Vierthöchste Pro-Kopf-Verschuldung in Baden-Württemberg

Feldberg unter Druck: Schulden, Skibetrieb und die Hoffnung auf Schnee

Schnee bleibt aus, Schulden steigen und nun schließt auch noch die Jugendherberge. Im Schwarzwaldort Feldberg steht mehr auf dem Spiel als nur die nächste Skisaison. Wie ein ganzer Ort vom Winter abhängt – und was passiert, wenn er ausbleibt.

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Mehr als 15 Milliarden Euro - so viele Schulden haben die Kommunen in Baden-Württemberg zusammengerechnet. Die finanzielle Situation von zahlreichen Städten und Gemeinden ist dramatisch. In Feldberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sieht es nicht anders aus: Schlechte Winter, leere Kassen und Schulden in Millionenhöhe machen der Gemeinde zu schaffen.

Ein Sinnbild der Schieflage, in der sich der 2.000-Einwohner-Ort befindet, ist das Parkhaus im Skigebiet. Das Gebäude wurde in der Hoffnung gebaut, dass in der Wintersaison die Ski-Touristen in Scharen zum Feldberg strömen. Doch in den vergangenen Jahren fiel die Bilanz der Wintersportsaison oftmals dürftig aus, die Auslastung der 1.200 Parkplätze war dementsprechend gering. Gleichzeitig muss die Gemeinde dem Eigentümer des Parkhauses pro Jahr mehrere Hundert Tausend Euro zahlen.

Vierthöchste Pro-Kopf-Verschuldung in Baden-Württemberg

Eigentlich ist die Gemeinde auf finanziellen Handlungsspielraum angewiesen: Das Abwassersystem muss dringend erneuert werden, Straßen und Wege sind marode. Doch die Kassen sind leer, das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Einen großen Teil des Geldes verschlingt das Skigebiet: Im vergangenen Jahr etwa musste die Gemeinde den Skiliftverbund "Feldbergbahnen GmbH" wegen des schlechten Winters mit 400.000 Euro unterstützen.

Eine Interviewanfrage des SWR bleibt vom Rathaus unbeantwortet. Von einer Krise will man dort offenbar nichts wissen. Eine klarere Sprache sprechen die Zahlen des statistischen Landesamtes: In einer Übersicht der Kommunen mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung in Baden-Württemberg belegt Feldberg den vierten Platz, mit 6.275 Euro pro Einwohner.

Landkreis genehmigt nur Teil der beantragten Mittel

Um trotz der finanziellen Probleme investieren zu können, wollte Feldberg für das Haushaltsjahr 2025 zusätzliche Kredite in Höhe von 2,6 Millionen Euro aufnehmen. Doch das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald genehmigte der Gemeinde nur Kredite von einer Million Euro. Das geht aus einem vertraulichen Dokument hervor, das dem SWR vorliegt. Demzufolge wurde die Aufnahme von neuen Krediten nur zu einem Teil genehmigt, weil Feldberg seit 2017 keine ordentlichen Jahresabschlüsse mehr mit verbindlichen Zahlen bei der Aufsichtsbehörde vorgelegt hat.

Die Hoffnung auf einen schneereichen Winter

Nun geht der Blick der Menschen am Feldberg Richtung Winter: Gibt es Schnee? Und wenn ja, wie lange bleibt er liegen? Diese Fragen stellen sich im größten Skigebiet Baden-Württembergs viele. Denn die Region lebt vom Tourismus und ganz besonders vom Skisport. Die vergangene Wintersportsaison lief zwar gut. Aber die beiden Jahre zuvor waren für die Feldbergbahnen GmbH ein großes Minusgeschäft. Zudem kursierten Berichte über eine drohende Zahlungsunfähigkeit des Liftverbunds.

Das Skigebiet Grafenmatt am Feldberg
Reichlich Schnee und Skilifte im Betrieb: Darauf hoffen sie am Feldbgerg in der kommenden Wintersport-Saison.

Große Herausforderungen für neuen Geschäftsführer

Ob der neue Geschäftsführer Kai Lebrecht die Feldbergbahnen GmbH wieder auf Kurs bringen kann? Seit zwei Monaten ist Lebrecht im Amt. Allen Widrigkeiten zum Trotz glaubt er an eine Zukunft des Skigebiets mit verschneiten und vollen Pisten. Doch wie realistisch ist diese Hoffnung?

Die Anzahl der Schneetage wird weniger werden. Also ist es umso wichtiger, an diesen Schneetagen ein perfektes Skierlebnis zu bieten. Weil das suchen die Leute hier.

Um die Zukunft des Wintersports am Feldberg zu sichern, sollen auch künftig Schneekanonen eingesetzt werden. Für eine umfassende Modernisierung der Anlagen scheint vorerst das Geld zu fehlen. Deshalb will Lebrecht mit den vorhandenen Kanonen so gezielt beschneien, dass alle Pisten im Skigebiet befahren werden können.

Jugendherberge auf dem Feldberg: Schluss nach 70 Jahren

Mehr denn je müssen Lebrecht und sein Team am Feldberg den Spagat meistern zwischen Klimawandel, Naturschutz und Skisport. Für viele Leute in der Region geht es um nichts weniger als ihre Existenz. Wenn der Schnee ausbleibt und die Lifte stillstehen, wird es eng. Jüngstes Beispiel: Die Jugendherberge am Feldberg. Weil viele Gäste wegen der unsicheren Schneelage lieber woanders Skifahren gehen, muss sie nach 70 Jahren schließen.

Damit nicht noch mehr Einrichtungen betroffen sind, hoffen sie in Feldberg auf den Winter. In der angespannten Situation könnte die Gemeinde ein paar schneereiche Wintermonate mit vielen Gästen und hoher Parkhaus-Auslastung gut gebrauchen. Die Vorbereitungen auf die Saison jedenfalls laufen: Die ersten Förderbänder an den Hängen stehen schon. Ende Oktober startet der Vorverkauf der Liftkarten. Mitte November sollen dann die Schneekanonen einsatzbereit sein.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christof Gerlitz
SWR Aktuell, Logo
Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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