In Menschenschwand, einem Ortsteil von St. Blasien (Kreis Waldshut), leben rund 580 Menschen. Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine sind mehr als 220 Menschen dazu gekommen. In einer früheren Klinik des Dorfs haben die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer eine Bleibe gefunden.
Wir leben hier in einer Diaspora.
Abgeschottet vom restlichen Schwarzwalddorf
Die Ukrainerinnen und Ukrainer leben im vorderen Teil des Ortes. Im sogenannten "Vorderdorf" und dort auch weitestgehend unter sich. Die Gemeinschaft ist eng: Sie tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig, fahren gemeinsam zum Deutschkurs oder bilden Fahrgemeinschaften, um in der Stadt einkaufen zu gehen.
Ausstellung soll Dorfgemeinschaft stärken
Supermärkte oder eine Schule gibt es in dem kleinen Ort nicht. Trotzdem: Die Ukrainerinnen und Ukrainer fühlen sich wohl in ihrer neuen Gemeinschaft im Schwarzwald. Doch mit den restlichen Dorfbewohnern haben sie nur wenig Kontakt. Der Menzenschwander Winterhalter-Verein will das ändern und hat deshalb in der ehemaligen Dorfkirche eine Ausstellung organisiert. Dort haben Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Kunstwerke gezeigt.
Konstantin - der Mann mit dem Hund
Konstantin Samoilov, genannt Kostja, lebt seit einem Jahr in Menzenschwand. Bekannte haben ihm den Wohnraum hier vermittelt. Er wohnte im Grenzgebiet zu Russland. Die Angriffe wurden immer gravierender und seine Frau wurde dadurch schwer krank. Sie hätten es dort nicht mehr ausgehalten, erzählt er.
In der Ukraine hat er als Illustrator für Kinderbücher gearbeitet. Wenn er nicht gerade malt, ist er mit seinem Hund unterwegs. Das Gassigehen verbindet. Landwirte, Pferdebesitzer und Gleitschirmflieger gehören inzwischen zu den Menschen, mit denen er auf seinen Spaziergängen regelmäßig ins Gespräch kommt.
Kostja - so haben sie in der Ukraine zu ihm gesagt und so wird er auch weiterhin genannt - malt schon sein Leben lang. Doch hier im Schwarzwald hat der 66 Jahre alte Architekt viel mehr Zeit zum Malen. Er brauche dies zur Beschäftigung, sagt der Rentner.
Seine Ölbilder zeigen, was er sieht und wovon er träumt. Ein schwarzer frecher Vogel, der einen Bollenhut stibitzt, der auf einem Baumstumpf in einer von der Sonne erwärmten Schwarzwaldszene liegt. Das sei das Lieblingsbild der meisten Besucherinnen und Besucher in der Dorfkirche gewesen, erzählt er nach der Vernissage. Sein eigener Favorit: Ein zartes einsames Mädchen, an dessen Seite ein kleiner Hund tröstend auf das Kind blickt.
Maryna - Dankbarkeit in Bildern
Maryna Kramar ist 2023 nach Deutschland geflüchtet. Sie hat in der Ukraine als Mathe- und Physiklehrerin gearbeitet. Maryna Kramar ist nach Menzenschwand gekommen, weil es hier Wohnraum gab. Sie war in der Ukraine schon sehr aktiv und ist es hier wieder. Sie organisiert gemeinsame Feste und Konzerte in der ukrainischen Gemeinschaft. Für ihre Arbeit als Künstlerin habe sie deshalb kaum noch Zeit, sagt sie lachend.
Mit ihren Werken will sie sich bedanken. Weil sie wenig Geld habe, nutze Maryna Kramar alles, was sie finde, sagt sie. Spielzeug, Ketten, Haarnadeln. Vor der Flucht hat sie bereits nach einer Erkrankung damit begonnen, kleine Dinge als Dankeschön für Freunde zu fertigen. Jetzt will sie sich mit der Ausstellung in der ehemaligen Dorfkirche bei den Menschen in Menzenschwand für die freundliche Aufnahme bedanken.
Svetlana - Landleben ist wunderschön
Maryna Kramar und Konstantin Samoilov - beide haben auch in der Ukraine auf dem Land gelebt. Das Stadtleben fehlt ihnen daher nicht. Ihre Freundin Svetlana Smoyla erzählt, dass sie jedesmal, wenn sie aus Freiburg zurück fährt, denkt: "Ich liebe Menzenschwand". Svetlana Smoyla ist seit drei Jahren hier, hat inzwischen Arbeit in der Gastronomie gefunden und ist aus der früheren Klinik in eine Wohnung umgezogen. "Ich habe hier noch nie einen Menschen getroffen, der schlecht war", sagt sie. Und Konstantin Samoilov, der besser Englisch als Deutsch spricht, ergänzt: "Big city - big problem". Auch er liebe das Landleben.
Susanne - die Kluft ist noch zu groß
Nach dem ersten Wochenende sei die Resonanz auf die ukrainische Ausstellung in der ehemaligen Dorfkirche noch gering, sagt Susanne Riegel vom Winterhalter-Verein Menzenschwand. Sie hofft, dass beim zweiten Wochenende mehr Menschen die Ausstellung besuchen und mit den Ukrainern ins Gespräch kommen. Denn genau das sei ihr Wunsch: Die Menschen in Menzenschwand zusammenbringen.
220 Menschen aus der Ukraine integrieren? Das dies niemals vollständig gehe sei klar, so Susanne Riegel. Aber es gehe um die kleinen Begegnungen und Kontakte. Und das Beispiel von Svetlana Smoyla zeige, wie sehr auch Menzenschwand von den Ukrainern profitiere. Svetlana Smoyla schließe mit ihrer Arbeit eine Lücke, sagt Susanne Riegel. Die Gastronomen im Schwarzwald brauchen dringend Arbeitskräfte.
Zudem ist der Ort jünger geworden: Während sich der Tag dem Ende neigt, die Dunkelheit sich langsam über das Dorf senkt und die Lichter angehen, stehen noch immer ein paar junge Menschen im Vorderdorf auf der Straße und unterhalten sich lachend.