Mehrere Entflohene innerhalb Wochen

Vier Fluchten aus Psychiatrie: Klinik in Emmendingen erklärt ihr Vorgehen

Vier Straftäter sind zuletzt aus dem Zentrum für Psychiatrie Emmendingen (ZfP) geflohen. Wie konnte das passieren? Das ZfP reagiert auf Fragen zur Flucht und möglichen Sicherheitslücken.

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Von Autor/in Jessica Hans

Innerhalb kurzer Zeit verschwanden vier Straftäter aus dem Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen. Einer wurde sehr schnell wieder aufgegriffen. Zwei weitere hatten sich ins Ausland abgesetzt, einer davon wurde in Paris gefasst. Von ihnen geht laut Polizei eine "potenzielle Gefahr" aus. Außerdem ist noch ein 48-Jähriger verschwunden, er floh am 6. Juni vom Gelände der Fachklinik. Geschehnisse, die viele Menschen beschäftigen, sagt Michael Eichhorst, Geschäftsführer der ZfP Emmendingen. So viele Anfragen wie aktuell habe es lange nicht gegeben. Deshalb wolle man Rede und Antwort stehen.

Emmendingen

Aus dem Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen Dritter Entflohener innerhalb kurzer Zeit: Erneut Straftäter aus Psychiatrie verschwunden

Was ist los im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen? Innerhalb kurzer Zeit entflieht der dritte Straftäter der Klinik.
Zwei von ihnen haben ihre Flucht wohl gemeinsam geplant.

Mangelt es an Sicherheitsvorkehrungen?

Alle vier Patienten, die zwischen dem 23. April und dem 6. Juni aus der Psychiatrie in Emmendingen verschwunden sind, sind nach einem Freigang nicht zurückgekehrt. Dieser Freigang gehört zur Therapie - er soll helfen, die Patienten wieder an ein Leben außerhalb der Klinik heranzuführen.

"Die Patienten des ZfP haben nach einiger Zeit ein Recht auf diese Form der Resozialisierung", sagt Franz Xaver Regel, Chefarzt der Psychiatrie in Emmendingen. Denn anders als im Strafvollzug hat das ZfP zunächst den Auftrag, Patienten zu behandeln. Sobald es der Behandlungsstand erlaubt, sollen Lockerungen der Resozialisierung dienen.

Ob jemand dafür bereit ist, entscheidet das Klinikpersonal gemeinsam. In diesen Fällen habe man sich aber offenbar geirrt. Doch insgesamt seien solche Vorfälle eher selten, so Franz Xaver Regel. Mehr als die Hälfte der rund 220 Patienten im Maßregelvollzug bekomme regelmäßig Ausgang - und komme auch pünktlich zurück. Seit 2021 sind demnach fünf weitere Patienten nach einem Freigang verschwunden und bis heute nicht zurückgekehrt.

Wie gefährlich sind die verschwundenen Straftäter?

Die Patienten hätten laut Chefarzt gut auf die medikamentöse Behandlung angesprochen, die Grunderkrankung sei abgeklungen. Deshalb hätten sie auch Freigang erhalten. Er vermutet, dass sie jetzt keinen Zugang mehr zu ihren Medikamenten haben. Dadurch steige das Risiko, dass sie wieder rückfällig würden.

Rückblick: Vier Straftäter verschwinden innerhalb von wenigen Wochen

Ein Patient kehrte am 23. April von einem genehmigten Stadtausgang nicht zurück. Er wurde laut Staatsanwaltschaft am Tag darauf festgenommen, nachdem er versucht hatte, einem Mädchen gewaltsam ihr Fahrrad zu entreißen und einen zur Hilfe eilenden Passanten schlug.

Am 1. Mai entkam ein 26-Jähriger bei einem Freigang im Klinikpark. Er soll 2024 mit einem Messer auf einen Mitbewohner eingestochen und später einen Polizisten verletzt haben. Er wurde neben gefährlicher Körperverletzung auch wegen versuchtem Totschlag verurteilt. Er wurde inzwischen in Paris festgenommen.

Am gleichen Tag floh ein 34-Jähriger, ebenfalls nach einem Freigang im Klinikpark. Das ZfP Emmendingen geht davon aus, dass beide am 1. Mai entwichenen Männer gemeinsam geplant hatten, sich abzusetzen. Auch dieser Mann gilt als potenziell gefährlich, so die Polizei Offenburg. Er war voriges Jahr wegen versuchten Totschlags verurteilt worden.

Am 6. Juni wurde zudem ein 48-Jähriger als vermisst gemeldet. Er wurde zuletzt am frühen Nachmittag auf dem Gelände gesehen und kehrte von einem genehmigten Freigang nicht mehr zurück. Der Mann war seit 5. August 2025 wegen früherer Straftaten, darunter Raub- und Eigentumsdelikten, in der Fachklinik untergebracht.

Wie geht es weiter?

Seit den jüngsten Vorfällen habe das Klinikpersonal alle laufenden Lockerungen erneut überprüft, sich jedoch dagegen entschieden, diese zurückzunehmen, so Chefarzt Franz Xaver Regel. Man sei nun etwas vorsichtiger geworden. Für die Einführung einer elektronischen Fußfessel für Freigänger oder anderer zusätzlicher Maßnahmen sehe er jedoch keinen Anlass.

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