Minusgrade, Regen und Schnee - das teils eisige und ungemütliche Winterwetter bringt die Freiburger Notunterkünfte für wohnungslose Menschen ans Limit. Besonders angespannt ist die Lage in der städtischen Notschlafstelle „Oase“ im Stadtteil Haslach.
Schlafstelle „Oase“ deutlich überbelegt
Eigentlich gilt die die Unterkunft mit jeweils im Schnitt zwei Personen pro Zimmer als voll. Die vorgesehene Mindestbelegung ist jedoch weit überschritten: Statt 35 Personen übernachten dort aktuell 69 Menschen.
Wie das Amt für Soziales der Stadt Freiburg (AfS) mitteilt, wird niemand abgewiesen, auch wenn die Kapazitätsgrenzen überschritten sind. Eine Überbelegung sei in den Wintermonaten oft unvermeidlich. Die hohe Auslastung zeigt, wie groß der Bedarf an kurzfristigen Übernachtungsmöglichkeiten derzeit ist.
Neue Notunterkunft in ehemaliger Kirche
Seit dem 12. Dezember gibt es zusätzlich eine neue Notunterkunft im Freiburger Stadtteil Landwasser. Untergebracht ist sie in einer früheren evangelischen Kirche und bietet Platz für bis zu 20 Personen. Zu Beginn nutzten fünf bis sechs Menschen das Angebot, zwischenzeitlich waren es bis zu 13, teilt das Diakonische Werk Freiburg mit.
Angebot für Wohnungslose Freiburg hat Notschlafstelle in ehemaliger Kirche eingerichtet
Ein warmer Platz zum Schlafen: In der entwidmeten Zachäuskirche in Freiburg-Landwasser haben Kirche, Diakonie, Hochschule und Stadt einen Zufluchtsort für wohnungslose Menschen geschaffen.
Laut Sozialarbeiter Holger Hoffmann sind die Gäste „froh und dankbar“, einen warmen Schlafplatz zu haben. Besonders an sehr kalten Tagen sei der Bedarf groß. Die hohe Decke des Kirchenraums mache es allerdings schwierig, ausreichend Wärme zu halten – zusätzlich müssen Heizlüfter eingesetzt werden.
Versorgungslücken an Feiertagen
Neben einem Schlafplatz gibt es in Landwasser morgens und abends heiße Getränke sowie etwas zu essen. An besonders kalten Tagen wird auch Suppe ausgegeben. Problematisch seien vor allem Feiertage und Sonntage, erklärt Hoffmann. Dann seien viele Tagesstätten und Anlaufstellen geschlossen, in denen sich Wohnungslose tagsüber aufhalten können.
Wenn es tagsüber Minusgrade hat, sind das ganz schwierige Tage.
Über Weihnachten, Neujahr und am Dreikönigstag sei die Situation schwierig gewesen. An Feiertagen reicht das Notübernachtungsprogramm hier nicht aus.
Viele Menschen schlafen weiterhin draußen
Trotz der bestehenden Angebote, schlafen weiterhin viele Menschen draußen. Im vergangenen Winter waren der Stadt Freiburg 199 Personen bekannt, die draußen schliefen und keine Übernachtungsangebote nutzten. Für den laufenden Winter liegen noch keine abschließenden Zahlen vor.
Unterstützung erhalten Betroffene unter anderem durch Tagesstätten, Beratungsstellen und den Kältebus. Dort gibt es Essen, Kleidung, Schlafsäcke, Hygieneartikel und Beratung.
Zahl der Wohnungslosen stark gestiegen
Besorgniserregend ist die Entwicklung der vergangenen Jahre: Zwischen dem Winter 2023/2024 und dem Winter 2024/2025 ist die Zahl der bekannten wohnungslosen Menschen in Freiburg um rund 50 Prozent gestiegen. Fachstellen rechnen auch in diesem Winter mit hohen Zahlen.
Die Stadt und freie Träger appellieren an die Bevölkerung, die bestehenden Hilfsangebote zu unterstützen – vor allem durch Geldspenden. Sachspenden könnten meist nicht gelagert werden, sagt Holger Hoffman vom Diakonischen Werk Freiburg.