Hilfstransport nach Lwiw

Maxim Juschak von der Ukraine Hilfe Worms: Wir bekommen unfassbar viel zurück!

Wir haben mit Maxim Juschak von der Ukraine-Hilfe-Worms e.V. gesprochen, der sich gerade mit einem Hilfstransport auf dem Rückweg aus der Ukraine befindet.

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Stand

Von Autor/in Maxim Juschak, Ukrainehilfe Worms e.V., Vorsitzender

Hilfe aus Worms für die Ukraine: Maxim zählt die Transporte nicht mehr

SWR1: Wir erreichen Dich auf dem Rückweg in Polen. Ihr habt Autos in die Ukraine gebracht, die dort als Fluchtbusse oder als Krankenwagen eingesetzt werden sollen. Wie wurdet Ihr dort empfangen?

Maxim Juschak: Sehr, sehr herzlich natürlich, weil die Menschen sich sehr darüber gefreut haben, uns wiederzusehen. Es war ja nicht unsere erste Fahrt.

SWR1: Die wievielte Fahrt war es? Zählst Du noch?

Juschak: Ich kann kaum noch zählen, muss ich sagen. Wir fahren zweimal im Jahr in diesem großen Konvoi. Wir haben jede Menge an Fahrzeugen und der Rest passiert immer so zwischendrin.

SWR1: Ihr wart in der West-Ukraine, in der Nähe von Lwiw, nahe der polnischen Grenze. Da gab es am Wochenende heftige russische Angriffe, mehrere Menschen kamen ums Leben. Was habt Ihr mitbekommen?

Juschak: Wir waren ein bisschen weiter weg und konnten das Donnern der Luftabwehr hören.  Das ist aber eher wie in einem Gewitter. […] Meine Cousine in Lwiw hatte sich auch im Luftschutzbunker befunden, als wir mit ihr gesprochen haben. Das war alles nicht so einfach dort.

SWR1: Dort sind viele Menschen gestorben. Wie gehen denn die Angehörigen mit dieser Situation um?

Juschak: Das muss man im Kontext sehen. Lwiw hat 700.000 Einwohner und ich weiß nicht, ob die Opferzahl jetzt noch größer geworden ist. Da sind insgesamt fünf Menschen, meines Wissens, umgekommen.

Das ist eine persönliche Tragödie, statistisch fällt das nicht ins Gewicht. Die Menschen selbst trauern um ihre Angehörigen, das ist in der Ukraine in allen Nachrichten, […] aber sie verstehen auch, was das bedeutet. Der ganze Angriff galt ja nicht nur jetzt der West-Ukraine, sondern der ganzen Ukraine.

Die Furcht, die eigentlich damit verbreitet werden soll - das wollen die Menschen nicht mit sich machen lassen. Das heißt, wir haben an dem Abend, als dieser Luftangriff war, mit den Menschen sehr ausgelassen gefeiert.

Wir haben uns mit gefreut, uns nach einem sehr langen Tag zu sehen, an dem wir viel geholfen haben. Wir haben einfach Hoffnung, Mut verbreitet und davon noch viel mehr zurückbekommen. Und am nächsten Tag waren wir dort im Gottesdienst und haben mit den Menschen auch für die Opfer, für die Angehörigen, gebetet. Das gehört alles zusammen, das geht Hand in Hand.

SWR1: Man möchte sich also die Lebensfreude, auch aus Trotz, nicht nehmen lassen?

Juschak: Auch aus Trotz! Das ist dort eine der bewundernswertesten Eigenschaften. Die Ausdauer, auch nach dreieinhalb Jahren Krieg, sich die Lebensfreude noch immer nicht nehmen zu lassen.

Maxim Juschak über Hilfe für die Ukraine: Zermürbend, aber wir bekommen viel zurück!

SWR1: Ist das für Dich auch eine Art Antrieb, das weiterzumachen? Denn es ist auch wahnsinnig zermürbend.

Juschak: Es ist beides gleichzeitig. Auf der einen Seite ist es sehr zermürbend für die Menschen, auch für uns, […] das alles, was die ehrenamtliche Arbeit hier angeht, neben dem normalen Leben bewerkstelligen zu müssen.

Trotzdem gibt es einem unfassbar viel zurück. Die Lebensfreude, von der ich gesprochen habe, und die Einstellung, die ich hier so sehe. Das ist etwas, was ich für mich […] ein Stück weit mit zurücknehmen, behalten und lernen möchte. […] Es ist nicht nur so, dass wir geben, sondern wir bekommen auch unfassbar viel zurück.

SWR1: Mit Euch kommt auch Vlad zurück nach Worms. Vlad ist in der Ostukraine Militär-Kaplan. Seine Familie lebt in Deutschland. Er ist gerade zum dritten Mal Papa geworden, jetzt macht er Fronturlaub. Er fährt in der Ukraine unter anderem einen Kühllastwagen, in dem Gefallene transportiert werden. Was erzählt er?

Juschak: Vlad ist eine unfassbar starke Persönlichkeit. Wir haben mit ihm gemeinsam schon sehr viel Hilfe in den Osten der Ukraine gebracht, in die Dörfer dort, die ja die auch zertrümmert und zerschlagen sind.

Meine Fragen an Vlad sind, wenn er da ist: Was erzählst Du diesen Menschen dort, die dort alles verloren haben? Wie verbreitest Du auch nach dieser langen Zeit Mut und Hoffnung in dieser Situation? Und wie behältst Du Dir das selbst? Das sind Antworten, die ich mir wünsche!

Ich spreche auch eine herzliche Einladung aus. Am 18. Oktober wird Vlad ab 17 Uhr in unseren Räumen (Ukrainehilfe Worms e.V. Brucknerstraße 3a, Worms) davon berichten.

Wir werden von unserer Fahrt berichten. Man kann mit uns ins Gespräch kommen und von Vlad und seiner Geschichte hören und mit ihm sprechen.

SWR1: Wie müssen wir das vorstellen bei Euch auf der Fahrt. Ist es da die ganze Zeit ruhig im Auto oder redet Ihr?

Juschak: Wir reden sehr viel. Klar, wir haben sehr viele Eindrücke zu verarbeiten und dann gibt es wieder Phasen, in denen wir ausruhen und vor uns hin dösen. Aber ja, die Fahrt selbst ist auch für uns persönlich sehr wertvoll, weil es uns auch zusammenschweißt.

Das Gespräch führten Claudia Deeg und Christian Balser.

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