprechend vielfältig: Neben Studierenden kaufen dort auch ältere Kundinnen und Kunden ein.

Warum Menschen in Freiburg Secondhand lieben

Bei einer SWR-Umfrage unter Kundinnen und Kunden in Freiburg zeigt sich: Nachhaltigkeit spielt beim Kauf gebrauchter Kleidung eine große Rolle. Dass gerade jüngere Menschen offen für gebrauchte Kleidung sind, zeigen größere Befragungen. In einer Greenpeace-Umfrage von 2025 gaben 65 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland an, bereits Secondhand-Kleidung gekauft zu haben. Zehn Jahre zuvor waren es 45 Prozent.

Viele Befragte reizt aber vor allem etwas anderes: die Suche nach besonderen Stücken. Beim Wühlen in einem Fach voller alter Sporthosen oder Tücher etwas zu finden, wonach man gar nicht gesucht hat. Manche Stücke gibt es neu kaum noch zu kaufen. Hinzu kommen, zumindest in einem Teil der Geschäfte, niedrige Preise.

Zwei Kundinnen wühlen sich durch die Kleiderständer in einem der Secondhand-Läden in Freiburg.
Auch diese beiden Kundinnen hoffen darauf, ein paar tolle Secondhand-Stücke zu finden. Chris Libuda

Für manche spielt außerdem Individualität eine Rolle. Sie suchen Kleidung, die nicht überall in den Geschäften hängt und die sich vom aktuellen Sortiment großer Modeketten unterscheidet.

Vintage-Kleidung in Freiburg: Zwischen Schnäppchen und Sammlerstück

Die Preise auf dem Freiburger Secondhand-Markt unterscheiden sich stark. Geschäfte wie Schlepprock setzen auf günstige Kleidung. Daneben haben sich Vintage-Läden etabliert, die ausgewählte Markenware zu deutlich höheren Preisen verkaufen. Für eine Markenjeans können dort 80 oder 90 Euro fällig werden. Auch alte Fußballtrikots gehören zum Angebot, die allerdings eher Sammler ansprechen.

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Secondhand: Kundinnen und Kunden schätzen Qualität

In der SWR-Umfrage nennen Kundinnen und Kunden noch einen weiteren Grund für den Kauf älterer Kleidung: die Qualität. Einige Befragte halten Kleidungsstücke aus früheren Jahrzehnten für besser verarbeitet als manche aktuelle Mode. Als Beispiel nennen sie ältere Jeans aus reiner Baumwolle. Viele heutige Jeans enthalten dagegen einen Anteil synthetischer Fasern wie Elasthan, der den Stoff dehnbarer macht.

Eine Kleiderstange in einem Secondhand-Laden in Freiburg. Was in der Umkleidekabine nicht passt, kann einfach zurückgehängt werden.
Anders als in vielen Modeboutiquen spielen Service und Beratung in vielen Secondhand-Geschäften keine allzu große Rolle. Für einige Kundinnen und Kunden liegt der Reiz im Wühlen und Entdecken. Chris Libuda

Vintage-Mode aus den 70ern, 80ern und 90ern bleibt gefragt

In Freiburg haben sich zudem Secondhand-Läden etabliert, die sich gezielt auf einzelne Jahrzehnte spezialisiert haben - auf Mode aus den 70ern, 80ern, 90ern oder vereinzelt schon den 2000ern. Der Grund: Modetrends kehren zurück. Schnitte und Kleidungsstücke, die zwischenzeitlich als überholt galten, werden von einer jüngeren Generation neu entdeckt.

Das zeigt sich auch bei älteren Kundinnen. Viele freuen sich darüber, dass die Mode aus ihrer Jugend heute wieder in den Läden hängt.

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