Die am Montag veröffentlichte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des ifo Instituts sorgt in Südbaden für gegensätzliche Reaktionen. Während die Kliniken in Lörrach von einer Entspannung der Situation sprechen, ist die Abwanderung von Fachkräften laut Klinikum Hochrhein nach wie vor ein Problem im Grenzraum.
Angespannte Personalsituation am Klinikum Hochrhein
Das Klinikum Hochrhein sieht durch die Zahlen die eigenen Erfahrungen bestätigt. Die Datengrundlage für die Studie sind die Jahre 2006 bis 2017. Seither habe sich die Versorgung deutlich verbessert, so der Geschäftsführer des Klinikum Hochrhein Hans-Peter Schlaudt. Aber die Grenzregion habe im Wettbewerb um Pflegepersonal nach wie vor einen struktuellen Nachteil.
Die Schweiz zahle höhere Löhne und habe bessere Arbeitsbedingungen. Das führe dazu, dass Fachkräfte abwanderten. In den letzten Jahren sind laut Hochrheinklinikum etwa zehn Prozent der Mitarbeitenden in die Schweiz abgewandert.
Die neue wissenschaftliche Studie macht strukturelle Risiken sichtbar und unterstreicht daher, was wir seit Langem ansprechen.
Die Folgen von Personalmangel sind nicht messbar
Hans-Peter Schlaudt betont, dass die Daten der Studie sehr alt sind und die Ergebnisse auf regionalen Durchschnittswerten beruhen und deshalb keine Aussagen über einzelne Kliniken zulassen. Inzwischen habe das Klinikum in Waldshut-Tiengen mehrere neue Fachabteilungen, wie eine Kardiologie mit einem neuen Herzkatheterlabor.
Dennoch ist die Versorgungslage am Rhein weniger gut als im städtischen Bereich, räumt Schlaudt ein. Es gäbe eine Unterversorgung auch bei den Hausärzten: Viele Patientinnen und Patienten kämen dadurch erst spät ins Krankenhaus. Oft mit fortgeschrittener Erkrankung. Das mache die Behandlung komplexer und belaste die stationäre Versorgung zusätzlich, unabhängig von der personellen Situation in der Klinik, so Schlaudt.
Klinikum Hochrhein fordert Grenzzuschlag durch Krankenkassen
Eine Lösung wäre aus Sicht des Krankenhauschefs ein Grenzzuschlag, der von den Krankenkassen bezahlt werden müsste. So würde sich die Lohnlücke zwischen den deutschen und schweizerischen Einkünften schließen lassen. Um kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken, werden über Zeitarbeitsfirmen externe Fachkräfte nach Waldshut geholt. Die Kosten von rund sechs Millionen Euro im Jahr 2024 muss der Betreiber des Klinikums übernehmen. In diesem Fall der Landkreis Waldshut.
Sterblichkeit und Abwanderung von Pflegekräften: Kliniken im Kreis Lörrach sehen keinen Zusammenhang
Die Kliniken des Landkreises Lörrach weisen die Kernaussage der Studie zurück. Der klinische Geschäftsführer Klaus Steinmeyer-Bauer erklärt, man könne "einen Zusammenhang von Sterblichkeitsrate und Abwanderung von Pflegekräften nicht bestätigen".
Klaus Steinmeyer-Bauer, der klinische Geschäftsführer in Lörrach, zur Studie:
Die Lage habe sich zudem deutlich verbessert. Pflegekräfte kämen aus der Schweiz zurück, offene Stellen gebe es keine und die Zahl der Leiharbeitskräfte sei innerhalb von 18 Monaten von 150 auf 25 gesunken. Auch eine Verschiebung dringlicher Operationen gebe es nicht, sagt Steinmeyer-Bauer.
Auch die Lörracher Landrätin Marion Dammann kann sich keinen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Sterblichkeit von Patientinnen und Patienten und der Abwanderung von Fachkräften für die Kliniken Lörrach herleiten.
Wir haben keine Vakanzen nennenswerter Art gehabt, die das Ergebnis der Studie begründen könnten.
Abwanderungen beim medizinischen und pflegerischen Personal in die Schweiz habe es schon immer gegeben, jedoch nicht in einem gravierenden Ausmaß. Laut Dammann sind die Kreiskliniken Lörrach personell gut aufgestellt.