Kurier bringt Hilfsgüter in die Ukraine

Kleidung, OP-Material, Medikamente: Wie sich Menschen in Südbaden vernetzen und damit ukrainischen Soldaten an der Front helfen

Um sich gegen Russland zu wehren, bekommen ukrainische Soldaten auch aus Südbaden Unterstützung: Eine Familie aus Mengen zeigt, was möglich ist, wenn Privatleute sich zusammentun.

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Von Autor/in Nikolaus Rhein

Udo Pfistner steht in der Einfahrt vor seinem Haus in Schallstadt-Mengen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) bei Freiburg: Auf einem Tisch reihen sich mehrere Pappkartons mit Hilfsgütern aneinander. Hilfsgüter, die schon bald mit dem Auto in die Ukraine gebracht werden sollen.

Hilfsgüter aus dem Ausland für Soldaten in der Ukraine

Fast vier Jahre dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits. Um sich zu verteidigen, sind die Soldaten auch auf Hilfsgüter aus dem Ausland angewiesen. In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Initiativen, in denen sich Menschen für die Ukraine engagieren - so wie die von Udo Pfistner und seiner Familie.

Tragen in einer Kiste
Diese ausgesonderten Tragen lagern aktuell noch bei den Pfistners - und sollen bald in die Ukraine gebracht werden. Udo Pfistner

Die Pfistners haben sich in ihrem kleinen Ort ein Ukraine-Hilfe-Netzwerk aufgebaut - und schicken gezielt Hilfsgüter an die Front. Dass er helfen würde, war für Udo eine Selbstverständlichkeit. Er hat es nicht anders gelernt.

Ich bin so aufgewachsen: Wenn es notwendig ist, dass man dann einander hilft. Das ist ein kleiner Beitrag, den wir leisten. Und trotzdem: Das, was wir tun können, machen wir. Das macht uns nicht ärmer, sondern eher glücklicher.

Er ist unmittelbar vom Krieg in der Ukraine betroffen. Ende der Neunziger Jahre war der 63-jährige Sozialpädagoge für das Deutsche Rote Kreuz in der Ukraine tätig, lernte dort seine Frau Lena kennen. Die gemeinsame Tochter Sophia ist in Freiburgs Partnerstadt Lwiv geboren. Seine Stieftochter wohnt auch heute noch dort.

Kleidung, OP-Material, Schokoriegel - was an Hilfsgütern in der Ukraine ankommt

Nachdem die Ukraine Ende Februar 2022 angegriffen wurde, war für die Pfistners klar: wir helfen. Seitdem sammeln sie alles, was gebraucht wird: Kleidung, Schlafsäcke, Kerzen, Tragen, OP-Utensilien. Manchmal landen auch Schokoriegel in den Kartons, "für die Seele", wie Udo sagt. "Wir fragen vorher immer nach, was genau gerade gebraucht wird. Wir wollen ja auch wirklich helfen."

Über einen Kurier, der einmal pro Woche Pakete und Hilfsgüter in die Ukraine bringt, landen die Sachen zweieinhalb Tausend Kilometer entfernt an der Front. Immer wenn der Kurier genug Platz in seinem Transporter hat, können die Pfistners ihm die Kisten kostenlos mitgeben. Ein paar Tage später bekommen sie Bescheid, ob die Hilfspakete angekommen sind - inklusive Beweisbild.

Ukrainischer Feldarzt
Ein ukrainischer Feldarzt freut sich über die Hilfsgüter, die ihn von Freiburg an der Front erreichen. Udo Pfistner

Auch Medikamente werden an die Front geschickt

Um die Soldaten in der Ukraine noch besser unterstützen zu können, haben sich Udo und seine Frau ein weitläufiges Netzwerk aufgebaut: In ihrem Heimatort wissen alle von ihrer privaten Initiative. Inzwischen fragen Nachbarn teilweise gar nicht mehr, ob etwas gebraucht wird - sondern stellen es einfach vor dem Haus der Pfistners ab.

Wenn spezielle Dinge gebraucht werden, wie zum Beispiel Thoraxpflaster für Lungendurchschüsse, fragt das Ehepaar gezielt danach: in Kliniken, bei den Maltesern oder bei Stéphanie Haas-Komp. Die Apothekerin aus Volkertshausen im Hegau hatte vor zwei Jahren über einen SWR-Bericht vom Engagement der Pfistners gehört, und wollte sofort mithelfen.

Es tut mir oft so weh, was ich aus Pflegeheimen an Medikamenten zurückbekomme, die nicht mehr gebraucht werden von Kunden oder von Patienten. Es gibt dafür keine bessere Verwendung als für Menschen, die es brauchen.

Udo Pfistner: "Das was wir tun können, tun wir gerne"

Mit der Hilfe der Apothekerin schaffen es die Pfistners, dringend benötigte Medikamente gezielt an die Front zu schicken. Dafür fährt Haas-Komp nun etwa alle zwei Monate mit ihrem Auto vom Bodensee nach Schallstadt-Mengen. Auf der Rückbank befinden sich Kartons mit Schmerzmitteln, Verbandsstoffen und Antibiotika.

Ich weiß, dass die Menschen das dort brauchen. Und wenn wenige Soldaten dadurch eine Schmerzlinderung erfahren, dann ist es jeder Kilometer, den ich fahre, mehr als wert.

Sich vernetzen, gemeinsam Gutes tun. Das treibt Stéphanie Haas-Komp und die Pfistners an. "Wir können diesen entsetzlichen Krieg leider nicht beenden", sagt Udo. "Aber das, was wir tun können, um das Leid und Elend etwas zu lindern, das tun wir gerne."

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Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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